Blick über die Gren­zen

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Was dis­ku­tiert Frank­reich?

BLICK ÜBER DIE GREN­ZEN: FRANK­REICH

Mus­li­mi­scher An­ti­se­mi­tis­mus und neu­er Kon­ser­va­tis­mus sind die bei­den in Frank­reich ge­ra­de in­ten­siv dis­ku­tier­ten The­men. Das Buch der St­un­de be­herrscht das na­tio­na­le Feuille­ton und die po­li­ti­sche De­bat­te: Das Ma­ni­fest „Der neue An­ti­se­mi­tis­mus in Frank­reich“[Le nou­vel An­ti­sé­mi­tis­me en Fran­ce] wur­de von 15 Per­so­nen un­ter der Lei­tung von Al­bin Mi­chel er­ar­bei­tet und von 250 In­tel­lek­tu­el­len, Künst­le­rin­nen und ehe­ma­li­gen Po­li­ti­ke­rin­nen in der Zeit­schrift Le Pa­ri­si­en un­ter­zeich­net. Die Au­to­rin­nen be­kla­gen ei­nen neu­en An­ti­se­mi­tis­mus, der vor al­lem von jun­gen Mus­li­men aus den Vor­städ­ten ge­pflegt wird und in sei­ner Bru­ta­li­tät fran­zö­si­sche Ju­den zwingt, ih­re an­ge­stamm­ten Stadt­vier­tel zu ver­las­sen – im Ma­ni­fest als stil­le eth­ni­sche Säu­be­rung ge­brand­markt. Das Au­to­rin­nen-kol­lek­tiv be­klagt ei­ne „wah­re Ver­leug­nung der Rea­li­tät“durch Po­li­tik und Me­dien­land­schaft. Da­zu kom­me, dass An­ti­se­mi­tis­mus durch Mus­li­min­nen als so­zia­les Pro­blem ba­ga­tel­li­siert wer­de. Die Au­to­rin­nen äu­ßern zu­dem die Kri­tik, dass der Koran selbst star­ke an­ti­se­mi­ti­sche Ele­men­te be­inhal­te und die lokale mus­li­mi­sche Ge­mein­schaft we­nig zu ei­ner zeit­ge­mä­ßen, hass­frei­en Aus­le­gung bei­trü­ge. Das Ma­ni­fest un­ter­streicht, An­ti­se­mi­tis­mus sei ein Pro­blem für die ge­sam­te Ge­sell­schaft und der Is­lam brau­che ei­ne theo­lo­gi­sche Neu­aus­rich­tung.

Der Text hat star­ke Re­ak­tio­nen aus­ge­löst. So wird et­wa ei­ne sim­pli­fi­zie­ren­de Re­duk­ti­on des Is­lams auf Ge­walt, die Stig­ma­ti­sie­rung von Mus­li­min­nen und die dra­ma­ti­sie­ren­de Spra­che des Ma­ni­fests kri­ti­siert (Li­bé­ra­ti­on; Les In­rock­up­ti­bles). Gu­te Ab­sich­ten aber schlech­te Vor­schlä­ge sieht L’obs im Ma­ni­fest – auch wenn un­be­streit­bar sei, dass der wie­der­er­star­ken­de An­ti­se­mi­tis­mus vor al­lem un­ter Mus­li­min­nen be­kämpft wer­den müs­se, ver­lan­ge der Text et­was, was kei­ne Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft je ge­tan ha­be, näm­lich das Abän­dern der theo­lo­gi­schen Grund­la­gen. Ei­nig sind sich die fran­zö­si­schen Me­di­en je­doch in ei­ner Sa­che: An­ti­se­mi­tis­mus in Frank­reich ist ein rea­les Pro­blem und muss be­kämpft wer­den.

Der Jour­na­list Pas­ca­le Tour­nier hat sich in „Die Rück­kehr der al­ten Welt“[Le vieux mon­de est de re­tour] mit dem Wie­der­er­star­ken rechts­kon­ser­va­ti­ver Be­we­gun­gen be­schäf­tigt – vor al­lem in der jun­gen Ge­ne­ra­ti­on, die nach dem Fall der Ber­li­ner Mau­er ge­bo­ren wur­de. De­ren Feind­bil­der: Pro­gres­si­vis­mus (et­wa in Fra­gen der gleich­ge­schlecht­li­chen Ehe, Re­pro­duk­ti­ons­me­di­zin oder Ster­be­hil­fe), Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus und Li­be­ra­lis­mus. In ei­ne Zeit ge­bo­ren, in der Um­welt- und Wirt­schafts­kri­sen ne­ben ver­un­si­cher­ten mul­ti­kul­tu­rel­len Ge­sell­schaf­ten ste­hen, stel­len die neu­en Kon­ser­va­ti­ven Gren­zen in den Mit­tel­punkt. Der Au­tor be­tont die Bunt­heit der Sze­ne – ne­ben Ka­tho­li­ken, Mon­ar­chis­ten oder Kon­ser­va­ti­ven im anglo­säch­si­schen Sinn fin­den sich auch „Bio-kon­ser­va­ti­ve“, die ei­nen ra­di­kal­öko­lo­gi­schen Le­bens­stil le­ben und die ak­tu­el­le Um­welt­mi­se­re ei­ner ent­grenzt-li­be­ra­len Ge­sell­schaft zu­schrei­ben. Or­ga­ni­siert sind sie in Think Tanks, sie hal­ten Kol­lo­qui­en, be­spie­len Blogs und pu­bli­zie­ren Jour­na­le. Im Interview mit L’obs ver­weist Tour­nier dar­auf, dass es kei­ne po­li­ti­sche Hei­mat mehr für Kon­ser­va­ti­ve ge­be, al­so müss­ten die­se al­les in den kul­tu­rel­len Kampf in­ves­tie­ren. Bir­git Bah­tic-kun­rath

