Der zer­ris­se­ne Frei­staat Bay­ern

Kaum je­man­dem geht es deutsch­land­weit wirt­schaft­lich so gut wie den Be­woh­nern Bay­erns. Auf den ers­ten Blick. Auf den zwei­ten sieht die Sa­che schon an­ders aus.

Salzburger Nachrichten - - WELTPOLITIK - SN, dpa

Man ist ver­wöhnt in Bay­ern: Der Wirt­schafts­mo­tor brummt, die Ar­beits­lo­sig­keit ist nied­rig. Schaut man ge­nau­er hin, tun sich zwi­schen Stadt und Land aber gro­ße Un­ter­schie­de auf. Ein Blick auf die Zah­len.

1.

Bay­ern hat im Sep­tem­ber 2018 mit 2,8 Pro­zent die deutsch­land­weit nied­rigs­te Ar­beits­lo­sen­quo­te. Sie liegt et­wa bei der Hälf­te des deutsch­land­wei­ten Schnitts (5,0). Doch pro­fi­tie­ren von der gu­ten Wirt­schafts­la­ge nicht al­le. So ist in Bal­lungs­räu­men der Wert weit hö­her – et­wa in den frän­ki­schen Städ­ten Schwein­furt (5,9) und Hof (5,7). Was das Mo­nats­ein­kom­men an­geht, ste­hen baye­ri­sche Ar­beit­neh­mer gut da: En­de 2017 lag das mitt­le­re Mo­nats­ein­kom­men mit 3345 Eu­ro brut­to et­wa 150 Eu­ro über dem deutsch­land­wei­ten Wert. Un­ter den Top Ten der Viel­ver­die­ner-Re­gio­nen in Deutsch­land be­fin­den sich drei im Frei­staat: Au­di-Stand­ort In­gol­stadt (4635 Eu­ro), Er­lan­gen (4633) und der Land­kreis Mün­chen (4227).

2.

Die Städ­te Bam­berg, Würz­burg und Pas­sau ge­hör­ten 2017 mit je­weils mehr als 330 Ärz­ten auf 100.000 Ein­woh­ner zu den fünf am bes­ten ver­sorg­ten Re­gio­nen in Deutsch­land. Doch vor al­lem auf dem Land rund um kreis­freie Städ­te ist ki­lo­me­ter­wei­tes Fah­ren für ei­nen Arzt­be­such kei­ne Sel­ten­heit. Un­ter den zehn Ge­gen­den mit der deutsch­land­weit ge­rings­ten Ärz­te­dich­te lie­gen neun in Bay­ern. Schluss­lich­ter: die Krei­se Co­burg und Lands­hut mit je­weils we­ni­ger als 87 Ärz­ten pro 100.000 Ein­woh­ner. Im Kreis Bam­berg sind es 89.

Da­zu kommt: Vie­le Me­di­zi­ner ge­hen bald in Pen­si­on. Nir­gend­wo in Deutsch­land gibt es zum Bei­spiel äl­te­re Haus­ärz­te als in den nord­baye­ri­schen Krei­sen Rhön-Gr­ab­feld, Schwein­furt und Bad Kis­sin­gen. 2017 wa­ren sie im Schnitt knapp un­ter 60 Jah­re alt. Zum Ver­gleich: In der säch­si­schen Lan­des­haupt­stadt Dres­den, wo die deutsch­land­weit jüngs­ten Haus­ärz­te ar­bei­ten, sind die­se kaum 51 Jah­re alt.

3.

Ei­ne Woh­nung in Mün­chen? Für vie­le un­er­schwing­lich. Bei den Mie­ten ist die Lan­des­haupt­stadt deut­scher Spit­zen­rei­ter. Das Bun­des­in­sti­tut für Bau-, Stadt- und Raum­for­schung hat er­rech­net, dass im ers­ten Halb­jahr 2017 dort im Schnitt Woh­nun­gen für 16,40 Eu­ro pro Qua­drat­me­ter an­ge­bo­ten wur­den. In Deutsch­lands zweit­teu­ers­ter Stadt Frank­furt wa­ren es fast 3,50 Eu­ro we­ni­ger. An­de­rer­seits ist der Land­kreis Wun­sie­del Schluss­licht beim Miet­preis. Hier an der baye­ri­schen Gren­ze zu Tsche­chi­en la­gen die An­ge­bo­te bei 4,40 Eu­ro pro Qua­drat­me­ter.

Hor­rend sind im Frei­staat mit­un­ter auch die Im­mo­bi­li­en­prei­se, selbst wenn man sie zu den meist hö­he­ren Ver­diens­ten ins Ver­hält­nis setzt. Sie­ben der zehn teu­ers­ten deut­schen Re­gio­nen be­fan­den sich 2017 im Groß­raum der baye­ri­schen Lan­des­haupt­stadt. In Mün­chen be­ka­men laut Spar­da-Bank Käu­fer für den Preis von 242.000 Eu­ro (so viel wur­de im deutsch­land­wei­ten Schnitt für ei­ne Im­mo­bi­lie aus­ge­ge­ben) 44 Qua­drat­me­ter. In der säch­si­schen Groß­stadt Chem­nitz be­kommt man für das­sel­be Geld 261 Qua­drat­me­ter, deutsch­land­weit im Schnitt 126 Qua­drat­me­ter.

In Bay­ern ist gut ar­bei­ten – oder? Wo bit­te ist der nächs­te Arzt? Mün­chen, das teu­ers­te Pflas­ter weit und breit

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