Droht Lau­da­mo­ti­on schon das Aus?

Die Luft­han­sa kün­digt die Lea­sing­ver­trä­ge für Lau­da, da­mit spitzt sich der Kon­flikt mit Lau­da/Rya­nair dra­ma­tisch zu. Ni­ki Lau­das jüngs­tes Air­line-Pro­jekt droht un­ter die Rä­der zu ge­ra­ten. Jetzt soll ein Ge­richt ent­schei­den.

Salzburger Nachrichten - - WIRTSCHAFT -

WI­EN. Freun­de wa­ren Luft­han­sa und Rya­nair noch nie, und so weit wird es auch nicht mehr kom­men. Das ver­bie­tet schon die Aus­gangs­si­tua­ti­on: Rya­nair for­dert als füh­ren­der Bil­lig­flie­ger Eu­ro­pas das Ge­schäfts­mo­dell der Netz­werkair­lines wie der Luft­han­sa her­aus, zu de­ren Kon­zern auch die AUA, Swiss, Brus­sels Air­lines so­wie der Bil­lig­flie­ger Eu­ro­wings ge­hö­ren.

Bei der Zahl der Flug­gäs­te lie­gen bei­de fast gleich­auf, 2017 hat­te die Luft­han­sa mit kon­zern­weit 130 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­ren die Na­se leicht vor den von Rya­nair be­för­der­ten 129 Mil­lio­nen Flug­gäs­ten.

Jetzt aber er­reicht der Kampf um die Vor­herr­schaft in Eu­ro­pa ei­ne neue Es­ka­la­ti­ons­stu­fe. Als mög­li­ches Op­fer in der Aus­ein­an­der­set­zung droht Ni­ki Lau­das neu­es Air­line-Pro­jekt Lau­da­mo­ti­on auf der Stre­cke zu blei­ben.

Die Luft­han­sa kün­digt näm­lich die Lea­sing­ver­trä­ge zur Über­las­sung je­ner Ni­ki-Flug­zeu­ge, die sie im Vor­jahr nach der In­sol­venz der deut­schen Air Ber­lin und ih­rer Toch­ter Ni­ki über­nom­men hat­te. Das be­trifft kon­kret neun Ni­ki-Ma­schi­nen, die seit März für Lau­da­mo­ti­on im Ein­satz wa­ren. (Ei­ne zehn­te Ma­schi­ne wird ge­ra­de ge­war­tet.)

Die Be­grün­dung: „Lau­da­mo­ti­on ist den ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen zu­letzt zum wie­der­hol­ten Ma­le nicht wie ver­ein­bart nach­ge­kom­men“, er­klärt die Luft­han­sa. Fra­gen, um wel­che aus­ste­hen­den Be­trä­ge und um wel­che Zei­t­räu­me es ge­he, woll­te die Luft­han­sa am Frei­tag nicht be­ant­wor­ten.

Ein Weg­fall der ge­leas­ten neun Flug­zeu­ge könn­te Ni­ki Lau­das jüngs­tes Air­line-Pro­jekt in die größ­te Kri­se sei­ner bis­her kur­zen Ge­schich­te stür­zen. Die Air­line ist drin­gend auf Flug­zeu­ge an­ge­wie­sen, um die aus der Ni­ki-Kon­kurs­mas­se ge­kauf­ten Start- und Lan­de­rech­te (Slots) ord­nungs­ge­mäß be­die­nen zu kön­nen. Ist das nicht mög­lich, wür­de das Recht auf die Nut­zung der Slots ver­fal­len. Die­se wür­den dann neu ver­ge­ben.

Zur Klä­rung der of­fe­nen Rechts­fra­gen – ins­be­son­de­re, ob die Kün­di­gung der Lea­sing­ver­trä­ge recht­lich zu­läs­sig ist – wur­de ein Ge­richt in Lon­don ein­ge­schal­tet. Ein ers­ter Ver­hand­lungs­ter­min ist für kom­men­den Frei­tag (20. Ju­li) an­ge­setzt. Bis zur Ent­schei­dung darf Lau­da­mo­ti­on die Flie­ger wei­ter be­trei­ben.