Le Nou­vel An­ti­sé­mi­tis­me en Fran­ce. Re­tour sur l’af­fair Sa­rah Hali­mi. Mi­chel, Al­bin/collec­tiv (Hrsg.). Paris: AM Hors. Coll. 2018, 224 S., € 15 [F] ISBN 978-2226436154

97 Tour­nier, Pas­ca­le: Le vieux mon­de est de re­tour. En­quête sur les nou­veaux con­ser­va­teurs. Paris: Stock. 2018, 280 S., € 19 [F]

ISBN 978-2234083547 die struk­tu­rel­le Ge­walt, die sich im Ab­bau bür­ger­li­cher Frei­hei­ten im Na­men der Si­cher­heit äu­ßert. Es scheint,dass die­se Form der Ge­walt zu­nimmt – wäh­rend phy­si­sche in­di­vi­du­el­le Ge­walt (und das ist die ei­gent­li­che gu­te Nach­richt des Bu­ches) per­ma­nent we­ni­ger wird (S. 122).

Wu­ke­tits greift mit­un­ter auf All­ge­mein­plät­ze zu­rück – et­wa dass ge­walt­tä­ti­ge Com­pu­ter­spie­le Ag­gres­si­on und da­mit Ge­walt­tä­tig­keit för­dern.auch taucht manch un­glück­li­cher Ver­gleich auf, et­wa wenn Bü­ro­kra­ti­sie­rung bzw. Über­re­gu­lie­rung als struk­tu­rel­le Ge­walt be­nannt wird (so et­wa im Fall der All­er­gen­ver­ord­nung der EU). Ei­ne stär­ke­re Ein­bin­dung wis­sen­schaft­li­cher Qu­el­len hät­te dem The­ma gut­ge­tan. Ge­walt

Wu­ke­tits, Franz M.: Mord. Krieg. Ter­ror. Sind wir zur Ge­walt ver­ur­teilt? Stuttgart:, 2016. 147 S., € 22,40 [D], 23,80 [A] ; ISBN 978-3-7776-2543-0

Ge­gen die Ge­walt des Staa­tes

Der Us-ame­ri­ka­ni­sche His­to­ri­ker Ti­mo­thy Sny­der hat ei­nen schma­len Band „Über Ty­ran­nei“ge­schrie­ben – und wie man der staat­li­chen Ge­walt Wi­der­stand leis­tet. Der Au­tor bie­tet 20 Lek­tio­nen an, die al­le­samt auf his­to­ri­sche Bei­spie­le zu­rück­grei­fen, aber Leh­ren für ak­tu­el­le po­li­ti­sche Ent­wick­lun­gen in den USA und Eu­ro­pa be­inhal­ten – und vor al­lem Hand­lungs­an­lei­tun­gen zum Wi­der­stand.

Sny­der ver­weist dar­auf, dass die Be­din­gun­gen, an de­nen die eu­ro­päi­schen De­mo­kra­ti­en in der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts schei­ter­ten, sich je­der­zeit wie­der­ho­len kön­nen bzw. ge­ra­de da­bei sind, sich zu wie­der­ho­len: das Leug­nen von ob­jek­ti­ven Wahr­hei­ten hat wie­der Kon­junk­tur, eben­so wie tat­säch­li­che oder ver­meint­li­che Un­gleich­hei­ten im Kon­text der Glo­ba­li­sie­rung. Tat­säch­lich ist De­mo­kra­tie nie ga­ran­tiert, son­dern muss ak­tiv be­schützt und be­wahrt wer­den, pri­mär vor vor­aus­ei­len­dem Ge­hor­sam ge­gen­über po­li­ti­schen Au­to­ri­tä­ten. Ei­ne wich­ti­ge Rol­le spie­len da­bei In­sti­tu­tio­nen, die ent­schie­den ver­tei­digt wer­den müs­sen, ge­nau­so wie das Mehr­par­tei­en-sys­tem. Ne­ben ei­nem ge­sun­den po­li­ti­schen Wett­be­werb braucht es aber auch per­sön­li­chen Ein­satz, um der Ty­ran­nei zu wi­der­ste­hen. Dies be­ginnt im Klei­nen, in ei­ner „Po­li­tik des Alltags“– et­wa, dass man Hass­bot­schaf­ten und -sym­bo­le aus dem öf­fent­li­chen Raum ent­fernt oder öf­fent­li­chen an­ti-de­mo­kra­ti­schen Pa­ro­len kei­ne Büh­ne bie­tet. Ge­walt­aus­übung soll dem Staat di­rekt un­ter­ste­hen: Sny­der dia­gnos­ti­ziert den sich im­mer stär­ker ver­brei­te­ten Ein­satz von pri­va­ti­sier­ten Ge­fäng­nis­sen, Söld­nern und pri­va­ten Si­cher­heits­diens­ten als ei­nen ers­ten Schritt zu pa­ra­mi­li­tä­ri­schen Grup­pie­run­gen, wel­che je­de De­mo­kra­tie be­dro­hen. Zen­tral ist das

