.........ÜBER HÖ­HEN UND TIE­FEN

GIL­BERT

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Sein Mot­to lau­tet „Der Weg ist das Ziel“. Gil­bert Sou­kopf hat ge­lernt, dass sich das Le­ben nicht pla­nen lässt. Al­les ist im Fluss. Man muss es eben neh­men, wie es kommt. Der staat­lich ge­prüf­te Snow­board­leh­rer, Ski- und Berg­füh­rer kennt die Tä­ler und die Hö­hen. Sein rei­cher Er­fah­rungs­schatz kommt auch in sei­nen Lie­dern zum Ein­satz und in­spi­riert ihn im­mer wie­der zu neu­en

mu­si­ka­li­schen Ein­fäl­len. Auf­ge­wach­sen ist der Mu­si­kant und Na­tur­bur­sche im schö­nen Ötz­tal.

Sei­ne El­tern er­kann­ten schon früh das künst­le­ri­sche Ta­lent ih­res Soh­nes und för­der­ten ihn nach Kräf­ten. „Weil ich im Zeug­nis nach Ab­schluss der ers­ten Klas­se mit lau­ter Ein­sern nach Hau­se kam, über­rasch­te mich mein Va­ter zur Be­loh­nung mit ei­ner klei­nen ge­brauch­ten Knopf­or­gel“, er­in­nert sich Gil­bert an sein ers­tes In­stru­ment. Schon mit acht Jah­ren ab­sol­vier­te er sei­nen ers­ten Büh­nen­auf­tritt. Ge­mein­sam mit sei­nem Freund Ge­or­ge be­glei­te­te er spä­ter sei­ne Mut­ter Pau­la, die ins­ge­samt vier­zig Jah­re lang mit ih­rer Part­ne­rin El­frie­de als „Duo Hei­mat­land“im gan­zen Tal bei Ti­ro­le­ra­ben­den in Ho­tels auf­trat. Be­reits da­mals fass­te Gil­bert den Ent­schluss, Pro­fi-Mu­si­ker zu wer­den.

Als Teil des Schla­ger­du­os „Gil­bert & Ge­or­ge“war er in den 80er Jah­ren mit Co­ver-Ver­sio­nen be­kann­ter Rock-Hits eu­ro­pa­weit un­ter­wegs. Sei­ner Fa­mi­lie zu­lie­be pau­sier­te der Ti­ro­ler al­ler­dings dann meh­re­re Jah­re. So ganz ließ ihn sein Traum, mit der ei­ge­nen Mu­sik be­kannt und er­folg­reich zu wer­den, aber nicht los. In den 90er Jah­ren kehr­te Gil­bert des­halb in das Mu­sik­ge­schäft zu­rück und schrieb zu­nächst Ti­tel für an­de­re In­ter­pre­ten. Ur­sprüng­lich nur für sei­nen Sohn Ben­ja­min ge­tex­tet und auf­ge­nom­men, fand schließ­lich über Um­we­ge das Lied „Du mein klei­ner Freund“den Weg in die Rund­funk­sta­tio­nen – und brach­te den St­ein von Gil­berts So­lo­kar­rie­re ins Rol­len. „Ich woll­te mit die­sem Lied mei­nem Bu­ben ein paar mei­ner Er­fah­run­gen mit auf den Weg ge­ben.

Vor al­lem, dass das Le­ben nicht im­mer nur hap­py-pep­py ist und manch­mal auch et­was schief­ge­hen kann. Ich woll­te ihm mit dem Lied aber auch Kraft ge­ben und ihm sa­gen: ,Egal was pas­siert, ich bin im­mer für dich da‘.“

Von da­mals bis heu­te sind 20 Jah­re ver­gan­gen. Gil­bert zählt in­zwi­schen zu den meist­ge­spiel­ten So­lo­künst­lern Ös­ter­reichs. Ge­blie­ben von da­mals ist die star­ke Be­zie­hung zu sei­nem Sohn. „Ben­ja­min ist das Bes­te, was mir in mei­nem Le­ben pas­siert ist“, sagt Gil­bert heu­te. Aber ge­ra­de das für Ben kom­po­nier­te Lied war es, wes­halb er da­mals viel un­ter­wegs und oft nicht zu Hau­se war. „Mein Jun­ge lebt heu­te mit sei­ner Frau und mei­nem En­kel – wie­der ein klei­ner Freund – in Wi­en. Die Zeit, die wir heu­te mit­ein­an­der ver­brin­gen, ist sehr ge­halt­voll und sehr in­ten­siv. Ei­ne gro­ße Hil­fe kann ich ihm jetzt lei­der nicht mehr sein. Aber er weiß, er kann im­mer auf mich zäh­len.“

Vor knapp fünf Jah­ren muss­te Gil­bert aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den ei­ne län­ge­re Pau­se ein­le­gen – nach ei­nem Ze­cken­biss wur­de bei dem be­geis­ter­ten Berg­sport­ler Bor­re­lio­se dia­gnos­ti­ziert.

