..........HITG’SCHCHT

WIL­DE­CKER HERZ­BU­BEN

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Es gibt Lie­der, die geis­tern nach ih­rer Ent­ste­hung zu­nächst er­folg­los im mu­si­ka­li­schen Nir­gend­wo her­um. Kers­tin Ott zum Bei­spiel muss­te mehr als zehn Jah­re war­ten, bis „Die im­mer lacht“er­folg­reich wur­de. Auch der Hüt­ten­knül­ler „An­ton aus Ti­rol“stürm­te erst die Hit­pa­ra­den, nach­dem DJ Öt­zi den Song zum Bes­ten gab. Ganz ähn­lich war das auch bei ei­nem der größ­ten Hits der Volks­mu­sik über­haupt: Die Sing­le „Her­zi­lein“aus der Fe­der von Ca­ro­la und Burk­hard Lüdtke be­haup­te­te sich nach ih­rer Ver­öf­fent­li­chung im Ok­to­ber 1989 wo­chen­lang in den Top 10 der deut­schen Charts. Das gleich­na­mi­ge Al­bum ver­kauf­te sich mil­lio­nen­fach, es gab Dop­pel­pla­tin. „Her­zi­lein“mach­te die In­ter­pre­ten Wil­fried

Gliem (70) und Wolf­gang Schwalm

(62, Trom­pe­ter) als Volks­mu­sik-Duo „Wil­de­cker Herz­bu­ben“auf ei­nen

Schlag reich und be­rühmt. Ku­ri­os: Die bei­den wa­ren eher durch Zu­fall an den Song ge­ra­ten. Kei­ner hat­te ihn bis da­hin sin­gen wol­len. An­geb­lich auch Pe­ter Alex­an­der und Gott­lieb Wen­de­hals (Wer­ner Böhm) nicht.

Erst der Sän­ger und spä­te­re Pro­du­zent G. G. An­der­son, der da­mals bei der Schall­plat­ten­fir­ma Han­sa un­ter Ver­trag stand, er­kann­te das Po­ten­zi­al. Und er wuss­te so­fort: „Das ist was für die bei­den Di­cken aus mei­ner Band.“Al­so frag­te er bei sei­nen zwei Mit­glie­dern nach, ob die das Lied sin­gen woll­ten. Der Rest ist Ge­schich­te:

Bei den bei­den „Di­cken“han­del­te es sich näm­lich um Gliem und Schwalm, die zu die­sem Zeit­punkt schon jah­re­lang für An­der­sons Kult­band „Die Cu­ro­cas“ge­sun­gen hat­ten. Kurz nach dem Er­schei­nen ih­res ers­ten gleich­na­mi­gen Al­bums En­de April 1990 ab­sol­vier­ten die hes­si­schen Pfunds­ker­le ih­ren ers­ten ge­mein­sa­men Auf­tritt in „Su­sis Ca­fé“in Schwalm­stadt-Trey­sa. Der Auf­tritt fand am Nach­mit­tag statt, es gab nur ei­ne knap­pe St­un­de Spiel- zeit und nach dem Auf­tritt gönn­ten sich die Künst­ler le­dig­lich ei­ne Tas­se Kaf­fee. Da­nach ging es wie­der nach Hau­se. Um ein Haar wä­ren die pfun­di­gen Schunk­ler bei ih­rer Pre­mie­re üb­ri­gens auf Wunsch ih­rer Plat­ten­fir­ma in baye­ri­scher Tracht auf­ge­tre­ten. Zum Glück konn­ten sie die Ver­ant­wort­li­chen da­von über­zeu­gen, den re­gio­na­len Be­zug mehr zu be­to­nen. Und da mach­te die Sch­wäl­mer Tracht schon al­lein we­gen ih­rer un­über­seh­ba­ren ro­ten Wes­te viel her. „Wer uns so be­wusst wahr­ge­nom­men hat, konn­te uns nicht ver­ges­sen. Der Hut ist der Gip­fel von al­lem“, er­zähl­te Wil­fried Gliem spä­ter in ei­nem In­ter­view. Nach dem ers­ten eher un­spek­ta­ku­lä­ren Auf­tritt folg­ten tur­bu­len­te und ex­trem stra­pa­ziö­se Jah­re für die Pro­fi-Mu­si­ker mit bis zu 370 Auf­trit­ten im Jahr. In­zwi­schen ha­ben sie un­zäh­li­ge Al­ben ver­öf­fent­licht, 2015 ihr 25-Jahr-Ju­bi­lä­um ge­fei­ert und so­gar in zwei Ki­no­fil­men mit­ge­spielt. Zum Glück sind die „Wil­de­cker Herz­bu­ben“aber trotz al­ler schwin­del­er­re­gen­den Er­fol­ge im­mer bo­den­stän­dig ge­blie­ben – und das lag nicht nur an ih­ren gut und ger­ne 300 Ki­lo Ge­samt­kör­per­ge­wicht. Zi­tat Wil­fried Gliem: „Wolf­gang und ich freu­en uns na­tür­lich, dass wir be­rühmt und er­folg­reich ge­wor­den sind mit schö­nen Ne­ben­ef­fek­ten. Es gab aber nie ei­nen Grund ab­zu­he­ben.“

TRUCK STOP

Wolf­gang Schwalm und Wil­fried Gliem: 16 Al­ben und Mil­lio­nen von Fans – nicht nur in Deutsch­land

Wer wird Mil­lio­när? 2011 ge­wan­nen sie 125.000 Eu­ro bei Gün­ther Jauch.

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