Nein im rich­ti­gen Mo­ment: Ob Rich­te­rin­nen oder Be­am­tin­nen, ob Po­li­zis­tin­nen oder Sol­da­tin­nen – un­de­mo­kra­ti­sche Re­gime ha­ben sich im­mer auf de­ren Will­fäh­rig­keit ver­las­sen.

Ein of­fen­kun­di­ges Ele­ment der Ty­ran­nei ist die „of­fe­ne Feind­se­lig­keit ge­gen­über der ve­ri­fi­zier­ba­ren Wirk­lich­keit, und sie äu­ßert sich der­ge­stalt, dass man Er­fin­dun­gen und Lü­gen prä­sen­tiert, als ob es sich um Fak­ten han­del­te“(S. 66). Die­sen Ver­dre­hun­gen muss man ak­tiv ent­ge­gen­tre­ten – denn „[n]ach der Wahr­heit ist vor dem Fa­schis­mus“(S. 71). Hier nimmt Sny­der den Jour­na­lis­mus in die Pflicht, aber auch die Bür­ge­rin­nen, die ei­nen kri­ti­schen Um­gang vor al­lem mit dem In­ter­net und dem Bou­le­vard ent­wi­ckeln müs­sen. Über­haupt die Bür­ge­rin­nen: Zi­vil­ge­sell­schaft­li­ches En­ga­ge­ment – sei es or­ga­ni­siert oder auf zwi­schen­mensch­li­cher Ebe­ne ge­gen­über Dis­kri­mi­nier­ten und Ver­folg­ten – aber auch ein Pri­vat­le­ben, auf das der Staat kei­nen Zu­griff hat, un­ter­mi­nie­ren to­ta­li­tä­re Macht­stra­te­gi­en. Da­zu braucht es Pa­trio­tis­mus oh­ne Na­tio­na­lis­mus: Wer sein Land liebt, möch­te, dass es sich von sei­ner „bes­ten Sei­te“zeigt, im Kon­text von welt­weit gel­ten­den Wer­ten (vgl. S. 114).

Das Buch en­det mit ei­nem Plä­doy­er ge­gen ei­ne „Po­li­tik der Un­aus­weich­lich­keit“– ge­gen die ver­meint­li­chen Sach­zwän­ge, die au­to­ri­tä­re Re­gie­run­gen schein­bar nö­tig ma­chen. Der Kampf ge­gen den Ter­ror ist das bes­te Bei­spiel da­für. Sny­der ist sicher: Es gibt im­mer de­mo­kra­ti­sche Al­ter­na­ti­ven. Ge­walt

Sny­der, Ti­mo­thy: Über Ty­ran­nei. Zwan­zig Lek­tio­nen für den Wi­der­stand. Mün­chen: C.H. Beck, 2017. 127 S., €10 [D], 10,30 [A] ; ISBN 978-3-406-71146-6

Frie­den durch De­mo­kra­tie

Thors­ten Gro­mes, Bern­hard Molt­mann und Bru­no Schach ha­ben sich Ge­dan­ken zur Rol­le von De­mo­kra­ti­sie­rung bei der Über­win­dung der Ge­walt ge­macht und zeich­nen die­se an­hand drei­er Fall­bei­spie­le nach: Bos­ni­en und Her­ze­go­wi­na, Ko­so­vo und Nord­ir­land.

