ÜBER­RA­SCHUNG GE­LUN­GEN

KURIER_WOHNEN - - Interview -

Ei­ne Mo­de de­si­gne­rin und ein Spit­zen­koch füh­ren durchih­re Pri­vat­kü­che

Sie ist ei­ne jun­ge er­folg­rei­che Mo­de­de­si­gne­rin, er ein ver­sier­ter Spit­zen­koch – bei­de ha­ben nicht da­mit ge­rech­net, dass wir uns für ih­re Pri­vat­kü­chen in­ter­es­sie­ren. Ha­ben wir aber – und da­bei ei­ni­ges In­ter­es­san­tes er­fah­ren.

» „Mei­ne Kü­che wollt ihr se­hen und fo­to­gra­fie­ren? Aha, ok?!“So in et­wa kann man sich Re­ak­ti­on von Mo­de­de­si­gne­rin Eva Po­le­schin­ski vor­stel­len, als wir an­frag­ten, ob wir ih­re Kü­che vor­stel­len dürf­ten. Da­mit hat­te die 31-Jäh­ri­ge ir­gend­wie gar nicht ge­rech­net – und doch spon­tan zu­ge­sagt. „Zu Hau­se wird aber ge­ra­de re­no­viert, des­halb ist un­se­re Kü­che der­zeit und für die nächs­ten Mo­na­te die im Ate­lier“, so die De­si­gne­rin. „Die ha­be ich aber sel­ber ent­wor­fen und von ei­nem stei­ri­schen Tisch­ler maß­an­fer­ti­gen las­sen.“Das hat uns erst so rich­tig neu­gie­rig ge­macht. »

man das Po­le­schin­ski-Mo­de­ate­lier im ers­ten Stock ei­nes Alt­baus im sechs­ten Be­zirk be­tritt, steht man schon nach we­ni­gen Schrit­ten in der klei­nen Kü­che, die aus ei­ner Kü­chen­zei­le und ei­nem Steh­tisch­chen be­steht, ge­gen­über ein Gang­fens­ter. Ob­wohl es hier kein Ta­ges­licht gibt, ist es hell und freund­lich. „Ich woll­te die Kü­che in Ein­gangs­nä­he, weil hier un­se­re Kun­den be­grüßt wer­den und ich ih­nen gleich was zum Trin­ken an­bie­ten kann“, er­klärt die ge­bür­ti­ge Stei­re­rin, die­aber­schon­seit­vie­len Jah­re­nin Wi­en lebt und hier Kar­rie­re als Mo­de­de­si­gne­rin ge­macht hat. Mitt­ler­wei­le gibt es schon drei La­bels un­ter ih­rem Na­men: Up Sto­re To go, Ep Anoui, die in­ter­na­tio­na­le Run­way­kol­lek­ti­on und das äu­ßerst er­folg­rei­che neue Ba­by: Bri­dal + Eve, das in­di­vi­du­el­le Cou­ture für Bräu­te bie­tet. Je­deih­rer Krea­tio­ne­n­is­tein Uni­kat, ge­nau­so wie ih­re Kü­che. Sie hat sie vor drei Jah­ren ent­wor­fen, der An­spruch war: we­nig Li­nie, gro­ße Flä­chen. „Mir war die Funk­ti­on wich­tig, dass sie hier her­ein passt und dass sie schön aus­sieht“, er­klärt Po­le­schin­ski. Hin­ter den glat- ten Fron­ten sind Ge­schirr und Le­bens­mit­tel un­sicht­bar auf­be­wahrt, so ist die Kü­che schnell auf­ge­räumt. Bei ih­rem Ent­wurf trifft das Lack­weiß der Fron­ten auf die matt­schwar­zen Ar­beits­plat­ten mit ein­ge­las­se­nem schwar­zen Ab­wasch­be­cken. Die­se Schwarz-Wei­ßOp­tik wird nur durch Leis­ten mit LEDLämp­chen spie­le­risch durch­bro­chen. De­ren Far­be kann nach Stim­mung ge­wech­selt wer­den. Bei un­se­rem Ter­min se­hen wir Li­la, Bräu­te wer­den ger­ne in Pink will­kom­men ge­hei­ßen und zu Weih­nach­ten wird es rot.

