CHRONIK

Eu­ro­pas größ­te Kin­der­por­no-Platt­form, „Ely­si­um“, wur­de 2017 zer­schla­gen. In Deutsch­land wur­de nun ein Pfarr­ge­mein­de­rats­mit­glied ver­ur­teilt. Sei­ne Spur führt auch nach Ös­ter­reich.

Salzburger Nachrichten - - INNENPOLITIK -

Kin­der­por­no. Eu­ro­pas größ­te Platt­form für Pä­do­phi­le ist zer­schla­gen. Ein Pfarr­ge­mein­de­rats­mit­glied wur­de nun ver­ur­teilt.

Die Mel­dung fand in Ös­ter­reich kaum Be­ach­tung. Am Mon­tag ver­ur­teil­te das Dresd­ner Lan­des­ge­richt ei­nen 41-Jäh­ri­gen zu fünf­ein­halb Jah­ren Haft (nicht rechts­kräf­tig). Der pro­mo­vier­te In­ge­nieur, der eh­ren­amt­lich im Pfarr­ge­mein­de­rat Ju­gend­frei­zei­ten be­glei­te­te, soll zwei Mäd­chen (fünf und sie­ben Jah­re) ei­nes be­freun­de­ten Ehe­paa­res aus Bay­ern miss­braucht ha­ben. Er war ihr Tauf­pa­te. „Zum Miss­brauch kam es in der Woh­nung des Ver­däch­ti­gen, als die Kin­der et­wa bei ihm über­nach­te­ten“, er­klärt Tho­mas Zieg­ler vom Land­ge­richt Dres­den auf SN-Nach­fra­ge. Der Po­li­zei war der Mann im Ju­li ver­gan­ge­nen Jah­res bei Er­mitt­lun­gen ge­gen Eu­ro­pas größ­te Kin­der­por­no-Platt­form, „Ely­si­um“, ins Netz ge­gan­gen.

Die Sei­te im Dar­knet – ei­nem schwer zu­gäng­li­chen Teil des In­ter­nets – konn­te in nur sechs Mo­na­ten 87.000 Mit­glie­der ge­win­nen. Im Schnitt wa­ren das 524 neue Mit­glie­der täg­lich. Die Pä­do­phi­len tausch­ten und teil­ten in der vir­tu­el­len Welt kin­der­por­no­gra­fi­sche In­hal­te, die sie meist selbst an­ge­fer­tigt hat­ten.

Auch in Ös­ter­reich kam es da­mals zu Ver­haf­tun­gen. Seit Mai sit­zen ein 28-jäh­ri­ger Wie­ner und ein 40-jäh­ri­ger Bur­gen­län­der in Un­ter­su­chungs­haft. Der 28-Jäh­ri­ge soll dem Bur­gen­län­der und ei­nem 61Jäh­ri­gen sei­ne heu­te fünf- und sie­ben­jäh­ri­gen Kin­der „auf Be­stel­lung“zur Ver­ge­wal­ti­gung über­las­sen ha­ben. In den ei­ge­nen vier Wän­den in Wi­en.

Grau­sa­me Ver­bre­chen, die im Fall „Ely­si­um“ei­ne neue Di­men­si­on der Ab­scheu­lich­keit er­reich­ten. Denn die Pä­do­phi­len ver­ein­bar­ten in Chats auf der Platt­form Ter­mi­ne zu per­sön­li­chen Tref­fen. Tref­fen, bei de­nen es in der rea­len Welt und mit rea­len Iden­ti­tä­ten zu ge­mein­sa­men Miss­brauchs­hand­lun­gen kam oder zum „Vor­füh­ren der Miss­brauchsop­fer“. Ei­ne Vor­ge­hens­wei­se, die laut er­fah­re­nen Er­mitt­lern fast nie vor­kommt. Denn die Tä­ter ver­las­sen sel­ten die si­che­re An­ony­mi­tät des In­ter­nets.

Doch ge­nau das soll der nun in Deutsch­land ver­ur­teil­te In­ge­nieur ge­macht ha­ben. Und hier­bei führt sei­ne Spur nach Ös­ter­reich. Der Mann soll im ver­gan­ge­nen Jahr ge­mein­sam mit ei­ner be­freun­de­ten baye­ri­schen Fa­mi­lie und de­ren Kin­dern – sei­nen Miss­brauchsop­fern – ei­nen Ski­ur­laub in Ti­rol ver­bracht ha­ben.

Dar­über tausch­te er sich auch mit dem in Ös­ter­reich als haupt­ver­däch­tig gel­ten­den Bur­gen­län­der in ei­nem Chat auf der „Ely­si­um“-Platt­form aus. Schließ­lich sei­en die Män­ner über­ein­ge­kom­men, dass der Bur­gen­län­der doch eben­falls für ei­nen Tag nach Ti­rol rei­sen soll­te, um mit der Fa­mi­lie ge­mein­sam Ski zu fah­ren. Und: da­mit der Deut­sche sei­nem „Freund“aus Ös­ter­reich sei­ne bei­den Miss­brauchsop­fer vor­füh­ren konn­te.

Zu ei­nem Miss­brauch soll es da­bei nicht ge­kom­men sein. Doch al­lein das ab­scheu­li­che Tref­fen ver­deut­licht, wie die ver­bor­ge­nen Struk­tu­ren von Kin­der­por­no­sei­ten funk­tio­nie­ren. Wann es für den Bur­gen­län­der und den Wie­ner zu Ge­richts­ver­fah­ren in Ös­ter­reich kommt, ist noch of­fen.

Ni­na Bus­sek, Spre­che­rin der Staats­an­walt­schaft Wi­en: „Die Ak­ten sind noch nicht ab­ge­schlos­sen, da Un­men­gen von Da­ten aus­zu­wer­ten sind.“Al­lein bei dem be­schul­dig­ten Wie­ner sol­len 300.000 Bild­da­tei­en ge­fun­den wor­den sein. Den Ver­däch­ti­gen dro­hen im Fal­le ei­ner Ver­ur­tei­lung ein bis zehn Jah­re Ge­fäng­nis we­gen schwe­ren se­xu­el­len Miss­brauchs. Der Bur­gen­län­der soll be­reits ein­schlä­gig vor­be­straft sein.

Laut Sta­tis­tik des Be­wäh­rungs­hil­fe­ver­eins Neu­start wer­den acht Pro­zent der Pä­do­phi­len, die sich in Be­hand­lung be­fin­den, rück­fäl­lig. Bei der un­be­han­del­ten Grup­pe liegt die Rück­fall­quo­te bei 23 Pro­zent.

BILD: SN/APA/DPA/AR­NE DEDERT

87.000 Mit­glie­der um­fass­te die Platt­form „Ely­si­um“. Im Bild: ein Aus­zug aus ei­nem Chat.

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