Ener­gie­stand­ort Eu­ro­pa im Span­nungs­feld

Beim In­dus­trie- und Zu­kunfts­fo­rum Salz­burg im Han­gar-7 ver­tei­dig­te OMV-Chef Rai­ner See­le sei­ne Russ­land­stra­te­gie.

Salzburger Nachrichten - - WIRTSCHAFT / ANZEIGEN - SALZ­BURG. Ger­hard Dr­ex­el (SPAR), LH Wil­fried Has­lau­er, Hel­mut Wieser (AMAG), Jo­sef Weißl (Ober­bank). Pe­tra Fuchs (Ober­bank Salz­burg) und Pe­ter Ma­la­ta (W & H Den­tal­werk Bür­moos Gm­bH). Fritz Wal­deg­ger (PALFINGER AG), Da­ni­el Bau­ch­in­ger (Haus­be­treu­ung Bau­ch­in

Das en­er­gie­po­li­ti­sche Um­feld in Eu­ro­pa wird mehr und mehr von geo­po­li­ti­schen Span­nun­gen be­stimmt. Geo­po­li­ti­sche Kon­flik­te im Mitt­le­ren Os­ten wie der Bür­ger­krieg im Je­men oder die US-Sank­ti­ons­po­li­tik von US-Prä­si­dent Do­nald Trump ge­gen­über Eu­ro­pa wir­ken sich in wei­te­rer Fol­ge auf Wirt­schafts­wachs­tum und Kli­ma­schutz aus. Doch wie schafft es Eu­ro­pa, ei­ne neue, zeit­ge­mä­ße und vor al­lem er­folg­rei­che Kli­ma- und Ener­gie­stra­te­gie zu ent­wi­ckeln? „Wir brau­chen ei­nen aus­ge­wo­ge­nen Gleich­klang zwi­schen Wett­be­werbs­fä­hig­keit, Ver­sor­gungs­si­cher­heit und Kli­ma­schutz“, sag­te OMV-Vor­stands­vor­sit­zen­der Rai­ner See­le am Mitt­woch­abend beim In­dus­trie- und Zu­kunfts­fo­rum 2018, zu dem die Ober­bank, die In­dus­tri­el­len­ver­ei­ni­gung Salz­burg und die „Salz­bur­ger Nach­rich­ten“in den Han­gar-7 ein­ge­la­den hat­ten.

Rund 300 Gäs­te be­such­ten die­se hoch­ka­rä­ti­ge Ver­an­stal­tung – die Mo­de­ra­ti­on be­stritt heu­er wie­der SNChef­re­dak­teur Man­fred Per­te­rer. Die zahl­rei­che Pro­mi­nenz aus Po­li­tik und Wirt­schaft ließ sich die­sen Event na­tür­lich eben­falls nicht ent­ge­hen; dar­un­ter wa­ren zum Bei­spiel Ger­hard Dr­ex­el (SPAR) mit sei­ner Gat­tin An­drea, Chris­ti­an Leeb (Salz­burg Milch), Jo­sef Wöh­rer, Cor­ne­li­us und Mat­thi­as Geis­lin­ger (Geis­lin­ger Gm­bH), Man­fred Sant­ner (Lieb­herr-Werk Bi­schofs­ho­fen Gm­bH), Tho­mas Pu­sch­nig und Hel­mut Lenz (Zal­tech Gm­bH), Franz Gra­mil­ler (FRANZ GRA­MIL­LER & SOHN Gm­bH) und Hal­mut Grat­schmai­er (Ho­nig­mayr Han­dels­ge­sell­schaft m. b. H.).