„Pe­ace en­force­ment“durch ex­ter­ne De­mo­kra­ti­sie­rung wur­de ab den 1990er-jah­ren ei­ne an­er­kann­te Stra­te­gie für die Be­en­di­gung von Bür­ger­krie­gen, wel­che je­doch bald ins Kreuz­feu­er der Kri­tik ge­riet: von „Men­schen­recht­sim­pe­ria­lis­mus“war die Re­de, der letzt­lich nur macht­po­li­ti­schen In­ter­es­sen die­ne (S. 15ff.). Die Au­to­ren be­to­nen je­doch, dass „de­mo­kra­ti­scher In­ter­ven­tio­nis­mus“nicht per se ge­schei­tert ist: In Bos­ni­en, im Ko­so­vo und in Nord­ir­land si­cher­te der Auf­bau de­mo­kra­ti­scher In­sti­tu­tio­nen un­ter ex­ter­nem Druck den Frie­den nach­hal­tig – ob­wohl ge­ra­de Bür­ger­krie­ge ei­ne ho­he Rück­fall­quo­te auf­wei­sen (S. 37). In al­len drei Fäl­len wur­de ei­ne Kon­kor­d­anz­de­mo­kra­tie in­stal­liert – ei­ne De­mo­kra­tie mit Ve­to-rech­ten und Au­to­no­mie für Min­der­hei­ten. Im Fall Bos­ni­ens hat das Frie­dens­ab­kom­men von Day­ton (1995) ein aus­ta­rier­tes Sys­tem von Macht­tei­lung ge­schaf­fen. Da­durch wur­de ga­ran­tiert, dass kei­ne Eth­nie in vi­ta­len Fra­gen über­stimmt wer­den kann. Gleich­zei­tig hat man da­mit auch die To­tal­blo­cka­de staat­li­cher In­sti­tu­tio­nen er­mög­licht. Ei­ne Ver­söh­nung zwi­schen den Kon­flikt­par­tei­en fand nie statt, die Kor­rup­ti­on ist en­de­misch und die Wirt­schaft liegt am Bo­den. Doch es gibt re­gel­mä­ßig freie Wah­len und po­li­ti­schen Wett­be­werb, ei­ne freie Pres­se und vor al­lem Frie­den. Ähn­li­ches gilt für Ko­so­vo, wo die NA­TO 1999 auf eth­ni­sche Säu­be­run­gen durch ser­bi­sche Trup­pen mit ei­ner mi­li­tä­ri­schen In­ter­ven­ti­on re­agier­te. Die Ein­bin­dung der ser­bi­schen Min­der­heit in die de­mo­kra­ti­schen In­sti­tu­tio­nen ist nur be­dingt ge­glückt; viel­mehr hat sich im Nor­den des Lan­des ei­ne ser­bi­sche Par­al­lel­ge­sell­schaft eta­bliert. Die­se hat kein In­ter­es­se, dem Staat Le­gi­ti­ma­ti­on durch Par­ti­zi­pa­ti­on zu ver­lei­hen. Kor­rup­ti­on, man­geln­de Auf­klä­rung von Kriegs­ver­bre­chen und Druck auf Me­di­en zei­gen, dass kei­ne Mus­ter­de­mo­kra­tie ge­schaf­fen wur­de. Den­noch hat die Prä­senz von Frie­dens­trup­pen eth­no-na­tio­na­le Ge­walt un­ter­bun­den.

In Nord­ir­land spiel­ten die bri­ti­schen und iri­schen Re­gie­run­gen durch das Kar­frei­tags-ab­kom­men (1998) ei­ne zen­tra­le Rol­le bei der Be­en­di­gung des Kon­flikts. Auch hier wur­de ein Sys­tem der eth­ni­schen Macht­tei­lung ge­schaf­fen. Nach der Ent­waff­nung von Pa­ra­mi­li­tärs ging man da­zu über, die frü­he­ren Kon­tra­hen­ten in den po­li­ti­schen Pro­zess ein­zu­bin­den. Eben­falls im Fall Nord­ir­lands lässt sich fest­stel­len, „dass bei­de Sei­ten nicht grund­sätz­lich von wi­der­strei­ten­den Po­si­tio­nen und Zu­kunfts­vor­stel­lun­gen ab­ge­rückt sind, je­doch die Be­din­gun­gen des Frie­dens­ar­ran­ge­ments ak­zep­tiert ha­ben“(S. 118).

Das Fa­zit der Au­to­ren: De­mo­kra­ti­sie­rung als In­stru­ment der Frie­dens­kon­so­li­die­rung ist bes­ser als ihr Ruf. Je­doch stößt die Stra­te­gie an Gren­zen, wenn es um Aus­söh­nung un­d­auf­bau ei­ner funk­tio­nie­ren­den mul­ti­eth­ni­schen Ge­sell­schaft geht – hier braucht es Zeit: „Selbst­ver­ständ­lich hat sich das Ko­so­vo nicht in­ner­halb ei­ni­ger Jah­re zu ei­ner zwei­ten Schweiz ver­wan­delt, und fast 20 Jah­re nach dem Day­ton-ab­kom­men darf es nie­mand wun­dern, dass Bos­ni­en und Her­ze­go­wi­na in Sa­chen De­mo­kra­tie nicht mit Schwe­den mit­hal­ten kann.“(S. 168) Ge­walt

Gro­mes, Thors­ten; Molt­mann, Bern­hard; Schoch, Bru­no: Die Über­win­dung der Ge­walt. De­mo­kra­ti­sie­rung von au­ßen in Nach­bür­ger­kriegs­ge­sell­schaf­ten. Schwal­bach: Wo­chen­schau Verl., 2016. 189 S.,

€ 14,80 [A/D] ; ISBN 978-3-7344-0200-5

„Den Er­fah­run­gen mit Af­gha­nis­tan und dem Irak zum Trotz be­zeu­gen die drei Er­folgs­ge­schich­ten [Bos­ni­en und Her­ze­go­wi­na, Ko­so­vo und Nord­ir­land], dass ex­ter­ne De­mo­kra­ti­sie­rung nicht per se zum Schei­tern ver­ur­teilt ist.”

