Bit­te kla­re Wor­te statt schwar­zer Päd­ago­gik

Salzburger Nachrichten - - Vorderseit­e - Ka­rin Zau­ner KA­RIN.ZAU­NER@SN.AT

Im Sep­tem­ber hat­te Ge­sund­heits­mi­nis­ter Ru­dolf An­scho­ber sei­ne Co­ro­na­kom­mu­ni­ka­ti­on selbst in Zwei­fel ge­zo­gen und mehr Klar­heit ver­spro­chen. Ein­ge­ständ­nis­se von Feh­lern und Ent­schul­di­gun­gen wir­ken sym­pa­thisch, sind aber nichts wert, wenn sich in der Fol­ge nichts än­dert. Und es hat sich nichts ge­än­dert. Don­ners­tag spät­abends, nach­dem die Co­ro­na­kom­mis­si­on erst­mals vier Be­zir­ken in Ös­ter­reich das höchs­te Pan­de­mie­ri­si­ko at­tes­tiert hat­te, hat An­scho­ber den Ös­ter­rei­che­rin­nen und Ös­ter­rei­chern nichts als schwar­ze Päd­ago­gik ge­bo­ten. Ähn­lich den Er­zie­hungs­me­tho­den, die auf Ein­schüch­te­rung set­zen, stell­te An­scho­ber wei­te­re „Schutz­maß­nah­men“in Aus­sicht – vi­el­leicht so­gar schon in den nächs­ten Ta­gen, wenn, ja wenn sich die Men­schen nicht an die ge­bo­te­nen bis­he­ri­gen Re­geln hal­ten. Was ge­nau zum Schutz ge­plant ist, ließ er in­halt­lich und zeit­lich im Va­gen. Er sprach vom „rich­ti­gen Zeit­punkt“, wo­bei sich vie­le an die An­wen­dung des Mond­ka­len­ders er­in­nert ha­ben dürf­ten.

Die La­ge ist ernst, die meis­ten Men­schen im Land ha­ben das ver­stan­den. Al­le müs­sen Ab­stand hal­ten, Mund-Na­senSchutz tra­gen und Hän­de wa­schen. Ver­ant­wort­li­che kön­nen das nicht ein­dring­lich und oft ge­nug kom­mu­ni­zie­ren. Wird dies aber mit An­deu­tun­gen und ver­steck­ten Dro­hun­gen kom­bi­niert, er­zeugt das bei mün­di­gen Bür­gern zu­min­dest ne­ga­ti­ve Ge­füh­le. Nach sie­ben Mo­na­ten mit der Pan­de­mie ist es nicht zu viel er­war­tet, dass die Re­gie­rung klar kom­mu­ni­ziert, was ist, was ge­plant ist und was man al­len­falls nicht weiß. Doch der mah­nen­de Zei­ge­fin­ger samt sub­ti­len und in­halts­lee­ren Dro­hun­gen ist un­er­träg­lich.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.