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Über­le­gun­gen, wie das Ba­de­zim­mer von mor­gen aus­se­hen wird

Die Zu­kunft ist zum Grei­fen na­he: Kann das ei­ge­ne Ba­de­zim­mer ein Stück weit Ver­ant­wor­tung für sei­nen Be­nut­zer über­neh­men? Ein Aus­blick auf die kom­men­den Jah­re.

» Die Ver­net­zung di­gi­ta­ler Ge­rä­te und die da­mit ver­bun­de­ne stän­di­ge Er­reich­bar­keit bringt nicht nur Vor­tei­le. Im Ge­spräch mit dem Ber­li­ner Ta­ges­spie­gel stell­te Mi­ka­el Yd­holm, For­schungs­chef bei Ikea, kürz­lich fest, dass so man­che Stress­ge­plag­te auf der Su­che nach Ru­he „am liebs­ten im Ba­de­zim­mer ar­bei­ten und es­sen“, teil­wei­se so­gar auf der Toi­let­te. Es sei der ein­zi­ge Raum, „wo man ganz al­lei­ne sein kann“. Man soll­te die Zeit nut­zen – das Bad wird wahr­schein­lich nicht mehr lan­ge ein ein­fa­cher Rück­zugs­ort blei­ben.

SCHALT­ZEN­TRA­LE. Ei­nes scheint fix zu sein: Das Bad von mor­gen denkt mit. Schon jetzt gibt es Ar­ma­tu­ren, auf de­nen die Wun­sch­was­ser­tem­pe­ra­tur vor­ein­ge­stellt wer­den kann. Elek­tri­sche Zahn­bürs­ten zei­gen an, wie lan­ge noch ge­putzt wer­den muss, wäh­rend das in der Wan­ne in­te­grier­te Au­di­oSys­tem für ei­nen me­di­ta­ti­ven Klang­tep­pich sorgt. Far­be und Qua­li­tät des Lich­tes pas­sen sich der ei­ge­nen Stim­mung an und im Fa­mi­li­en­bad wer­den Wasch­be­cken ein­fach ab­ge­senkt, da­mit auch das jüngs­te Mit­glied den Was­ser­hahn er­reicht. Und auf der Toi­let­te hebt und senkt sich die Klo­bril­le au­to­ma­tisch. So weit, so gut. Die Vi­sio­nen für das Mor­gen rei­chen aber wei­ter: Die ka­na­di­sche Fir­ma Posh View hat z. B. ei­nen in­ter­ak­ti­ven Spie­gel na­mens „iMir­ror“ent­wi­ckelt. Auf ihm wer­den mor­gend­li­che Stau­mel­dun­gen, die Wet­ter­vor­her­sa­ge oder Sta­tus­mel­dun­gen der Freun­de an­ge­ben. Ob es un­be­dingt nö­tig ist, sich schon bei der Mor­gen­toi­let­te mit der bes­ten Freun­din aus­zu­tau­schen, wird typab­hän­gig sein. Aber bei der Di­gi­ta­li­sie­rung und dem Aus­bau der tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten im Bad geht es nicht nur um Spie­le­rei­en. Zieht man den de­mo­gra­fi­schen Wan­del und die äl­ter wer­den­de Ge­sell­schaft in Be­tracht, is­tes­nur­wün­schens­wert, wenn das Bad sei­nem Be­nut­zer er­mög­licht, sich mög­lichst lan­ge au­to­nom zu be­we­gen–et­wa durch­hö­hen ver­stell­ba­re Ele­men­te, Vor­ein­stel­lun­gen und eben Ver­net­zung. So könn­te der be­tag­te Se­ni­or via Spie­gel auch Kon­takt zu Ver­wand­ten oder sei­nem Arzt auf­neh­men, wenn er bei der Ta­blet­ten­ein­nah­me Pro­ble­me hat. Ar­ma­tu­ren­her­stel­ler Gro­he und Ke­ra­mik­her­stel­ler Vil­le­roy & Boch­ha­ben sich vor ei­ni­ger Zeit zu­sam­men­ge­tan und über­legt, wie sich das Bad bis zum Jahr 2034 ver­än­dern wird. Her­aus­ge­kom­men ist z. B. das fu­tu­ris­ti­sche Sze­na­rio des He­alth­ness-Bads: Der Raum wird da­bei zum Be­ob­ach­ter der ei­ge­nen Ge­sund­heit. Das WC kon­trol­liert Urin­wer­te und die Zahn­bürs­te sam­melt In­for­ma­tio­nen aus dem Spei­chel. So spei­chern und prü­fen ver­schie­de­ne Ele­men­teKör­per-un­dVi­tal­da­ten­und be­rei­ten sie für den Nut­zer auf. Prak­ti­scher ist ei­ne Stu­den­ten­grup­pe an das The­ma her­an­ge­gan­gen. Die jun­gen For­scher prä­sen­tier­ten ih­re Ide­en zum Bad der Zu­kunft auf der Sa­ni­tärund Hei­zungs­mes­se ISH in Frank­furt am Main. Ih­re Lö­sun­gen sind pra­xis­taug­lich und zie­len auch hier auf ei­ne äl­te­re und ge­brech­li­che­re Be­nut­zer­schicht ab. Ent­stan­den ist z. B. ei­ne drei­bei­ni­ge Kom­bi­na­ti­on aus Ho­cker und Stüt­ze, die Sitz­ge­le­gen­heit, Stüt­ze und Auf­steh­hil­fe zugleich ist. Um vi­sio­när zu sein, braucht es nicht im­mer die gro­ße, auf­merk­sam­keits­er­re­gen­de Idee. Aus ei­ner Vi­si­on wird in den meis­ten Fäl­len nur Rea­li­tät, wenn sie pra­xis­taug­lich ist. - BE­LIN­DA FIE­BI­GER

Der Mes­sen­ger ist be­reits im Spie­gel in­te­griert – sind wir in Zu­kunft nicht ein­mal im Bad al­lein?

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