(Bru­no Schoch in , S. 39)

Kon­flik­te über­win­den

Der Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler Ralf Lan­ge­jür­gen hat ein um­fas­sen­des Werk zur Über­win­dung po­li­tisch-mi­li­tä­ri­scher Kon­flikt­si­tua­tio­nen ver­fasst, wel­ches zahl­rei­che Bei­spie­le von über­wun­de­nen und nicht be­en­de­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen ge­gen­über­stellt. Lan­ge­jür­gen sieht als Haupt­grund für fest­ge­fah­re­ne Kon­flik­te ei­ne ge­gen­sei­ti­ge de­struk­ti­ve „Fas­zi­na­ti­on“der An­t­ago­nis­tin­nen (Staa­ten, Re­li­gio­nen, etc.). Folg­lich ist Kon­flikt­über­win­dung ein Pro­zess der „Ent­fas­zi­na­ti­on“; das Auf­bre­chen ei­nes „Auf­ein­an­der-be­zo­gen-seins“(S. 22f.). Um Ent­fas­zi­na­ti­on nach­hal­tig und sta­bil zu hal­ten, soll kein „in­ni­ges Mit­ein­an­der“an­ge­strebt wer­den, son­dern ein we­sent­lich rea­lis­ti­sche­res „in­sti­tu­tio­nell ab­ge­si­cher­tes Ne­ben­ein­an­der“(S. 33). Der Au­tor stellt zahl­rei­che Bei­spie­le für ge­lun­ge­ne und ge­schei­ter­te Ent­fas­zi­na­ti­on vor: Seit Jahr­hun­der­ten un­ge­löst ist et­wa der Kon­flikt zwi­schen Is­lam und Chris­ten­tum, der mit dem Auf­stieg des Is­la­mis­mus ei­ne neue In­ten­si­tät er­reicht hat: „Aus­ge­rich­tet an ei­nem strik­ten Un­ver­ein­bar­keits­dog­ma wird das ‚ei­ge­ne In­ne­re‘ im ‘Mo­dus der to­ta­len Mit­glied­schaft‘ wehr­haft nach au­ßen ge­rich­tet und in ei­nen jahr­hun­der­te­lan­gen Kampf mit den an­de­ren ‚Wahr­hei­ten‘ wei­ter ver­fes­tigt“(S. 54). Der tech­no­lo­gisch-mi­li­tä­ri­sche Vor­sprung des Wes­tens ver­stärkt die ne­ga­ti­ve „Fas­zi­na­ti­on“der is­la­mi­schen Welt zu­sätz­lich, die sich zu­neh­mend mar­gi­na­li­siert und be­droht fühlt. Je­doch zeigt die eu­ro­päi­sche Ge­schich­te, dass fest­ge­fah­re­ne Re­li­gi­ons­kon­flik­te durch Ent­fas­zi­na­ti­on durch­aus ge­löst wer­den kön­nen. Dies gilt vor al­lem für die blu­ti­gen Feh­den zwi­schen Ka­tho­li­ken und Pro­tes­tan­ten, die mit dem West­fä­li­schen Frie­den (1648) ein En­de fan­den. Die Leis­tung von 1648 be­stand da­rin, dass ein „deut­lich ge­mä­ßig­te­res Ver­ständ­nis re­li­giö­ser Of­fen­ba­rung“for­ciert wur­de (S. 109). Lan­ge­jür­gen weist dar­auf hin, dass Ent­fas­zi­na­ti­ons­pro­zes­se ei­ne in­sti­tu­tio­nel­le Kom­po­nen­te brau­chen. Räum­li­che Tren­nung von Kon­flikt­par­tei­en (durch Fö­de­ra­li­tät), „tie­fe“De­mo­kra­tie (durch ein stu­fen­wei­ses Sys­tem der Mit­be­stim­mung) und die Ein­bin­dung von Pe­ri­phe­ri­en tra­gen da­zu bei, den Frie­den dau­er­haft zu si­chern (S. 192f.). Ein Mo­dell da­für sei die Schweiz, die es seit über 150 Jah­ren ge­schafft hat, er­folg­reich als mul­ti­na­tio­na­les Ge­bil­de zu exis­tie­ren: „Die Schlüs­se­l­er­kennt­nis (…) ist die, dass hö­her­wer­ti­ge Ent­fein­dung in kom­ple­xen Grup­pen­ge­bil­den vor al­lem dort am bes­ten funk­tio­niert, wo es auf nach­hal­ti­ge Wei­se ge­lingt, die au­to­no­men Sphä­ren von Sprach­grup­pen, Eth­ni­en, Kon­fes­sio­nen und re­gio­na­len Kul­tu­ren über mög­lichst durch­läs­si­ge, frei­wil­li­ge Grenz­zie­hun­gen von­ein­an­der zu tren­nen­und­über­ver­fas­sungs­recht­lich­ver­an­kert­ein­stru­men­te der Fö­de­ra­li­tät und der tie­fen De­mo­kra­tie wie­der mit­ein­an­der zu ver­bin­den“(S. 461f.).

