Zum 75-Jah­re-Ju­bi­lä­um Salz­bur­ger Nach­rich­ten

Aus den Trüm­mern des Kriegs ist vor 75 Jah­ren ei­ne Zei­tung ent­stan­den, die über die Gren­zen des Lan­des hin­aus ho­he Be­ach­tung fin­det.

Salzburger Nachrichten - - Vorderseit­e - Man­fred Perterer MAN­FRED.PERTERER@SN.AT

In Kri­sen zeigt sich der wah­re Cha­rak­ter

Ma­che mir hier für das Land ei­ne Zei­tung, die nicht an­de­re Zei­tun­gen nach­be­tet, son­dern ei­ne, die man zi­tiert und auf die man hört.“Al­so sprach der da­ma­li­ge Lan­des­haupt­mann Franz Rehrl im Jahr 1945 zu Gus­tav A. Ca­na­val, dem Grün­dungs-Chef­re­dak­teur der „Salz­bur­ger Nach­rich­ten“. Rehrl hat­te zwar, so wie die Po­li­ti­ker an­de­rer Par­tei­en auch, we­nig Freu­de mit der ers­ten po­li­tisch un­ab­hän­gi­gen Zei­tung Salz­burgs. ÖVP, SPÖ und KPÖ woll­ten da­mals die Be­richt­er­stat­tung am liebs­ten nur über ih­re ei­ge­nen Par­tei­zei­tun­gen und den Re­gie­rungs­funk len­ken. Aber das ging nicht. Die Ame­ri­ka­ner hat­ten die Pres­se­frei­heit aus­ge­ru­fen und un­ab­hän­gi­ge Zei­tun­gen zu­ge­las­sen.

Wenn es schon ei­ne un­be­ein­fluss­ba­re Zei­tung gibt, so dürf­te sich Rehrl ge­dacht ha­ben, dann soll­te sie we­nigs­tens über die Gren­zen des Lan­des hin­aus wir­ken.

Es war vor 75 Jah­ren ei­ne gän­gi­ge Idee, das von den US-Trup­pen be­frei­te Salz­burg zu ei­nem zwei­ten Zen­trum der jun­gen Re­pu­blik auf­zu­bau­en, na­he­zu gleich­be­deu­tend mit Wien. Die Bun­des­haupt­stadt war un­ter den al­li­ier­ten Mäch­ten auf­ge­teilt wor­den, wor­un­ter sie litt. Salz­burg war viel frei­er und wur­de da­mals der „west­li­che Brenn­punkt in der ös­ter­rei­chi­schen El­lip­se“ge­nannt.

Am 23. Ok­to­ber 1945 wur­den die „Salz­bur­ger Nach­rich­ten“von den US-Be­hör­den in ös­ter­rei­chi­sche Hän­de ge­legt. Max Dasch und Gus­tav A. Ca­na­val führ­ten von dem Tag an die Zei­tung in Ei­gen­ver­ant­wor­tung. Die­se Frei­heit be­steht nun seit 75 Jah­ren.

Wir be­ge­hen das Ju­bi­lä­um mit ei­nem Son­der­heft, das der heu­ti­gen Aus­ga­be bei­ge­legt ist. Es nimmt die Le­se­rin­nen und Le­ser mit auf ei­ne Rei­se durch die ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te und prä­sen­tiert die SN als pu­bli­zis­ti­schen Zeit­zeu­gen. Aus al­len Res­sorts wer­den span­nen­de Bei­spie­le da­für er­zählt, wie die Zei­tung durch be­son­de­re, ex­klu­si­ve jour­na­lis­ti­sche Leis­tun­gen im­mer wie­der für Auf­se­hen ge­sorgt hat. Die au­then­ti­schen Brie­fe des Benito Mus­so­li­ni wa­ren so ein Sco­op, oder ein In­ter­view mit dem Pa­läs­ti­nen­ser-Füh­rer Jas­sir Ara­fat. Ei­ne SNKor­re­spon­den­tin ist in Zy­pern in Aus­übung ih­res Be­rufs we­gen Spio­na­ge­ver­dachts in­haf­tiert wor­den, ein In­nen­po­li­tik-Re­dak­teur hat un­er­kannt als ein­zi­ger Jour­na­list das Knit­tel­feld-Dra­ma der FPÖ mit­er­lebt. Im­mer wie­der war auch die kla­re Hal­tung der SN zu um­strit­te­nen The­men ein gro­ßes The­ma, et­wa zur Sa­che Wald­heim oder zur Staats­bür­ger­schaft für Bert Brecht. Ju­bi­lä­um fei­ert auch der un­ge­bro­che­ne Kampf der Zei­tung für Frei­heit, De­mo­kra­tie, Rechts­staat, so­zia­le Markt­wirt­schaft, hu­ma­ne Wer­te, Um­welt und Ge­rech­tig­keit.

In der ers­ten Aus­ga­be der ös­ter­rei­chi­schen SN wird in ei­nem Edi­to­ri­al auf die Mis­si­on der „Salz­bur­ger Nach­rich­ten“ein­ge­gan­gen. An der hat sich seit Be­ste­hen dem Grun­de nach nichts ge­än­dert. „Das Blatt wird sich nach wie vor streng auf der Li­nie po­li­ti­scher Un­ab­hän­gig­keit hal­ten“, heißt es. Die Zei­tung wer­de da­ran mit­wir­ken, dass „po­li­ti­sche und welt­an­schau­li­che Ge­gen­sät­ze in ob­jek­ti­ver und sau­be­rer Art im Sin­ne ge­gen­sei­ti­ger Ach­tung aus­ge­tra­gen wer­den. Frei von jeg­li­cher Ge­häs­sig­keit und per­sön­li­cher An­fein­dung soll stets der Ge­dan­ke al­ler auf­bau­wil­li­gen Kräf­te in Ös­ter­reich im Vor­der­grund ste­hen.“

Die­se kon­struk­ti­ve und ver­bin­den­de Grund­idee be­wegt uns heu­te so wie da­mals. Selbst in ei­ner ge­fes­tig­ten li­be­ra­len De­mo­kra­tie sind stän­dig de­sta­bi­li­sie­ren­de In­ter­es­sen am Werk. In Kri­sen, wie wir sie der­zeit er­le­ben, zeigt sich auch der wah­re Cha­rak­ter ei­ner Zei­tung. Ob sie die auf­ge­heiz­te Stim­mung wei­ter hoch­schau­kelt und mit der Angst ihr Ge­schäft ma­chen will – oder ob sie durch Sach­lich­keit zur Lö­sung bei­trägt.

Wir möch­ten das Ju­bi­lä­um da­zu nut­zen, um uns bei un­se­ren Le­se­rin­nen und Le­sern so­wie un­se­ren Wer­be­part­nern herz­lich für ih­re Un­ter­stüt­zung zu be­dan­ken. Sie sind das Fun­da­ment, auf dem un­se­re Un­ab­hän­gig­keit fußt. Der Dank gilt al­len Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern von Re­dak­ti­on, Ver­lag und Dru­cke­rei, die den 75 Jah­re lang an­hal­ten­den Er­folg der SN aus­ma­chen. Ge­ra­de in der Co­ro­na­zeit sind sie zur Höchst­form auf­ge­lau­fen und leis­ten Groß­ar­ti­ges, im­mer ein Ziel vor Au­gen: sehr gu­te „Salz­bur­ger Nach­rich­ten“zu ma­chen für die Le­se­rin­nen und Le­ser, egal ob ge­druckt oder di­gi­tal. Das ist der Auf­trag, einst wie jetzt und auch in Zu­kunft.

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