ORT DER BE­GEG­NUNG. Die De­si­gne­rin steht sehr oft in ih­rer Kü­che, hier wird ge­ar­bei­tet, ge­ges­sen, emp­fan­gen. Ko­chen tut sie al­ler­dings nur sel­ten: „Mein Mann kann das viel bes­ser.“Da die Woh­nung im 9. Be­zirk ge­ra­de ge­ne­ral­sa­niert wird, hält sich das Ehe­paar die meis­te Zeit im Ate­lier auf und die Kü­che ist so auch ihr per­sön­li­cher Ort der Be­geg­nung. Eva Po­le­schin­ski kom­bi­niert ger­ne, be­son­ders ge­konnt Alt mit Neu. Da wird ein Tho­net­tisch zur Abla­ge um­funk­tio­niert und rus­si­sche Ma­trjosch­kas mit Ge­wür­zen und ZuWenn

cker be­füllt. Ihr ta­len­tier­tes Händ­chen ist all­ge­gen­wär­tig, so haucht sie Le­ben in das dunk­le Gang­fens­ter, in­dem sie ein gel­bes Spit­zen­kleid dar­in auf­hängt und es mit ei­nem Spot in Sze­ne setzt. In­spi­ra­ti­on für ih­re Ent­wür­fe fin­det sie auf Rei­sen und in der Ar­chi­tek­tur. So war ih­re letz­te Kol­lek­ti­on von Bra­si­li­en und der Ar­beit Os­kar Nie­mey­ers in­spi­riert: „Vor al­lem bei den Mus­tern und in der Schnitt­füh­rung“, wie die Mo­de­ma­che­rin be­tont. In ihr Ate­lier kom­men vor al­lem Bri­dal & Eve Kun­den, die in der Kü­che „ent­stres­sen“sol­len­und­hier­mit Kaf­fee, Tee und Häpp­chen ver­wöhnt wer­den, be­vor sie dann in das Al­ler­hei­ligs­te ein­tre­ten und ih­re ganz per­sön­li­che Über­ra­schung er­le­ben: den hel­len und groß­zü­gi­gen Show­room mit Er­ker, in dem die wun­der­ba­ren Ent­wür­fe der De­si­gne­rin zur An­pro­be be­reit sind.