Dass Ent­fas­zi­na­ti­on auch rück­gän­gig ge­macht wer­den kann – näm­lich durch schwa­che in­sti­tu­tio­nel­le Ab­si­che­rung, durch Ra­di­ka­li­sie­rung und durch man­geln­de Re­fle­xi­on – zei­gen die ak­tu­el­len Kri­sen der EU. Der Schul­den­streit mit Grie­chen­land und der Br­ex­it spie­geln die Fra­gi­li­tät des Ge­bil­des wi­der, wel­ches oh­ne Re­for­men in ei­ne exis­ten­zi­el­le Kri­se schlit­tern könn­te. Kri­tisch sei an­ge­merkt, dass sich die Ana­ly­se der zahl­rei­chen Bei­spie­le zu sehr auf den Kon­flikt zwi­schen Ant­ago­nis­ten kon­zen­triert und da­bei For­men der Ko­ope­ra­ti­on aus­blen­det. So ist z. B. die Be­zie­hung zwi­schen Is­lam und Chris­ten­tum über die Jahr­hun­der­te viel mehr als ein per­pe­tu­ier­ter Kon­flikt. We­ni­ger Bei­spie­le, da­für ei­ne tie­fe­re Ana­ly­se, hät­ten die­sem The­ma gut­ge­tan.

Kon­flikt­lö­sung 101 Lan­ge­jür­gen, Ralf: Ent­fas­zi­niert Euch!

Das Phä­no­men der Ver­fein­dung oder wie Ent­fein­dung ge­lin­gen kann. Mar­burg: Tec­tum-verl., 2016. 490 S., € 39,95 [A/D] ; ISBN 978-3-8288-3804-8

Ge­mein­sam ge­walt­frei le­ben

Bart So­mers, Bür­ger­meis­ter der bel­gi­schen Stadt Me­che­len, hat ein Buch über ge­lun­ge­nes Zu­sam­men­le­ben in ei­ner mul­ti­kul­tu­rel­len Stadt ge­schrie­ben. Me­che­len kämpft mit Dro­gen, Is­la­mis­mus und dem so­zia­len Spreng­stoff, den das Ne­ben­ein­an­der von über 120 Kul­tu­ren mit sich bringt – und gilt den­noch als Vor­zei­ge­stadt in Bel­gi­en.

Der Au­tor the­ma­ti­siert ver­schie­de­ne Pro­blem­fel­der, wo­bei dem The­ma Is­la­mis­mus und Si­cher­heit be­son­ders viel Auf­merk­sam­keit ge­schenkt wird. In­ten­si­ve prä­ven­ti­ve Ju­gend­ar­beit un­ter Ein­bin­dung der lo­ka­len Mus­li­min­nen hat da­zu ge­führt, dass kein ein­zi­ger Mos­lem aus Me­che­len sich dem IS an­ge­schlos­sen hat (im Ge­gen­satz zu al­len an­de­ren grö­ße­ren bel­gi­schen Städ­ten). Wich­tig ist da­bei, Mus­li­min­nen nicht zu Feind­bil­dern zu ma­chen bzw. kol­lek­tiv zu stig­ma­ti­sie­ren. Auch dür­fen west­li­che Ge­sell­schaf­ten ih­re Frei­hei­ten an­ge­sichts des Ter­rors nicht auf­ge­ben: „Wenn wir in Zei­ten der Kri­se un­se­re fun­da­men­ta­len Rech­te und Frei­hei­ten preis­ge­ben, de­gra­die­ren wir uns selbst zu Op­por­tu­nis­ten und Schwät­zern“(S. 44).

Ei­ne zen­tra­le Rol­le spielt das Her­stel­len von Si­cher­heit durch Po­li­zei­ar­beit. Durch Prä­ven­ti­ons­pro­jek­te, wel­che So­zi­al­ar­bei­ter, Po­li­zei, ge­fähr­de­te Ju­gend­li­che und vor al­lem de­ren El­tern an den Tisch brin­gen, konn­te die Si­cher­heits­la­ge in Me­che­len be­deu­tend ver­bes­sert wer­den (S. 55). Zen­tral war die Auf­wer­tung des öf­fent­li­chen Raums in Pro­blem­vier­teln. Hoch­wer­ti­ge bau­li­che Maß­nah-

men in den „ar­men“Vier­teln, ge­paart mit Ka­me­ra­über­wa­chung im öf­fent­li­chen Be­reich, ha­ben die­se Stadt­tei­le enorm auf­ge­wer­tet und für ei­ne gu­te so­zia­le Mi­schung ge­sorgt.

