Ste­fan Her­heim be­klagt Miss­stän­de im Opern­be­trieb

Salzburger Nachrichten - - KULTUR - Hkk

Be­frem­det „und nicht sel­ten mit Scham er­füllt“sei er über die Be­din­gun­gen, un­ter de­nen in vie­len eu­ro­päi­schen Opern­häu­sern Pro­ben und Auf­füh­run­gen statt­fän­den, be­kennt der Re­gis­seur Ste­fan Her­heim. Spiel­ten et­wa Orches­ter­mu­si­ker so, wie man­che Büh­nen­tech­ni­ker ar­bei­te­ten, wür­de „ich lie­ber nicht zu­hö­ren“, sag­te er am Frei­tag in ei­nem Pres­se­ge­spräch in Wi­en. Die­se und an­de­re haus­in­ter­nen Miss­stän­de im üb­li­chen Be­trieb be­droh­ten das Gen­re Oper, und dies sei ein Grund, war­um er die In­ten­danz im Thea­ter an der Wi­en über­neh­men wol­le. Denn hier wird im Sta­gio­ne-Prin­zip – al­so je­de Neu­pro­duk­ti­on nur in kur­zen Auf­füh­rungs­se­ri­en – ge­spielt; und Orches­ter, Chor so­wie So­lis­ten sind nur pro Auf­füh­rungs­se­rie en­ga­giert.

Dass er in Wi­en erst 2022 an­tre­ten kann, dass al­so der jet­zi­ge In­ten­dant Ro­land Gey­er zwei Jah­re län­ger als bis­her ge­plant das städ­ti­sche Opern­haus lei­ten wird, hat sei­nen Wor­ten zu­fol­ge mit dem be­reits „fes­ten Ar­beits­pen­sum“zu tun, vor al­lem mit dem ab 2020 zu in­sze­nie­ren­den „Ring“in Ber­lin.

Als zwei­ten Grund für die Zu­sa­ge in Wi­en nennt er sein „Be­dürf­nis nach ei­nem be­ruf­li­chen Zu­hau­se“, al­so nach ei­ner fi­xen, statt den der­zeit mehr­mals pro Jahr wech­seln­den Ar­beits­stät­ten – zu­letzt et­wa Ams­ter­dam, Oslo, Düs­sel­dorf und Lyon . Und da er „die Büh­nen­bret­ter dem Bü­ro“vor­zie­he, wer­de er im Thea­ter an der Wi­en ein „in­sze­nie­ren­der In­ten­dant“, al­so zwei Mal pro Jahr selbst Re­gie füh­ren und da­für sei­ne „frei­be­ruf­li­che Kar­rie­re wei­test­ge­hend ein­stel­len“.

In sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz in Wi­en be­zeich­ne­te er sich als „in Deutsch­land so­zia­li­sier­ter Nor­we­ger, al­so ein Wi­kin­ger-Pief­ke“und be­zog sich zum Ein­stand auf Karl Kraus und die Wie­ner Mehl­speis­kü­che. Von Karl Kraus zi­tier­te er die Sen­tenz, wo­nach Kunst nicht nur Eier und Speck brau­che, son­dern auch Pfan­ne und Feu­er – er brin­ge als Re­gis­seur das Hand­werks­zeug und er bren­ne als Künst­ler. In das „Mehl­spei­sen­pa­ra­dies“wer­de er nicht nur Sü­ßes brin­gen, son­dern auch Pi­kan­tes und Schar­fes.

In ei­nem Opern­haus un­ter sei­ner Lei­tung sol­le es ei­ne „über­ge­ord­ne­te Dra­ma­tur­gie ge­ben“, kün­dig­te Ste­fan Her­heim an. Zu­dem wol­le er nur je­ne „we­ni­gen Di­ri­gen­ten“en­ga­gie­ren, die en­ge und re­gel­mä­ßi­ge Zu­sam­men­ar­beit mit Wie­ner Sym­pho­ni­kern, RSO und Schön­berg­chor pfleg­ten.

BILD: SN/APA/GE­ORG HOCHMUTH

Ste­fan Her­heim an sei­ner künf­ti­gen Wir­kungs­stät­te.

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