KEIN CHI­CHI. Sei­ne Kun­den nimmt der Hau­ben­koch Sieg­fried Kröpfl nicht mit nach Hau­se. In sei­ner pri­va­ten Kü­che be­kocht der ge­bür­ti­ge Ti­ro­ler nur sei­ne Ver­wand­ten und Freun­de und schätzt da­bei das of­fe­ne De­sign der Wohn­kü­che, das den Raum zum Treff­punkt der Fa­mi­lie macht. Das Zen­trum sei­ner schwarz-wei­ßen Kü­chen­zei­le, die er vor ein paar Jah­ren in­di­vi­du­ell an­fer­ti­gen ließ, ist al­ler­dings nicht der Herd, son­dern ein Ther­mo­mix. „Das ist mein Ba­by“, sagt Kröpfl vol­ler En­thu­si­as­mus. Mit dem Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rät kön­ne er un­ter an­de­rem dämp­fen, wie­gen, zer­klei­nern, ko­chen, mi­xen und mah­len. Auch sonst bleibt die Kü­chen­aus­stat­tung eher­funk­tio­nal, „ich­brau­che­k­ein Chi­chi, da­mit ha­be ich mich ge­nug ge­är­gert“, er­zählt der Pro­fi-Koch. Er hält nichts von Herd­plat­ten mit Touch­screens, die durch fet­te oder nas­se Fin­ger un­be­dien­bar wer­den. Ge­ne­rell gä­be es in der Gas­tro­no­mie sehr vie­le High­tech-Ge­rä­te, von de­nen nur 80 Pro­zent ver­wen­det wer­den. „Ich lie­be den Herd mit Knopf, wo man noch dre­hen kann.“Die­se ana­chro­nis­ti­sche Ein­stel­lung hat viel­leicht ih­ren Ur­sprung in Kröpfls Kind­heit in den Ti­ro­ler Ber­gen. Mit acht Ge­schwis­tern auf ei­nem Berg­bau­ern­hof auf­ge­wach­sen, kennt der Koch das „har­te, aber schö­ne Le­ben“, wie er selbst sagt. Als Fe­ri­en­be­schäf­ti­gung ha­ben die Kin­der im Som­mer Tannen- und Fich­te­näs­te im Wald ge­sam­melt, mit de­nen dann der Holz­ofen zum Ko­chen be­feu­ert wur­de. Hier hat er auch mit sechs Jah­ren zu ba­cken be­gon­nen. „Am An­fang ist noch viel ver­brannt“, sagt Kröpfl und grinst. Die Ge­rich­te sei­ner Kind­heit wa­ren Kai­ser­schmarrn, Pa­latschin­ken und Tra­di­tio­nelles­wie Grießster­zund Erd­äp­fel­gu­lasch, das er auch heu­te noch zu sei­nen Lieb­lings­ge­rich­ten zählt. Im Ge­gen­satz zu da­mals er­nährt sich der 57-Jäh­ri­ge jetzt al­ler­dings ve­gan. Ge­mein­sam mit sei­ner Toch­ter Melanie Kröpfl, die beim Schwe­den­platz ei­ne ve­ga­ne Kon­di­to­rei be­treibt, hat er schon zwei Koch­bü­cher ge­schrie­ben. Sei­ne letz­ten bei­den Jobs als »

Kü­chen­chef im Wie­ner Bris­tol und im Me­liá im DC To­wer hat Kröpfl ge­gen die Selbst­stän­dig­keit ge­tauscht, jetzt macht er Koch­shows und un­ter­rich­tet Be­rufs­schul­leh­rer in ve­ga­ner Kü­che. „In der Gas­tro­no­mie ist schon al­les aus­ge­lutscht, die pflanz­li­che Kü­che hin­ge­gen ist ei­ne so gro­ße Spiel­wie­se, mit der sich erst ganz we­ni­ge be­fas­sen“, schwärmt der Hau­ben­koch. Min­des­tens ge­nau­so be­geis­tert re­agiert Kröpfl auf die Fra­ge nach sei­nen Lieb­lings­zu­ta­ten – das sei­en ein­deu­tig fri­sche Kräu­ter. Er führt uns in den Gar­ten sei­nes Ein­fa­mi­li­en­hau­ses in ei­nem Wie­ner Vo­r­ort und zeigt uns ku­ba­ni­schen Ore­ga­no, der „ir­re im Ge­schmack“sei, Wald­meis­ter und ein stark duf­ten­des Co­la-Kraut, das er in Kärn­ten ent­deckt hat und mit des­sen äthe­ri­schen In­halts­stof­fen er ger­ne her­um­ex­pe­ri­men­tiert. Ne­ben Kräu­tern zie­ren auch et­li­che Blu­men den Gar­ten, so auch die Edel­ro­se Main­au­duft. Aus die­ser aro­ma­ti­schen Blü­te wird er spä­ter Ro­sen­es­sig her­stel­len. Ge­ne­rell hält der Koch viel vom Sel­ber­ma­chen. Am Vor­tag un­se­res Be­su­ches hat er mit ei­ner 20 Jah­re al­ten, hand­be­trie­be­nen Nu­del­ma­schi­ne Teig­wa­ren mit St­ein­pilz­fül­lung her­ge­stellt, na­tür­lich oh­ne tie­ri­sche Zu­ta­ten, wie er im­mer wie­der be­tont. Wich­tig sei für ihn auch das rich­ti­ge Werk­zeug: höl­zer­ne Schneid­bret­ter, schar­fe Mes­ser und ei­ne gu­te Pfan­ne. Hier­dür­fe man nicht am fal­schen En­de spa­ren, denn Ko­chen müs­se Spaß ma­chen, sagt Kröpfl, kaut an ei­nem Blatt Sau­er­amp­fer und führt uns durch den nach Feng Shui an­ge­leg­ten Gar­ten. Sich zu Hau­se wohl­zu­füh­len sei näm­lich das Wich­tigs­te. - DO­RO­THE RAI­NER & JU­LIA GSCHMEID­LER

