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Pur­ger­t­ori­um. Von Zeus bis Kim Jong Un – die meist­ge­wünsch­ten In­ter­view­part­ner.

Da ge­ra­de kei­ne grö­be­ren Wah­len an­ste­hen, die Um­fra­ger aber den­noch ir­gend­et­was um­fra­gen müs­sen, wur­den die hei­mi­schen Jour­na­lis­ten neu­lich ge­fragt, wen sie am liebs­ten in­ter­view­en wür­den. Das Er­geb­nis war: Die Kol­le­gen­schaft träumt mehr­heit­lich von ei­nem In­ter­view mit Kim Jong Un.

Selt­sa­me Träu­me, nicht wahr? Denn wo­zu in die nord­ko­rea­ni­sche Fer­ne schwei­fen, wo das Gu­te doch so na­he liegt? Es gibt schließ­lich auch hier­zu­lan­de je­de Men­ge Staats­ober- und -un­ter­häup­ter, die man mit gro­ßem in­tel­lek­tu­el­len Ge­winn in­ter­view­en kann. Und die ei­nen nicht gleich in den Gu­lag schi­cken, wenn man ei­ne un­bot­mä­ßi­ge Fra­ge stellt. Aber wahr­schein­lich wol­len al­le Kims be­rühm­ten Knopf se­hen.

Denn ein In­ter­view – so be­sagt die De­fi­ni­ti­on – setzt das per­sön­li­che An­sich­tig­wer­den des In­ter­view­ten vor­aus. Der Be­griff In­ter-view be­deu­tet ja sinn­ge­mäß: ein­an­der se­hen. Wer Kim Jong Un in­ter­view­en will, muss sich da­her wohl oder eher übel in sein Bü­ro mit dem Atom­knopf in Pjöng­jang be­ge­ben. Au­ßer Kim kommt in die Re­dak­ti­on der „Salz­bur­ger Nach­rich­ten“in der Ka­ro­lin­ger­stra­ße. Aber da sei das ös­ter­rei­chi­sche Bun­des­heer vor ...

Die zwei­te Vor­aus­set­zung für das Füh­ren ei­nes In­ter­views ist – wenn wir schon bei den De­fi­ni­tio­nen sind – ei­ne ge­wis­se Pro­mi­nenz des In­ter­view­part­ners. Ei­nem x-be­lie­bi­gen Herrn Pim­pel­hu­ber auf der Stra­ße das Mi­kro­fon un­ter die Na­se zu hal­ten und ihn nach sei­ner ge­schätz­ten Mei­nung über die Zeit­läuf­te zu fra­gen ist kein In­ter­view, son­dern ei­ne Stra­ßen­be­fra­gung.

Ein In­ter­view wird es erst dann, wenn Herr Pim­pel­hu­ber pro­mi­nent ist. Wenn die Leu­te bei sei­nem Auf­tau­chen auf dem Fern­seh­schirm al­so er­freut aus­ru­fen: „Ah, der Pim­pel­hu­ber!“

Wo­mit sich end­lich der Sinn der Mi­nis­ter-An­tritts­in­ter­views ent­hüllt, die der­zeit wie die chi­ne­si­sche Was­ser­fol­ter auf die Me­di­en­kon­su­men­ten ein­tröp­feln: Sie die­nen ein­zig und al­lein da­zu, das p. t. Pu­bli­kum dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die­je­ni­gen 16 Herr­schaf­ten, die es bis­lang für x-be­lie­bi­ge Pim­pel­hu­bers ge­hal­ten hat, jetzt plötz­lich pro­mi­nent sind. Sonst wür­den man ja kei­ne In­ter­views mit ih­nen ma­chen.

Aber zu­rück zu der Um­fra­ge. Hät­te man den Hü­ter des hie­si­gen Fe­ge­feu­ers ge­fragt, von wel­chem In­ter­view­part­ner er träumt, so hät­te er – Träu­me sind schließ­lich gren­zen­los – ver­mut­lich Ne­ro ge­sagt. Denn ein An­tritts­in­ter­view mit dem rö­mi­schen Kai­ser Ne­ro, das wä­re schon was ge­we­sen.

Er hät­te als Leucht­turm­pro­jekt den Brand von Rom an­ge­kün­digt, ei­nen Bud­get­pfad zur Ver­schwen­dung von tau­send Mil­lio­nen Ses­ter­zen skiz­ziert, und das al­les in sei­nem le­gen­dä­ren dreh­ba­ren Ge­la­ge-Raum mit künst­li­chem Ster­nen­him­mel in Rom. Zur La­bung für den In­ter­view­er hät­te es drei in Wein auf­ge­lös­te Per­len und zwei Bröt­chen mit Nach­ti­gal­len­zun­gen ge­ge­ben. Kein Ver­gleich mit Kim in Pjöng­jang!

Auch ein An­tritts­in­ter­view mit Göt­ter­va­ter Zeus wä­re ein Traum. Er wür­de mas­si­ve Ein­spa­run­gen bei Don­ner und Blitz in Aus­sicht stel­len und zum Zwe­cke des Bü­ro­kra­tie­ab­baus vor­schla­gen, die Zahl sei­ner Ge­lieb­ten schritt­wei­se von 126 auf 63 zu hal­bie­ren. Die Lei­tung der ent­spre­chen­den Ar­beits­grup­pe wür­de er sei­ner Frau He­ra über­tra­gen.

Das Pro­blem ist nur: Wann macht man ein An­tritts­in­ter­view mit ei­nem Gott, der schon im­mer da war?

Ein­fa­cher wä­re ein An­tritts­in­ter­view mit Alex­an­der dem Gro­ßen. Er wür­de ei­nen mu­ti­gen Neu­start in Rich­tung In­di­en ver­kün­den und ei­nen Mas­ter­plan zur Grün­dung von 13 Stück Alex­an­dria vor­le­gen. Und schließ­lich wür­de er im SN-In­ter­view ei­ne hoch­ran­gig be­setz­te Ex­per­ten­kom­mis­si­on an­kün­di­gen, die bin­nen sechs Mo­na­ten kon­struk­ti­ve Vor­schlä­ge zur Lö­sung des Gor­di­schen Kno­tens er­ar­bei­ten soll. Ein Traum!

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