Für Rya­nair ist die Kün­di­gung ein wei­te­rer Ver­such, „Lau­da­mo­ti­on zu de­sta­bi­li­sie­ren und zu scha­den“. Der ös­ter­rei­chi­sche Part­ner, an dem die Iren mitt­ler­wei­le ei­ne Mehr­heit von 75 Pro­zent hal­ten, sei „vom Vor­ge­hen der Luft­han­sa be­droht“, stellt Rya­nair am Frei­tag in ei­ner schrift­li­chen Mit­tei­lung fest. Als wei­te­re Bei­spie­le für „Be­stre­bun­gen der Luft­han­sa“, Lau­da­mo­ti­on zu scha­den, wird an­ge­führt, dass sich die Aus­lie­fe­rung von Flug­zeu­gen bis nach der Som­mer­sai­son ver­zö­ge­re, da­mit wer­de die Be­die­nung ge­plan­ter Stre­cken ein­ge­schränkt. Die Luft­han­sa ver­zö­ge­re auch die Zah­lung von gut 1,5 Mill. Eu­ro an Wet-Lea­se-Ge­büh­ren an Lau­da­mo­ti­on, weil die­se von März bis Mai Flü­ge für die Luft­han­sa durch­ge­führt ha­be. Zu­dem ha­be Luft­han­sa an Lau­da­mo­ti­on um zwei Flug­zeu­ge we­ni­ger ge­lie­fert als ei­gent­lich ver­ein­bart. Die Luft­han­sa weist die Aus­sa­gen als „Falsch­be­haup­tun­gen“oh­ne Grund­la­ge zu­rück. Kurz dar­auf kon­tert Rya­nair, Luft­han­sa ver­brei­te „Lü­gen“, in vie­len Punk­ten steht Aus­sa­ge ge­gen Aus­sa­ge.

So er­klärt Luft­han­sa, man ha­be „al­le Auf­la­gen der EU-Kom­mis­si­on be­züg­lich der ge­for­der­ten Wei­ter­ga­be von Flug­zeu­gen an Lau­da­mo­ti­on voll­stän­dig er­füllt“. Das be­strei­tet Rya­nair, man ha­be ein Flug­zeug nicht ver­ein­ba­rungs­ge­mäß über­ge­ben, zu­dem sei­en die Lea­sing­ra­ten über­teu­ert. Und die Zah­lun­gen für Ju­li sei­en be­reits im Ju­ni er­folgt. Ei­nen Zu­sam­men­hang mit dem un­mit­tel­bar da­vor er­teil­ten Okay der Wett­be­werbs­be­hör­den für die Mehr­heits­über­nah­me von Lau­da­mo­ti­on durch Rya­nair be­strei­tet die Luft­han­sa. Die Iren stock­ten ih­ren An­teil von 24,9 Pro­zent auf 75 Pro­zent auf, es gab kei­ne wett­be­werbs­recht­li­chen Ein­wän­de.

Der Kon­flikt zwi­schen Luft­han­sa und Rya­nair wird auch ge­schürt durch die Tat­sa­che, dass Lau­da­mo­ti­on in Deutsch­land aus­ge­rech­net Düs­sel­dorf zu ei­nem Dreh­kreuz ma­chen will, ei­ne wich­ti­ge Ba­sis der Luft­han­sa-Bil­lig­toch­ter Eu­ro­wings.

Luft­han­sa und Rya­nair hat­ten bei­de In­ter­es­se an den Flug­rech­ten, die nach den In­sol­ven­zen von Air Ber­lin und Ni­ki 2017 frei ge­wor­den wa­ren. Wäh­rend die Luft­han­sa ei­nen Groß­teil der Flug­zeu­ge von Air Ber­lin und Ni­ki über­nahm, ge­wann Ni­ki Lau­da den Zu­schlag für die Ni­ki-Flug­rech­te. Da­bei stach er die bri­tisch-spa­ni­sche IAG-Grup­pe eben­so aus wie die zu­nächst eben­falls in­ter­es­sier­te Rya­nair.

Ur­sprüng­lich woll­te die Luft­han­sa die Air-Ber­lin-Ak­ti­vi­tä­ten nach de­ren In­sol­venz kom­plett über­neh­men. Die Deut­schen zo­gen ihr An­ge­bot zu­rück, nach­dem die EUKom­mis­si­on si­gna­li­siert hat­te, ei­ne Über­nah­me nur un­ter mas­si­ven Auf­la­gen zu ge­neh­mi­gen, um ei­ne markt­be­herr­schen­de Stel­lung zu ver­hin­dern.

BILD: SN/LAU­DA­MO­TI­ON

Ni­ki Lau­das Lau­da­mo­ti­on droht ein Rück­schlag.

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