Papst­brief für Kin­der neu ge­schrie­ben

Hirsch­kä­fer, die vom Aus­ster­ben be­droht sind, ei­ne jun­ge Ak­ti­vis­tin, die ge­gen die Öl­pest kämpft, und die Fra­ge, wann der Krieg be­ginnt. Das sind Ge­schich­ten aus „Lau­da­to si’“für jun­ge Le­ser.

Salzburger Nachrichten - - GEIST UND WELT -

Die Um­welten­zy­kli­ka „Lau­da­to si’“ist je­nes päpst­li­che Schrei­ben, das Le­se­rin­nen und Le­ser oh­ne je­de theo­lo­gi­sche Vor­bil­dung ver­ste­hen. Papst Fran­zis­kus fand in die­sem Brief an die Welt ei­nen Ton, der die nö­ti­ge Dring­lich­keit ver­mit­telt. Zu­gleich zeich­net er aber im Ein­klang mit dem Son­nen­ge­sang des hei­li­gen Fran­zis­kus ein wun­der­ba­res Bild die­ses „ge­mein­sa­men Hau­ses“von Men­schen, Tie­ren und Pflan­zen.

Jetzt hat Hu­bert Gais­bau­er, Mit­be­grün­der des Kul­tur­sen­ders Ö1 und zu­letzt Lei­ter der Haupt­ab­tei­lung Re­li­gi­on im ORF, die Paps­ten­zy­kli­ka für Kin­der ab et­wa neun Jah­ren neu ge­schrie­ben – in the­ma­ti­schen Aus­zü­gen, die ziel­si­cher das jun­ge Pu­bli­kum an­spre­chen. Den An­stoß hat­te Ca­ro ge­ge­ben, die En­ke­lin des Au­tors. Sie stell­te in ei­nem Ge­spräch über „Lau­da­to si’“die Fra­ge: „War­um schreibt der Papst kei­nen Brief an uns Kin­der? Wir wer­den ja in der Zu­kunft le­ben!“

Gais­bau­er hat dar­auf­hin Ge­schich­ten aus der En­zy­kli­ka her­aus­ge­holt, „von de­nen ich glau­be, dass sie auch für Kin­der span­nend und in­ter­es­sant sind“. Et­wa die über die Er­de als das „ge­mein­sa­me Haus“: „Viel­leicht soll­ten wir uns öf­ter vor­stel­len, wie es wä­re, wenn in die­sem ge­mein­sa­men Haus wie in ei­nem gro­ßen Wohn­haus 100 Men­schen leb­ten: 60 da­von wä­ren dann Asia­ten, 14 Afri­ka­ner, 11 Eu­ro­pä­er, 8 Nord- und 6 Süd­ame­ri­ka­ner und ei­ner Ozea­nier. Nur je­der vier­te von den hun­dert hät­te ge­nug zu es­sen, ein Dach über dem Kopf und ein Bett zum Hin­le­gen. Und nur acht Mit­be­woh­ner – und zu de­nen ge­hö­ren wir – hät­ten mehr, als für ih­re drin­gends­ten Be­dürf­nis­se nö­tig ist. Dar­über hin­aus wür­den die­se 8 mehr Ener­gie als die an­de­ren 92 zu­sam­men ver­brau­chen.“

Kom­pak­ter und gleich­zei­tig tref­fen­der könn­te man das An­lie­gen, das sich durch die gan­ze En­zy­kli­ka von Papst Fran­zis­kus zieht, nicht wie­der­ge­ben. Denn das Schick­sal des Men­schen und der Um­gang mit der Mit­welt sind für den Papst die zwei Sei­ten ei­ner ein­zi­gen Me­dail­le. Wie ein ro­ter Fa­den zieht sich die­se Über­zeu­gung durch „Lau­da­to si’“, dass es dem Men­schen nur gut ge­hen kann, wenn er den Glo­bus nicht aus­beu­tet, und dass es die­ser Mit­welt nur gut ge­hen kann, wenn der Mensch nicht durch den Men­schen aus­ge­beu­tet wird.

An­dern­falls könn­te so­gar der Hirsch­kä­fer, der größ­te Kä­fer Mit­tel­eu­ro­pas, aus­ster­ben, er­zählt Gais­bau­er sei­nen jun­gen Le­se­rin­nen und Le­sern mit ei­ner Epi­so­de aus der ei­ge­nen Kind­heit: „Die Männ­chen tra­gen ihr mäch­ti­ges ,Ge­weih‘, und die Weib­chen kön­nen mit ih­ren klei­nen, aber schar­fen Zan­gen or­dent­lich zwi­cken. Das ha­be ich noch selbst er­lebt! In mei­ner Kind­heit schwirr­ten an lau­en Aben­den im Ju­ni oder Ju­li zahl­rei­che Hirsch­kä­fer durch die Laub­wäl­der.“

Da wird greif­bar, was im Um­gang mit der Mit­welt auf dem Spiel steht. Es wird aber auch auf­ge­zeigt, was selbst mit ge­rin­gen Mit­teln da­ge­gen ge­tan wer­den kann. Da­für steht die Ge­schich­te der elf­jäh­ri­gen Oli­via Bou­ler aus New York, die zur Ak­ti­vis­tin ge­gen die Öl­ka­ta­stro­phe vom April 2010 im Golf von Me­xi­ko ge­wor­den ist. Die Ju­gend­li­che hat­te die Idee, Aqua­rel­le von Vö­geln zu ma­len und sie an al­le zu ver­schen­ken, die ei­ne Tier­ret­tungs­sta­ti­on für öl­ver­schmier­te Vö­gel un­ter­stütz­ten. Sie mal­te 500 Bil­der und wur­de als „Um­welt­künst­le­rin und Ak­ti­vis­tin“in den USA be­kannt.

Die Il­lus­tra­tio­nen von Leo­no­ra Leitl tra­gen durch ih­re farb­li­che In­ten­si­tät we­sent­lich zum le­ben­di­gen und kind­ge­rech­ten Cha­rak­ter des Bu­ches bei. Auch in die­sen Bil­dern kommt die­ser Brief für die Welt sei­nem Ur­sprung, der En­zy­kli­ka „Lau­da­to si’“, sehr na­he.

BILD: SN/TYROLIA

Leo­no­ra Leitl hat die Deu­tung der Um­welten­zy­kli­ka „Lau­da­to si’“für Kin­der il­lus­triert.

Hu­bert Gais­bau­er: Ein Brief für die Welt. Lau­da­to si’ von Papst Fran­zis­kus für Kin­der er­klärt. Il­lus­triert von Leo­no­ra Leitl, 106 S., 14,95 Eu­ro, Tyrolia 2016.

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