Wah­len, die Ge­schich­te schrie­ben

Es war das Jahr, in dem 415 Stim­men den Un­ter­schied zwi­schen FPÖ und ÖVP aus­mach­ten.

Salzburger Nachrichten - - 100 JAHRE REPUBLIK ÖSTERREICH - Hei

Das Wen­de­jahr. So wird das Su­per­wahl­jahr 1999 all­ge­mein be­ti­telt. Die Wen­de mit Schwarz-Blau kam zwar erst ein Jahr spä­ter. Der Wahl­rei­gen führ­te aber zu ei­nem Um­bruch in der Par­tei­en­land­schaft. Für so man­chen Po­li­ti­ker ging 1999 der Stern auf.

Da wä­re zu­al­ler­erst Jörg Hai­der. Der Mann, der ei­gent­lich gar nicht als FPÖ-Spit­zen­kan­di­dat für die Na­tio­nal­rats­wahl am 3. Ok­to­ber 1999 an­trat, fei­er­te sei­nen größ­ten Tri­umph. 26,91 Pro­zent be­deu­te­ten Platz zwei – 415 Stim­men vor der ÖVP. Das Er­geb­nis ist bis heu­te das bes­te in der FPÖ-Ge­schich­te, dar­an än­der­te auch die Na­tio­nal­rats­wahl 2017 nichts. Für das Li­be­ra­le Fo­rum und Hei­de Schmidt be­deu­tet 1999 das En­de – die Par­tei schei­ter­te an der Vier-Pro­zent-Hür­de und flog aus dem Par­la­ment.

Ge­wählt wur­de auch das EU-Par­la­ment. Und da trat erst­mals der Jour­na­list Hans-Pe­ter Mar­tin auf den Plan. Der EU- und Glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­ker wur­de von der SPÖ als par­tei­frei­er Kan­di­dat auf­ge­stellt und schaff­te den Ein­zug ins EU-Par­la­ment. Teil der SPEFrak­ti­on wur­de er nie. Statt­des­sen grün­de­te er sei­ne ei­ge­ne Lis­te Mar­tin und saß bis 2014 als Ab­ge­ord­ne­ter in Brüs­sel und Straß­burg.

1999 war aber auch das Jahr, das das po­li­ti­sche Bild in Salz­burg ver­än­der­te. Ein ge­wis­ser Heinz Scha­den wur­de der ers­te di­rekt ge­wähl­te Bür­ger­meis­ter der Stadt Salz­burg. Für man­che ein ab­so­lu­ter „No­bo­dy“, hol­te Scha­den den Bür­ger­meis­ter­ses­sel in der Lan­des­haupt­stadt für die SPÖ zu­rück. Da­mit be­gann ei­ne Ära, die 18 Jah­re dau­ern soll­te.

Und auch in der zweit­größ­ten Stadt Salz­burgs, in Hal­lein, kam ein Mann an die Spit­ze, mit dem man so nicht ge­rech­net hat­te. Die SN ti­teln: „Sen­sa­ti­on in Hal­lein: Stöckl ist Bür­ger­meis­ter.“Hal­lein war bis da­hin fest in SPÖ-Hand. Chris­ti­an Stöckl läu­te­te mit sei­nem über­ra­schen­den Wahl­sieg die ÖVP-Ho­heit in Hal­lein ein, die heu­te noch an­dau­ert. Und auch die Po­lit­kar­rie­re des Ma­the­ma­tik­leh­rers be­gann – und dau­ert noch an. Stöckl ist heu­te Lan­des­haupt­mann-Stell­ver­tre­ter und Fi­nanz­re­fe­rent.

In dem gan­zen Wahl­rei­gen gab es aber auch noch drei Land­tags­wah­len. In Ti­rol, wo die ÖVP die Ab­so­lu­te knapp ver­tei­dig­te. Wen­de­lin Wein­gart­ner blieb Lan­des­haupt­mann. In Salz­burg, wo die ers­te Land­tags­wahl oh­ne Pro­porz statt­fand. Die ÖVP blieb mit 38 Pro­zent kla­re Num­mer eins und Franz Schaus­ber­ger Lan­des­haupt­mann, die SPÖ ver­rin­ger­te den Ab­stand und er­reich­te 32 Pro­zent. Und schließ­lich in Kärn­ten, wo es Jörg Hai­der ge­lang, die FPÖ erst­mals auf Platz eins zu brin­gen. Der Lan­des­haupt­mann hieß bis 2008 Jörg Hai­der.

Drei Her­ren, die die po­li­ti­sche Land­schaft ab 1999 für lan­ge Zeit auf­misch­ten: Jörg Hai­der in Kärn­ten und Wi­en, Heinz Scha­den in Salz­burg und Hans-Pe­ter Mar­tin in Brüs­sel.

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