Ein Jahr lang kämpf­te der 57-Jäh­ri­ge ge­gen die­se Krank­heit. „Die­se Zeit hat mich sehr ge­prägt. Das Un­an­ge­neh­me ist, dass im­mer wie­der ein Rück­fall kom­men kann. Auch heu­er wie­der hat­te ich drei

Mo­na­te lang so star­ke Schmer­zen in den Ge­len­ken, dass ich kaum ge­hen konn­te“, so Gil­bert ge­gen­über der STADLPOST. Es sei sehr be­las­tend, wenn man so lan­ge Zeit un­ter Schmer­zen le­ben müs­se. Da­mit ver­än­de­re sich auch das Be­wusst­sein:

„Es re­la­ti­viert sich so vie­les im Le­ben, weil du merkst, wie schnell al­les vor­bei sein kann, wenn die Ge­sund­heit nicht mehr mit­spielt.“Die An­zahl der Auf­trit­te pro Jahr hat er des­halb re­du­ziert und bit­tet sei­ne Fans um Nach­sicht. An­de­rer­seits hat es für Gil­bert ei­nen noch hö­he­ren Stel­len­wert als frü­her be­kom­men, an­de­ren Men­schen mit sei­ner Mu­sik Freu­de zu schen­ken, die in ei­ner ähn­lich be­las­ten­den Si­tua­ti­on sind. Spe­zi­ell ih­nen will er mit sei­nen Lie­dern Ener­gie und Trost schen­ken. „Ist mal das Schlimms­te über­wun­den, sieht man die Welt mit an­de­ren Au­gen. Das ha­be ich nach mei­ner Er­kran­kung selbst auch fest­stel­len kön­nen. Man be­kommt ei­ne ganz an­de­re Wahr­neh­mung durch ei­nen sol­chen Schick­sals­schlag. Als ich da­mals zum ers­ten Mal nach lan­ger Zeit wie­der ei­nen län­ge­ren Spa­zier­gang ma­chen konn­te, hat al­les so viel in­ten­si­ver ge­wirkt, die Far­ben, die Ge­rü­che – ein­fach al­les.“ Auch für sei­ne größ­te Lei­den­schaft – das Berg­stei­gen – muss­te er schon ein­mal fast mit sei­nem Le­ben be­zah­len. An­fang der 90er Jah­re über­leb­te er ei­nen Ab­sturz beim Ab­sei­len nur knapp. „Da­bei brach ich mir die Wir­bel­säu­le und bei­de Bei­ne. Den­noch hat­te ich gro­ßes Glück, dass ich das über­leb­te ha­be und mich von die­sen schwe­ren Ver­let­zun­gen auch wie­der so gut er­ho­len konn­te. Heu­te ge­he ich aber nicht mehr mit die­sem Ehr­geiz in die Ber­ge. Ich le­ge mir heu­te die Lat­te sel­ber nur noch so hoch, dass ich un­ten be­quem durch­spa­zie­ren kann“, sagt Gil­bert lä­chelnd.

Er sei um­sich­ti­ger ge­wor­den, sagt er von sich selbst. „Mein Le­ben hat mich im­mer wie­der et­was her­un­ter­ge­bremst. Lei­der war dies im­mer auch mit Schmer­zen ver­bun­den, aber im­mer auch mit ein biss­chen mehr Er­kennt­nis“. Sein Blick­win­kel hat sich ver­än­dert: „Heu­te muss ich nicht mehr al­les um je­den Preis er­rei­chen.“

In die­sen Ta­gen er­scheint Gil­berts 14. Stu­dio­al­bum „Tau­send Ra­ke­ten“: Zwölf neue Songs mit ehr­li­chem und stark au­to­bio­gra­phi­schem In­halt. Pro­du­ziert wur­de die­ses wie­der vom Schwei­zer Pro­du­zen­ten Da­vid Bran­des (49), mit dem Gil­bert in­zwi­schen ei­ne tie­fe Freund­schaft ver­bin­det. Die Tex­te und Kom­po­si­tio­nen sind un­ter an­de­rem in der wild­ro­man­ti­schen Na­tur des Ötz­tals ent­stan­den. „Ich ha­be mir wie­der Din­ge von der See­le ge­schrie­ben, die mir im Mo­ment wich­tig sind – The­men über Hö­hen und Tie­fen. Ein Künst­ler wie ich darf nicht nur ei­ne Wel­le rei­ten. Wenn du das Ge­fühl von ganz oben mit­neh­men willst, muss es dich auch ab und zu ein­mal hin­un­ter­hau­en. Das ge­hört da­zu, das Hoch­ge­fühl, aber auch die Nie­der­la­gen … ein Plus und ein Mi­nus ge­hö­ren zu­sam­men – das macht ja auch das Le­ben aus. Das ist nicht im­mer ganz ein­fach, aber das ist die Rea­li­tät.“Wei­se Wor­te! Üb­ri­gens: Wer Gil­bert li­ve er­le­ben möch­te, hat am 16. und 17. Ju­ni in Imst (Ti­rol) Ge­le­gen­heit da­zu.

GIL­BERT

Bei ei­ner Klet­ter­tour stürz­te der Sän­ger in die Tie­fe und wur­de

schwer ver­letzt.

„Das Bes­te, was mir je pas­siert ist“: Gil­bert mit Sohn Ben­ja­min

Nach meh­re­ren Schick­sals­schlä­gen hat der Künst­ler wie­der zu sich ge­fun­den.

CD-TIPP!

Ein­fühl­sam, ehr­lich und sehr be­rüh­rend: An­fang Ju­ni er­scheint das neue Al­bum „Tau­send Ra­ke­ten“.

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