Zu we­nig Son­ne ist auch schlecht

Ein Man­gel an Son­ne er­höht das Ri­si­ko, vor­zei­tig an Herz- und Kreis­laufer­kran­kun­gen zu ster­ben. Laut ei­ner schwe­di­schen Stu­die ist die Wahr­schein­lich­keit da­bei ge­nau­so hoch wie beim Zi­ga­ret­ten­kon­sum.

Salzburger Nachrichten - - WISSEN / GESUNDHEIT - Pel­le Lind­qvist, Stu­di­en­lei­ter

Aus­gie­bi­ge Son­nen­bä­der am Strand und im So­la­ri­um gal­ten bis in die 80er-Jah­re hin­ein als mo­disch und ge­sund. Dann wur­de be­kannt, dass sie das Haut­krebs­ri­si­ko dra­ma­tisch an­feu­ern. Bis auf ei­ne klei­ne Schar von in­brüns­ti­gen Son­nen­an­be­tern ha­ben sich die Ge­wohn­hei­ten seit­dem in Rich­tung Son­nen­ver­mei­dung ge­än­dert. Doch an­schei­nend ist Son­nen­man­gel viel ge­sund­heits­schäd­li­cher als bis­lang an­ge­nom­men. Dies er­gibt ei­ne um­fang­rei­che Stu­die des re­nom­mier­ten Ka­ro­lins­ka In­sti­tu­tes in Stockholm. Dem­nach ist Son­nen­man­gel ge­nau­so ge­fähr­lich wie die gro­ßen Volks­ri­si­ken Rau­chen, Be­we­gungs- lo­sig­keit und Über­ge­wicht. Er löst Herz-Kreis­lauf-Er­kran­kun­gen aus und kann zum vor­zei­ti­gen Tod füh­ren. Son­nen­man­gel er­hö­he die­ses Ri­si­ko so­gar um bis zu 60 Pro­zent, er­gibt die im Fach­ma­ga­zin „Jour­nal of In­ter­nal Me­di­ci­ne“ver­öf­fent­lich­te Stu­die aus Schwe­den. Dar­in wur­den 30.000 Schwe­din­nen über ei­nen Zei­t­raum von 20 Jah­ren un­ter­sucht. Da­bei wur­den die­je­ni­gen ver­gli­chen, die sich viel, mit­tel und über­haupt nicht sonn­ten.

„Wir ha­ben fest­ge­stellt, dass die Frau­en, die sich nicht son­nen, ein gut dop­pelt so ho­hes Ri­si­ko in sich tra­gen, an Herz- und Kreis­laufer­kran­kun­gen zu ster­ben. Auch ist de­ren Ri­si­ko, an Dia­be­tes Typ zwei und Mul­ti­pler Sk­le­ro­se zu er­kran- ken, un­ge­fähr dop­pelt so hoch“, sagt Stu­di­en­lei­ter und Ober­arzt Pel­le Lind­qvist den SN.

„Frau­en, die rau­chen, aber sich gleich­zei­tig re­gel­mä­ßig son­nen, ha­ben ein ähn­lich ho­hes Ri­si­ko für Herz- und Kreis­laufer­kran­kun­gen wie je­mand, der nicht raucht und sich nicht sonnt. Das er­gibt un­se­re Stu­die“, sagt Lind­qvist. „Sich zu son­nen hat vie­le po­si­ti­ve Ge­sund­heits­ef­fek­te. Lei­der herrscht heute ei­ne all­ge­mei­ne von den Ge­sund- heits­be­hör­den ge­för­der­te Vor­stel­lung, dass die Son­ne aus­schließ­lich ge­fähr­lich ist. Die­ses Bild muss sich än­dern“, er­klärt Lind­qvist. So ge­be es der­zeit so­gar Plä­ne, schwe­di­sche Schul­hö­fe mit Schat­ten an­zu­le­gen, da­mit die Kin­der nicht zu viel Son­ne in den Hof­pau­sen ab­be­kom­men. Das sei völ­lig falsch, so Lind­qvist.

Al­ler­dings be­stä­tigt die Stu­die auch, dass Schwe­din­nen, die sich sehr viel sonn­ten, viel häu­fi­ger Haut­krebs be­ka­men als die­je­ni­gen, die sich ge­mä­ßigt oder gar nicht sonn­ten. Des­halb sei ein Mit­tel­maß emp­feh­lens­wert, sagt Lind­qvist. „Es geht nicht um ex­tre­me Son­nen­bä­der. Die kön­nen auch mit Son­nen­schutz­mit­tel ge­fähr­lich sein, denn die schüt­zen nicht vor Haut­krebs. Es geht dar­um, täg­lich et­wa ei­ne hal­be St­un­de Son­ne an so vie­le Haut­par­ti­en wie mög­lich zu las­sen. So kann man et­wa den Kaf­fee nach dem Mit­tag­es­sen in der Son­ne ein­neh­men, oh­ne dass man ei­nen Son­nen­brand be­kommt. Das ist wich­tig“, stellt Lind­qvist fest. Män­ner wur­den in der Stu­die nicht un­ter­sucht. Doch die Me­di­zi­ner neh­men an, dass ih­re Er­kennt­nis­se auch für sie gel­ten.

Be­reits frü­he­re Stu­di­en ha­ben er­ge­ben, dass zu we­nig Son­ne ge­sund­heits­schäd­lich ist. So ent­steht et­wa Vit­amin-D-Man­gel. Es wird ver­mu­tet, dass die­ser die Ver­kal­kung von Blut­ge­fä­ßen stei­gert und Aus­wir­kun­gen auf das Im­mun­sys­tem hat.

„Täg­lich ei­ne hal­be St­un­de Son­ne an die Haut zu las­sen ist ver­nünf­tig.“

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.