Erd­öl­kri­se 1973: Als das Au­to Zwangs­ur­laub be­kam

Salzburger Nachrichten - - 100 JAHRE REPUBLIK ÖSTERREICH -

Ei­gent­lich lief es ganz gut: Vie­le Ös­ter­rei­cher konn­ten sich ihr ei­ge­nes Au­to leis­ten, Wohl­stand brei­te­te sich aus. Bis auf ein­mal der Hahn zu­ge­dreht wur­de. Am 17. Ok­to­ber 1973 stürz­te der is­rae­lisch-ara­bi­sche Jom-Kip­purK­rieg die Welt in die Öl­kri­se. Das Schwar­ze Gold wur­de als po­li­ti­sches Druck­mit­tel ver­wen­det. Der Öl­preis stieg um 70 Pro­zent. Der Kon­flikt im Na­hen Os­ten kam an den ös­ter­rei­chi­schen Tank­stel­len an.

Die OPEC (Or­ga­ni­sa­ti­on Erd­öl ex­por­tie­ren­der Län­der) ver­häng­te ein Em­bar­go ge­gen die USA und die Nie­der­lan­de we­gen de­ren is­ra­el­freund­li­cher Po­li­tik. Die üb­ri­gen In­dus­trie­län­der er­hiel­ten auf ein­mal viel we­ni­ger Öl von den Ara­bern.

Die Lö­sung Ös­ter­reichs folg­te: Au­to­freie Ta­ge. Ei­ner pro Wo­che. Die be­rühm­ten schwarz-wei­ßen Pi­ckerl auf den Wind­schutz­schei­ben schick­ten die Au­tos in den Zwangs­ur­laub. Die Auf­kle­ber ge­kenn­zeich­ne­ten, wann es in der Ga­ra­ge blei­ben soll­te. Je­der Ös­ter­rei­cher durf­te selbst ent­schei­den, an wel­chem Wo­chen­tag er auf sei­nen fahr­ba­ren Un­ter­satz ver­zich­ten woll­te. Wer den au­to­frei­en Tag nicht be­folg­te, muss­te mit Geld­stra­fen von bis zu 30.000 Schil­ling rech­nen.

Aber nicht nur die Au­tos soll­ten frei ha­ben: Ei­ne zu­sätz­li­che Fe­ri­en­wo­che im Fe­bru­ar, die so­ge­nann­ten Ener­gie­fe­ri­en, wur­de ein­ge­führt. Fast al­le Schu­len wur­den da­mals mit Öl ge­heizt. Die zu­sätz­li­che Fe­ri­en­wo­che soll­te die Heiz­kos­ten ein­däm­men. Heu­te heizt sie den Win­ter­tou­ris­mus an.

Die Ide­en zum Ener­gie­spa­ren wur­den im­mer krea­ti­ver: Der da­ma­li­ge Bun­des­kanz­ler Bru­no Kreis­ky leg­te den ös­ter­rei­chi­schen Män­nern ei­ne Nass­ra­sur ans Herz: „Wer sich elek­trisch ra­siert, der soll­te dar­an den­ken, dass es auch an­de­re Ra­sier­ap­pa­ra­te gibt“, riet er im Fern­se­hen. Wei­te­re skur­ri­le Spar­me­tho­den: Leucht­re­kla­men soll­ten frü­her ab­ge­dreht und nur mehr je­de zwei­te Stra­ßen­la­ter­ne an­ge­schal­tet wer­den.

Die Kri­se von 1973 hat sich ein­ge­brannt. Je­des Mal, wenn das Schwar­ze Gold teu­rer wird, fürch­tet man sich vor ei­ner neu­en Öl­kri­se. Im­mer wie­der ge­rät der Wes­ten ins Schwit­zen, wenn die Lie­fer­län­der den Hahn re­gu­lie­ren.

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