ROYALS

So lang wie er trug noch nie­mand den Ti­tel des Thron­fol­gers. Der Roy­al en­ga­giert sich seit Jahr­zehn­ten für den Kli­ma­schutz und un­ter­stützt Hun­dert­tau­sen­de jun­ge Men­schen.

Salzburger Nachrichten - - 100 JAHRE REPUBLIK -

Prinz Charles, „der ewi­ge Thron­fol­ger“, wird 70 Jah­re alt. Der Roy­al wur­de mo­na­te­lang von Fern­seh­ka­me­ras be­glei­tet.

LON­DON. Für vie­le ist er der „ewi­ge Thron­fol­ger“, am Mitt­woch fei­ert er sei­nen 70. Ge­burts­tag: Charles Phi­lip Ar­thur Ge­or­ge, Prinz von Wa­les und Her­zog von Corn­wall. Kürz­lich kün­dig­te er an, als Kö­nig wol­le er sich nicht in die Po­li­tik ein­mi­schen. Im­mer wie­der gab es Kri­tik an sei­nen re­gel­mä­ßi­gen Wort­mel­dun­gen zu An­ge­le­gen­hei­ten, die ihm am Her­zen lie­gen wie Um­welt und Ar­chi­tek­tur, oder den vor ei­ni­gen Jah­ren öf­fent­lich ge­wor­de­nen Brie­fen, die er an Mi­nis­te­ri­en schick­te.

An­läss­lich sei­nes Ge­burts­tags be­ru­hig­te er die Ge­mü­ter: Auf die Fra­ge, ob er sich nach sei­ner Krö­nung wei­ter öf­fent­lich für be­stimm­te Zwe­cke ein­set­zen wer­de, sag­te er: „So dumm bin ich nicht.“Mon­arch zu sein sei et­was völ­lig an­de­res als Thron­fol­ger, er­klär­te er in ei­ner BBC-Do­ku­men­ta­ti­on. Da­für wur­de der Roy­al mo­na­te­lang von Ka­me­ras be­glei­tet. Vie­le Zu­schau­er zeig­ten sich über­rascht über sein Cha­ris­ma, sei­ne – na­tür­lich un­ter roya­len Ver­hält­nis­sen re­la­ti­ve – Zu­gäng­lich­keit und das Aus­maß sei­nes En­ga­ge­ments. Er hat 25 Wohl­tä­tig­keits­or­ga­ni­sa­tio­nen ge­grün­det. Ins­be­son­de­re sei­ne Stif­tung The Prin­ce’s Trust, die er nach sei­ner Mi­li­tär­zeit 1976 ins Le­ben rief, liegt ihm am Her­zen. Die­se un­ter­stütz­te bis­her rund 900.000 jun­ge, be­nach­tei­lig­te Men­schen und er­öff­ne­te neue Per­spek­ti­ven. Da­ne­ben ist er Kunst­lieb­ha­ber, lei­den­schaft­li­cher Kri­ti­ker mo­der­ner Ar­chi­tek­tur in Städ­ten, För­de­rer der schö­nen Küns­te und der ih­nen zu­grun­de lie­gen­den hand­werk­li­chen Fä­hig­kei­ten. Doch sei­ne Haupt­sor­ge gilt der Um­welt. Sei­ne Lie­be zur Na­tur reicht weit über sein Hob­by als Gärt­ner hin­aus. Der Ver­fech­ter ei­ner ge­sun­den Er­näh­rung be­sitzt ei­nen Bau­ern­hof, der öko­lo­gisch nach­hal­tig be­trie­ben wird, und ver­sucht, auch an­de­re da­von zu über­zeu­gen, auf ei­ne na­tur­ge­rech­te und scho­nen­de Land­wirt­schaft um­zu­stel­len. Nicht nur dies­be­züg­lich war er sei­ner Zeit weit vor­aus. Be­reits 1970 hielt er et­wa ei­ne flam­men­de Re­de ge­gen die Ver­schmut­zung durch Plas­tik und für die Ret­tung des Pla­ne­ten. „Er wür­de gern die Welt ret­ten“, so fass­te sei­ne zwei­te Frau, Her­zo­gin Ca­mil­la, die Mo­ti­va­ti­on des um­trie­bi­gen Royals zu­sam­men.

Das Paar – es teilt merk­lich den­sel­ben et­was schrä­gen Hu­mor – wirkt glück­lich. End­lich, wür­de man­cher Be­ob­ach­ter hin­zu­fü­gen. Wäh­rend Charles’ Mut­ter, die Jahr­hun­dert­kö­ni­gin, mit ih­ren 92 Jah­ren schon lang als na­tio­na­ler Schatz ge­fei­ert wird und sei­ne Söh­ne, die Prin­zen Har­ry und Wil­li­am, nun mit ih­ren Ehe­frau­en, Her­zo­gin Ca­the­ri­ne und Her­zo­gin Meg­han, Gla­mour, Far­be und Fri­sche in die jahr­hun­der­te­al­te Mon­ar­chie brach­ten, wirk­te Charles mit­un­ter steif.

Da­bei wird er im Pri­va­ten als char­mant, wit­zig und mit­füh­lend be­schrie­ben, hat au­ßer­dem in der Öf­fent­lich­keit kei­ne Be­rüh­rungs­ängs­te, wenn er auf Rei­sen ist oder sei­ne roya­len Pflicht­ter­mi­ne ab­sol­viert. Doch es war sei­ne Ex-Frau Prin­zes­sin Dia­na, die als Kö­ni­gin der Her­zen jah­re­lang von den Ti­tel­sei­ten der Bou­le­vard­blät­ter lä­chel­te. Ihm selbst blieb das Image des pri­vi­le­gier­ten Son­der­lings und ge­fühls­kal­ten Royals, der von vie­len für die ge­schei­ter­te Ehe ver­ant­wort­lich ge­macht wur­de.

Heu­te ha­ben sei­ne Un­ter­ta­nen ih­ren Frie­den mit dem Prin­zen ge­schlos­sen. Auch weil in den ver­gan­ge­nen Jah­ren sein En­ga­ge­ment noch of­fen­sicht­li­cher wur­de und sei­ne Söh­ne im­mer wie­der et­was über den Fa­mi­li­en­men­schen und „bril­lan­ten“Groß­va­ter für die – bald vier – En­kel ver­rie­ten. Die 71-jäh­ri­ge Ca­mil­la er­zähl­te: Er krabb­le mit ih­nen stun­den­lang auf dem Bo­den her­um, le­se ih­nen aus Har­ry-Pot­ter-Bü­chern vor und brin­ge sie mit „lus­ti­gen Ge­räu­schen“zum La­chen.

„So dumm bin ich nicht.“Prinz Charles, Thron­fol­ger

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