See­le schil­der­te in sei­nem Vor­trag die Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Stand­orts Eu­ro­pa und wag­te da­bei ei­nen Blick in die Zu­kunft. Ob­wohl die Öl­re­ser­ven in spä­tes­tens 200 bis 300 Jah­ren auf­ge­braucht sein wer­den, ist ei­ne mit­tel­fris­ti­ge Ab­kehr von die­sem Ener­gie­trä­ger nicht rat­sam. Laut ei­ner Stu­die steigt die Öl- und Gas­nach­fra­ge bis 2030 um 16 Pro­zent, gleich­zei­tig wer­den aber auch die er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en auf al­len Kon­ti­nen­ten stär­ker zum Tra­gen kom­men. Eu­ro­pa muss vor al­lem mehr Erd­gas im­por­tie­ren, um die Wett­be­werbs­fä­hig­keit zu ge­währ­leis­ten und den Stand­ort­nach­teil ge­gen­über den USA, die zu 100 Pro­zent Ei­gen­pro­du­zen­ten sind, zu ge­währ­leis­ten. „In Chi­na ist der Gas­preis der­zeit so­gar fünf Mal so hoch wie bei ei­nem Pro­du­zen­ten in den USA. Die Chi­ne­sen ha­ben da­her ei­ne ei­ge­ne Stra­te­gie: Sie kau­fen suk­zes­si­ve al­le Öl- und Gas­fel­der auf un­se­rem Pla­ne­ten auf – vor al­lem in Afri­ka sind sie sehr ak­tiv“, er­klär­te See­le.

Im an­schlie­ßen­den Talk mit Man­fred Per­te­rer ver­tei­dig­te See­le die um­strit­te­ne star­ke OMV-Al­li­anz mit Russ­land und dem dor­ti­gen Gas-Gi­gan­ten Gaz­prom. Er plä­dier­te da­für, kei­nen Kon­flikt-, son­dern ei­nen An­nä­he­rungs­kurs mit Russ­land zu star­ten. „Zwei oder meh­re­re Freun­de sind im­mer bes­ser als ei­ner.“We­nig Sor­gen be­rei­te ihm der Br­ex­it, da die OMV ihr Gas auch in Zu­kunft im glei­chen Um­fang nach Groß­bri­tan­ni­en lie­fern wer­de.

Auch Ober­bank-Ge­ne­ral­di­rek­tor Franz Gas­sels­ber­ger macht sich sei­ne Ge­dan­ken über Ös­ter­reich als Wirt­schafts­stand­ort: „Ich er­war­te kei­nen Ein­bruch der Kon­junk­tur, aber ich glau­be, dass die zu­letzt ver­öf­fent­lich­ten Pro­gno­sen zu op­ti­mis­tisch sind. Es zei­gen sich ei­ni­ge Ri­si­ken, die die Bör­sen zum Teil schon ein­ge­preist ha­ben. Vor al­lem in Eu­ro­pa gibt es Ent­täu­schun­gen bei den Ge­winn­erwar­tun­gen. In­dus­trie­r­oh­stof­fe, En­er­gie und Roh­öl sind deut­lich teu­rer als vor ei­nem Jahr, das kön­nen die Un­ter­neh­men kaum noch an ih­re Kun­den wei­ter­ge­ben.“

Eben­falls vor­sich­tig mit Pro­gno­sen bleibt Pe­ter Un­ter­kof­ler, Prä­si­dent der In­dus­tri­el­len­ver­ei­ni­gung Salz­burg. „Die In­dus­trie steht ak­tu­ell vor der Her­aus­for­de­rung, die der­zei­ti­ge Auf­trags- und Kon­junk­tur­la­ge zu hal­ten. Das Ex­pan­si­ons­tem­po hat sich ver­lang­samt, die un­ge­wis­se Aus­ge­stal­tung des Br­ex­it und ak­tu­el­le Ten­den­zen in der in­ter­na­tio­na­len Han­dels­po­li­tik wer­fen ih­re Schat­ten auf die Kon­junk­tur­pro­gno­se. Um­so wich­ti­ger ist es, die an­ge­kün­dig­ten Re­for­men jetzt um­zu­set­zen. Im Hin­blick auf die KV-Ver­hand­lun­gen be­steht ak­tu­ell kein Spiel­raum für wei­te­re Be­las­tun­gen.“ AN­ZEI­GE

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