Die Fuß­ball­welt braucht neue Struk­tu­ren und ei­nen Neu­an­fang

Vie­le Mil­lio­nen und gie­ri­ge Funk­tio­nä­re ver­der­ben die Sze­ne, die nächs­ten Ver­ge­hen na­hen und es gibt kei­nen Aus­weg aus dem Di­lem­ma. Oder doch?

Salzburger Nachrichten - - SPORT - Richard Obern­dor­fer RICHARD.OBERN­DOR­FER@SN.AT

Das ex­klu­si­ve In­ter­view mit dem Auf­de­ckungs­jour­na­lis­ten des „Spie­gels“, Micha­el Wul­zin­ger, die­se Wo­che in den SN hat ein grau­en­haf­tes Sit­ten­bild des in­ter­na­tio­na­len Fuß­balls ge­zeigt. Die Sport­art ist heu­te ge­prägt von Kor­rup­ti­on, Be­ste­chung, Steu­er­hin­ter­zie­hung – ein ge­wal­ti­ger Be­trug am Fan. Und es ist kein En­de in Sicht. Denn wenn die nächs­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen von In­for­mant „John“aus den Foot­ball Leaks kom­men, dann er­war­tet die Sze­ne neue Ent­hül­lun­gen, die den Fuß­ball­sport bis ins Mark er­schüt­tern wer­den: Es geht um il­le­ga­le Trans­fers von jun­gen Spie­lern, um Clubs, die trotz Schul­den in Prunk agie­ren, und um ei­ne po­si­ti­ve Do­ping­pro­be ei­nes Welt­stars, die ver­tuscht wer­den soll­te. Wird sie aber nicht. Die Zeit der Auf­klä­rer ist an­ge­bro­chen.

Es ist wich­tig, dass Whist­leb­lo­wer, wie es John aus Por­tu­gal ist, der sich auch selbst als Fuß­ball­fan ein­schätzt, die Ma­chen­schaf­ten des Welt­ver­bands FIFA und sei­nes klei­nen eu­ro­päi­schen Bru­ders UE­FA auf­zei­gen. Die gro­ßen Clubs wie Pa­ris St. Ger­main oder Man­ches­ter Ci­ty wer­den ge­schützt, den klei­nen setzt man gleich die Pis­to­le an die Brust. Von ih­nen kann ja kei­ne Ge­fahr aus­ge­hen.

Doch da täu­schen sich die in­ter­na­tio­na­len Funk­tio­nä­re in ih­rer All­macht. Die klei­ne­ren Clubs sind zu­sam­men ei­ne Grö­ße. Und ir­gend­wann wird ih­nen die Un­ge­rech­tig­keit zu viel wer­den, wenn ma­fi­a­ähn­li­che Struk­tu­ren bei der FIFA wie­der den Weg frei ma­chen für die­je­ni­gen, die sich mit ih­rer Macht und ih­rem Geld über al­le Richt­li­ni­en hin­weg­set­zen kön­nen. Die Klei­nen müs­sen den Auf­stand pro­ben. Denn die Mas­se der Clubs agiert vor­bild­lich.

Es braucht ei­nen Neu­an­fang. Das Sys­tem Fuß­ball ge­hört durch­ge­lüf­tet. Das be­ginnt mit dem Welt­fuß­ball­ver­band, der sich seit Jah­ren mit sei­nem Ver­eins­sitz (ja, die FIFA ist wie ein Ver­ein struk­tu­riert und zahlt des­halb nur vier Pro­zent Ge­winn­steu­er und 4,25 Pro­zent Bun- des­steu­er, Anm.) im Kan­ton Zü­rich und hin­ter sei­ner Ge­mein­nüt­zig­keit ver­steckt. Wie­so wer­den trotz die­ser Ge­mein­nüt­zig­keit den­noch rund 50 Mil­lio­nen Fran­ken (ca. 43,66 Mill. Eu­ro) jähr­lich an Füh­rungs­leu­te aus­be­zahlt? War­um wer­den Welt­meis­ter­schaf­ten in Staa­ten wie 2022 in Ka­tar ver­ge­ben, die die Men­schen­rech­te mit Fü­ßen tre­ten? Wie ver­trägt sich das mit dem Grund­satz der Ge­mein­nüt­zig­keit? Wie ein ste­ter Trop­fen, der den St­ein höhlt, müs­sen die­se Fakten auf­ge­zeigt wer­den.

Die Pha­lanx ge­gen Funk­tio­nä­re, die gern in die ei­ge­ne Ta­sche wirt­schaf­ten, wird durch die Foot­ball Leaks grö­ßer wer­den. Noch gibt sich FIFA-Prä­si­dent Gi­an­ni In­fan­ti­no ge­las­sen. Ganz wird der Fuß­ball-Sumpf nie tro­cken­ge­legt wer­den kön­nen, aber es ist ein An­fang ge­macht, der mehr als zum Nach­den­ken an­regt. Noch ist es nur die Ba­sis für ei­nen Neu­be­ginn.

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