Gut­ach­ten und was man dar­aus macht

Salzburger Nachrichten - - INNENPOLITIK - Alex­an­der Purger

War­um hei­ßen Gut­ach­ten ei­gent­lich Gut­ach­ten? Vi­el­leicht, weil je­der dar­auf ach­tet, dass sie für ihn gut sind. Das ak­tu­el­le Gut­ach­ten zur Min­dest­si­che­rung wird so­wohl von der SPÖ als auch von der ÖVP als Be­stä- ti­gung ih­rer völ­lig kon­trä­ren An­sich­ten emp­fun­den. Und auch durch das Gut­ach­ten zur Asyl­po­li­tik se­hen sich die Be­für­wor­ter wie die Geg­ner des le­gis­ti­schen Grenz­zau­nes glei­cher­ma­ßen be­stä­tigt.

Wie kann das sein? Nun, Po­li­ti­ker sind eben dar­auf trai- niert, jeg­li­ches Was­ser auf ih­re Müh­len zu len­ken. Über die Qua­li­tät der bei­den Gut­ach­ten sagt das gar nichts aus.

Wo­bei man da­von aus­ge­hen kann, dass sie fun­dier­ter sind als die Gut­ach­ten, die im 19. Jh. zum Bahn­ver­kehr er­stellt wur­den. Als in En­g­land und spä­ter auf dem Kon­ti­nent die ers­ten Ei­sen­bah­nen ge­baut wur­den, stellten me­di­zi­ni­sche Gut­ach­ten fest, dass die Be­we­gung des da­hin­brau­sen­den Zu­ges beim Be­trach­ter un­fehl­bar Ge­hirn­krank­hei­ten er­zeu­gen wer­de. Man emp­fahl da­her drin­gend, bei­der­seits der Ge­lei­se fünf Me­ter ho­he Bret­ter­wän­de zu er­rich­ten.

Man sieht: Gut­ach­ten über Zaun­bau­ten sind nichts Neu­es.

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