Ein gu­tes Mit­ein­an­der grün­det auf ge­gen­sei­ti­ger An­er­ken­nung, wie So­mers im­mer wie­der be­tont. Da­zu gehört ein Ab­bau von Vor­ur­tei­len auf Sei­ten der Mehr­heits­be­völ­ke­rung: „Die Fest­stel­lung bei­spiels­wei­se, dass Ju­gend­li­che mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund vier­mal häu­fi­ger in den Po­li­zei­sta­tis­ti­ken lan­den als Ju­gend­li­che oh­ne Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, lässt un­be­rück­sich­tigt, dass sich mehr als neun­zig Pro­zent – die über­gro­ße Mehr­heit – die­ser Mi­gran­ten auf dem rech­ten Weg be­fin­den“(S. 101f). Gleich­zei­tig gibt es ei­ne Rei­he ro­ter Li­ni­en, die für So­mers nicht ver­han­del­bar sind, et­wa die Grund­rech­te, die Tren­nung von Staat und Kir­che, die Frei­heit der se­xu­el­len Ori­en­tie­rung, die Gleich­heit der Ge­schlech­ter – auch wenn sie in Wi­der­spruch zu kul­tu­rel­len oder re­li­giö­sen Tra­di­tio­nen von Mi­gran­tin­nen ste­hen: „Hier gibt es kei­nen Mil­li­me­ter Ver­hand­lungs­spiel­raum“(S. 115). Gleich­zei­tig warnt der Au­tor da­vor, sich in in­ne­ris­la­mi­sche De­bat­ten ein­zu­mi­schen und et­wa Kopf­tuch­trä­ge­rin­nen zu stig­ma­ti­sie­ren: Ein Kopf­tuch­ver­bot hält er für un­ver­ein­bar mit der in­di­vi­du­el­len Frei­heit (S. 190). Re­li­giö­se Frei­heit darf je­doch nie in Se­g­re­ga­ti­on en­den. So hat der Stadt­rat von Me­che­len Plä­nen für ei­ne mus­li­mi­sche Schu­le ei­ne Ab­fuhr er­teilt, denn: „Die Kin­der, die dort zur Schu­le ge­hen wür­den, hät­ten kei­ne In­ter­ak­ti­on mit dem Rest der Ge­sell­schaft und wür­den in ei­nem voll­kom­men se­gre­gier­ten Um­feld lan­den“(S. 203).

Hier zeigt sich noch ein­mal das Er­folgs­re­zept der Stadt Me­che­len: Re­spekt und An­er­ken­nung für das An­de­re, aber auch das Ge­mein­sa­me for­dern und för­dern. Ge­walt­prä­ven­ti­on

102 So­mers, Bart: Zu­sam­men le­ben. Mei­ne Re­zep­te ge­gen Kri­mi­na­li­tät und Ter­ror. Mün­chen: Ver­lag C.H. Beck, 2018. 217S., € 14,95 [D], 15,40 [A] ISBN 978-3-406-72040-6

Die Ge­walt der Bil­der

Die Kunst­his­to­ri­ke­rin Char­lot­te Klonk hat ein span­nen­des Buch zur Rol­le von Bil­dern für ter­ro­ris­ti­sche Ak­te ge­schrie­ben. Ter­ro­ris­ti­sche Ge­walt­an­wen­dung hat vor al­lem ein Ziel: „die Ver­brei­tung von Angst und Schre­cken durch ma­xi­ma­le Re­so­nanz in den Mas­sen­me­di­en“(S. 23). Die Au­to­rin un­ter­schei­det da­bei zwi­schen „na­hen“und „fer­nen“Bil­dern: Na­he Bil­der sind Bil­der von An­schlä­gen bzw. Bom­ben­at­ten­ta­ten und des­we­gen „na­he“, weil sie in­mit­ten der Ge­sell­schaft statt­fin­den. Die Bild­be­richt­er­stat­tung da­zu folgt seit dem 19. Jahr­hun­dert den glei­chen Mus­tern: „Die ei­ge­nen Ver­letz­ten und To­ten zeigt man in der Re­gel nicht, mit de­nen der Fein­de ist man we­ni­ger zim­per­lich“(S. 63). Da­zu kommt es oft zu ei­ner Äs­t­he­ti­sie­rung des Schre­ckens, wie et­wa die Fo­tos der An­schlä­ge vor 9/11 zei­gen: Die Ex­plo­sio­nen im wol­ken­lo­sen Him­mel wer­den als Zer­stö­rung des Pa­ra-

die­ses in­sze­niert (vgl. S. 69). Im Zu­ge sol­cher An­schlä­ge ste­chen ein­zel­ne Fo­tos her­aus und kre­ieren „Me­di­e­ni­ko­nen“– Fo­tos, wel­che Schre­cken do­ku­men­tie­ren, aber auch Mut, Trotz und Un­ge­bro­chen­heit. Man den­ke an die Fo­tos von Feu­er­wehr­män­nern im Ein­satz bei 9/11 oder von zi­vi­len Hel­fern nach den An­schlä­gen in London 2005.

