Das Cha­mä­le­on na­mens Cor­ne­lia Fro­boess

Salzburger Nachrichten - - TV / SONNTAG -

Sie war sie­ben und wur­de „Con­ny“ge­ru­fen, als sie „Pack die Ba­de­ho­se ein“in den Schla­ger­him­mel ka­ta­pul­tier­te. Die­se Kom­po­si­ti­on ih­res Va­ters war für Cor­ne­lia Fro­boess der Ein­stieg in ei­ne sehr wech­sel­vol­le Kar­rie­re. Der Mu­sik folg­te das Fern­se­hen, dann der Film und schließ­lich das Thea­ter – nicht um­ge­kehrt, wie das meist der Fall ist. Die deut­sche Künst­le­rin, die in 15 Ta­gen ih­ren 75. Ge­burts­tag fei­ert, ist zu­letzt vor­nehm­lich im Fern­se­hen en­ga­giert. Nun wie­der in ei­ner Cha­rak­ter­rol­le: „End­lich Gar­da­see!“, ei­ne nur auf den ers­ten Blick leicht­ge­wich­ti­ge Un­ter­hal­tung. Viel­mehr steht die­se Ko­mö­die in ei­ner Rei­he mit Fro­boess’ Auf­trit­ten als Po­ker-Queen in „Oma zockt sie al­le ab“und durch­set­zungs­fä­hi­ge Rei­ni­gungs­fach­kraft, frü­her als „Putz­frau“be­kannt („Al­muth & Ri­ta“). Ge­zim­mert nach dem De­büt­ro­man „Sehn­sucht ist ein Not­fall“von Sa­bi­ne Hein­rich, schlüpft Fro­boess jetzt in die Rol­le ei­ner äl­te­ren Da­me, die es noch ein­mal wis­sen will: neue Woh­nung und ei­ne Rei­se an ih­ren Lieb­lings­ort in Ita­li­en, in Be­glei­tung ih­rer En­ke­lin – und mit uns Zu­schau­ern, wenn wir am Sams­tag um 20.15 Uhr den ARD-Ka­nal wäh­len. Wir war­ten noch auf ei­nen weib­li­chen Ja­mes Bond, aber des­sen un­ge­ach­tet setzt sich die fe­mi­ni­ne Re­vo­lu­ti­on fort: Die Rol­le des Se­ri­en­Kul­t­hel­den „Dr. Who“wur­de von ei­ner Frau über­nom­men und hat in der ers­ten BBC-Fol­ge „The Wo­man Who Fell to Earth“(Die Frau, die auf die Er­de fiel) gleich gu­te Quo­ten und Kri­ti­ken ein­ge­fah­ren. Die Darstel­le­rin Jo­die Whit­ta­ker ist der 13. Dr. Who und konn­te sich auch über ein po­si­ti­ves Zei­tungs­le­se­recho freu­en. Längst ist das einst schwa­che Ge­schlecht bä­rin­nen­stark. So­gar die Kla­ge, dass es für nicht mehr ganz jun­ge Schau­spie­le­rin­nen kei­ne Rol­len mehr ge­be, ist längst ver­stummt. So wird die bri­ti­sche Schau­spie­le­rin Til­da Swin­ton, 57, im Thril­ler „Su­spi­ria“gar den 82-jäh­ri­gen Psy­cho­ana­ly­ti­ker Jo­sef Klem­pe­rer ver­kör­pern, was ei­ne Leis­tung für sich sein dürf­te. Und am nächs­ten Wo­che­n­en­de lie­fert Iris Ber­ben, 68, er­neut ein Ge­gen­bei­spiel: Als „Pro­to­kol­lan­tin“spielt sie ei­ne Frau, die das Schick­sal ih­rer ver­miss­ten Toch­ter nicht los­lässt.

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