Will­kom­men: Bei Mo­de­de­si­gne­rin Eva Po­le­schin­ski ist die Kü­che auch gleich­zei­tig der Emp­fangs­raum

In ei­nem der Aus­zieh­re­ga­le ver­staut Hau­ben­koch Sieg­fried Kröpfl Back­zu­ta­ten, Sü­ßig­kei­ten und Su­per­food wie Chia-Sa­men und Go­ji-Bee­ren

Die LED-Leuch­ten kön­nen in ver­schie­de­nen Far­ben er­leuch­ten. Die De­si­gne­rin macht die Wahl stim­mungs­ab­hän­gig

So de­ko­riert die De­si­gne­rin ihr Kü­chen­fens­ter zum Gang. In­spi­ra­tio­nen holt sie sich von ih­ren vie­len Rei­sen

Eva Po­le­schin­ski, Mo­de­de­si­gne­rin Bri­dal & Eve und EP-Anoui

„Die Kü­che ist bei mir auch das En­tree. Sie muss schön, in­di­vi­du­ell und funk­tio­nal sein, so wie mei­ne Mo­de.“

Mit Lie­be zum De­tail: die Snacks auf Por­zel­lan, eng­li­sches Sil­ber am Fens­ter­brett und in den Ma­trjosch­kas sind die Ge­wür­ze auf­be­wahrt

Li.: Mops Sch­nu­di be­wacht den ge­lieb­ten Ther­mo­mix; die Nu­del­ma­schi­ne aus den 90ern (oben); Kröpfl in sei­nem Ge­würz­gar­ten

Re­zept für Sieg­fried Kröpfls Erd­äp­fel­gu­lasch

Zu­ta­ten (für 4 Per­so­nen) ' 1 kg Erd­äp­fel meh­lig ' 200g Zwie­bel ' 2 El Son­nen­blu­men­öl ' 1.5 l Ge­mü­se­fond ' 3 St. Lor­beer­blät­ter ' Etw. fri­schen oder ge­trock­ne­ten Ma­jo­ran ' 2 El To­ma­ten­mark ' 4 El Pa­pri­ka Pul­ver edel­süß ' Es­sig, Salz & Pfef­fer aus der Müh­le 1 ei­nem Topf gold­braun rös­ten. Da­nach Zwie­bel schä­len, fein schnei­den und in To­ma­ten­mark bei­ge­ben und Pa­pri­ka mit ei­nem Schuss Es­sig ab­lö­schen und mit dem Ge­mü­se­fond auf­gie­ßen. 2 ge­schnit­te­nen Erd­äp­fel bei­ge­ben und Nun die ge­schäl­ten, wür­fe­lig die rest­li­chen Zu­ta­ten ca. 20 Mi­nu­ten kö­cheln las­sen und ab­schme­cken. 3 mit Mais­stär­ke ab­bin­den. Bei uns in Ti­rol Soll­te­da­sGu­la­schet­was­zu­flüs­sig­sein, isst man im­mer Gur­kerl da­zu –die wer­den ins Gu­lasch ge­schnit­ten.

Ge­fragt nach sei­nem Lieb­lings­ort zum Ko­chen, gibt der ers­te ve­gan le­ben­de Hau­ben­koch Ös­ter­reichs, Sieg­fried Kröpfl, ei­ne über­ra­schen­de Ant­wort

„Am liebs­ten wä­re mir ei­ne Alm­hüt­te: Ru­he, Na­tur pur, so wie es frü­her war.“

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