Bei fer­nen Bil­dern ha­ben meist die Ter­ro­ris­tin­nen die Kon­trol­le darüber, wel­che Bil­der über­haupt in den Um­lauf ge­bracht wer­den: Gei­sel­nah­men und Ent­füh­run­gen sper­ren me­dia­le Öf­fent­lich­keit aus. Zu­dem kann me­dia­le Be­richt­er­stat­tung auch dem staat­li­chen In­ter­es­se ent­ge­gen­ste­hen: Nach­rich­ten­sper­re vs. In­for­ma­ti­on; Stra­te­gie vs. Emo­ti­on. Gei­sel­fo­tos spie­len hier ei­ne be­son­de­re Rol­le: Für die Gei­seln und de­ren An­ge­hö­ri­ge, als Le­bens- und Hoff­nungs­zei­chen, für die Gei­sel­neh­mer, um ei­ne kla­re Bot­schaft in die Welt zu schi­cken und für den her­aus­ge­for­der­ten Staat, der durch die Ver­öf­fent­li­chung sol­cher Bil­der ge­de­mü­tigt wer­den soll (vgl. S. 111). Der Um­gang mit sol­chen Fo­tos ist da­her kom­plex.

Auch der Staat be­treibt Pro­pa­gan­da mit Ter­ror-fo­tos: Auch Ge­gen­an­grif­fe wer­den so le­gi­ti­miert. Ei­ne wei­te­re Stra­te­gie ist, die Ter­ro­ris­tin­nen mit Bil­dern zu de­mü­ti­gen – wie et­wa das Fo­to des bei sei­ner Ver­haf­tung nack­ten Andre­as Baa­der. Frau­en wer­den häu­fig se­xua­li­siert und ob­jek­ti­viert dar­ge­stellt, mit an­züg­lich-ver­rück­ter Klei­dung, ge­öff­ne­ten Lip­pen, selbst im Tod: ei­ne Antwort auf die ge­sell­schaft­lich un­ge­hö­ri­ge Tat­sa­che, dass Frau­en Tä­te­rin­nen sind (vgl. S. 182f).

Klonk be­schließt die­ses Buch mit ei­ner Re­fle­xi­on zur Bil­de­thik – wie soll man mit Bil­dern des Ter­rors um­ge­hen? Ei­ne zen­tra­le Richt­li­nie: Zen­sur kann nie­mals ei­ne Antwort sein. Selbst wenn im kon­kre­ten Fall viel für die Zu­rück­hal­tung von Bil­dern spre­chen soll­te, kann dies pro­ble­ma­ti­sche Kon­se­quen­zen ha­ben: „Sel­ten wird be­rück­sich­tigt, wel­che Frei­heits­be­schrän­kun­gen da­für in Kauf ge­nom­men wer­den müss­ten, die letzt­end­lich nur als Er­folg der An­grei­fer in ih­rem Be­mü­hen um die Desta­bi­li­sie­rung der Ge­sell­schaf­ten zu wer­ten wä­ren“(S. 224). Gleich­zei­tig müs­sen Op­fer ge­schützt wer­den – das Per­sön­lich­keits­recht darf nicht dem Me­di­en­in­ter­es­se ge­op­fert wer­den. Dies gilt üb­ri­gens auch für die Tä­ter, de­ren Wür­de nicht durch bild­li­che De­mü­ti­gun­gen ge­nom­men wer­den darf. Mit der Ver­brei­tung von Smart­pho­nes und So­ci­al Me­dia hat das Bild vom Ter­ror ei­ne neue Be­deu­tung be­kom­men: „Spä­tes­tens mit ih­nen (…) müs­sen sich nicht mehr nur Bild- und Nach­rich­ten­re­dak­teu­re über ei­nen ver­ant­wor­tungs­vol­len Um­gang mit den Bil­dern Ge­dan­ken ma­chen, son­dern po­ten­ti­ell je­der und je­de, der oder die ein auf­nah­me­fä­hi­ges Ge­rät bei sich trägt (…).“(S. 92)

Ter­ror: Bil­der

106 Klonk, Char­lot­te: Ter­ror. Wenn Bil­der zu Waf­fen wer­den. Frankfurt/m.: S. Fi­scher. 2018, 314 S., € 25 [D], 25,70 [A] ; ISBN 978-3-10-397233-7

„Die per­sön­li­chen Ei­gen­schaf­ten und Mo­ti­va­tio­nen ei­nes tat­säch­li­chen Geg­ners wer­den da­bei ge­zielt aus­ge­blen­det, so dass das so iden­ti­fi­zier­te Bö­se va­ge und un­fass­bar be­droh­lich bleibt und da­durch mög­li­cher­wei­se Si­cher­heits­vor­keh­run­gen und Ein­schrän­kun­gen von ge­sell­schaft­lich ga­ran­tier­ten Frei­heits­rech­ten recht­fer­tigt.“(Char­lot­te Klonk in 106 , S. 156f.)

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