.........LEBENSBEICHTE

GUN­TER GA­B­RI­EL

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Mit „Hey Boss, ich brauch mehr Geld“wur­de der West­fa­le 1974 be­kannt. Der Ti­tel be­inhal­te­te qua­si sein Le­bens­pro­gramm. Denn mit den Fi­nan­zen war das bei ihm wie in ei­ner Ach­ter­bahn.

Mal al­les, mal nichts. Wie ge­won­nen, so zer­ron­nen. Um Geld zu ver­die­nen, schmiss Ga­b­ri­el fast noch als Kind die Schu­le. Spä­ter, als sei­ne Lie­der in der Hit­pa­ra­de rauf und run­ter ge­spielt wur­den, hat­te er so viel da­von, dass er so­gar sei­nen ers­ten Ja­gu­ar in bar be­zah­len konn­te. „Ich ha­be dem Au­to­ver­käu­fer ein­fach ei­ne Plas­tik­tü­te vol­ler Ein­tritts­geld auf den Tisch ge­stellt. Da­mals dach­te ich, ich wä­re durch die vie­le Kne­te frei, weil ich tun und las­sen konn­te, was ich woll­te. Doch es war ei­ne ver­lo­ge­ne Frei­heit“, er­zählt Ga­b­ri­el im ex­klu­si­ven In­ter­view mit der STADLPOST.

Der Sän­ger mach­te sich auch als Kom­po­nist, Tex­ter, Pro­du­zent, Syn­chron­spre­cher und Fern­seh­mo­de­ra­tor ei­nen Na­men. Doch auf die ers­ten Er­fol­ge folg­ten schon bald schwie­ri­ge Jah­re. Durch „doo­fe Be­ra­ter und blin­des Ver­trau­en“ver­lor er, wie er sel­ber sagt, ein Ver­mö­gen. Die Fol­ge: Er zog aus sei­nem Haus und leb­te fort­an auf der Stra­ße. Sein neu­es Zu­hau­se: ein Wohn­mo­bil! Um die Schul­den be­glei­chen zu kön­nen, gab Ga­b­ri­el spä­ter so­gar Wohn­zim­mer­kon­zer­te in Deutsch­land und Ös­ter­reich. Für 1.000 Eu­ro Ho­no­rar. Als Nie­der­la­ge emp­fin­det der Künst­ler die­se Ent­wick­lung bis heu­te nicht. Zu Recht, denn er wur­de gut ge­bucht: „Vie­le Leu­te ha­ben ge­sagt, da hast du doch am Bo­den ge­le­gen. Aber ich ha­be nicht am Bo­den ge­le­gen – nein! Ich ha­be Geld ver­lo­ren, ja, aber mein Kopf funk­tio­nier­te

Er ver­dien­te mit sei­nen Songs von trot­zi­gen Ver­lie­rern und mu­ti­gen All­tags­hel­den Mil­lio­nen, dann kam der Ab­sturz. Schei­dun­gen, Schul­den und je­de Men­ge Är­ger. Heu­te – mit 75 Jah­ren – ge­nießt Gun­ter Ga­b­ri­el die Frei­heit, die er sich trotz ei­nes ei­gen­wil­li­gen Le­bens im­mer wie­der er­kämpft hat.

und ich ha­be im­mer Mu­sik ge­macht. Da fing ei­gent­lich die wah­re Frei­heit an. Ich muss­te vor nie­man­dem ei­ne Re­chen­schaft ab­le­gen – kei­ner Plat­ten­fir­ma, kei­nem Ma­na­ger ge­gen­über. Ich konn­te wirk­lich ma­chen, was ich woll­te.“

Vie­les im Le­ben ist ten­den­zi­ell vor­ge­ge­ben, meint Ga­b­ri­el: „Ich bin ja ein sehr spi­ri­tu­el­ler Mensch und glau­be auch an die Kon­stel­la­ti­on der Ster­ne. Ich zum Bei­spiel bin ein Zwil­lings­mann, im As­zen­dent Skor­pi­on – das heißt: uni­ver­sell in­ter­es­siert und very, very dan­ge­rous! Aber die­se Kom­bi­na­ti­on funk­tio­niert! Ich ge­be ein­fach nie auf.“Schul­den hat er in­zwi­schen kei­ne. An­ste­hen­de Fäl­lig­kei­ten nennt Ga­b­ri­el „of­fe­ne Rech­nun­gen“, weil er sie be­zah­len wird – frü­her oder spä­ter.

Aber nicht nur mit dem lie­ben Geld hat Gun­ter Cas­pel­herr – sei­nen Künst­ler­na­men „Ga­b­ri­el“lei­te­te er vom Na­men sei­ner ers­ten Ehe­frau Ga­b­rie­le ab – so sei­ne Schwie­rig­kei­ten. Die Sa­che mit den Da­men klapp­te auf lan­ge Sicht bei ihm lei­der nie. Nach vier ge­schei­ter­ten Ehen weiß Ga­b­ri­el in­zwi­schen, dass er ein­fach kein Fa­mi­li­en­mensch ist. „Ich ha­be al­le Frau­en im­mer aus Lie­be ge­hei­ra­tet, um ein bür­ger­li­ches Le­ben füh­ren zu kön­nen. Da­nach hat­te ich im­mer Sehn­sucht. War­um? Weil ich sel­ber kei­ne Fa­mi­lie hat­te. Mei­ne Mut­ter hat sich auf­ge­hängt, da war ich drei Jah­re alt. Mein Va­ter kam aus dem Krieg als Mör­der zu­rück. Der schlug mich je­den Tag win­del­weich. Mit 14 setz­te er mich vor die Tür. Ich ha­be al­so kei­ne Fa­mi­lie ge­habt. Des­halb wuss­te ich spä­ter auch nicht, wie das geht. Hop­pe, hop­pe rei­ter – das schon. Aber wie man treu oder zärt­lich ist, das wuss­te ich nicht. Heu­te wüss­te ich’s. Aber ich will ja gar nicht mehr hei­ra­ten, das lohnt sich nicht mehr“, sagt Ga­b­ri­el.

Gun­ter lebt jetzt auf ei­nem Haus­boot im Ham­bur­ger Ha­fen und hat im Grun­de das ge­fun­den, wo­nach er sich im­mer ge­sehnt hat: Frei­heit! „Ge­ra­de war wie­der ein Fern­seh­team bei mir und die konn­ten das gar nicht fas­sen, dass ich so le­be. Ich le­be nicht im Protz, aber ich hab das Wich­tigs­te, was sie al­le nicht ha­ben: Ich bin frei. Ich woh­ne auf ei­nem Boot. Ich kann so­gar über die Re­ling schif­fen, wenn ich will … ich le­be frei! Und das ist das Wich­tigs­te, die Frei­heit ist das Ent­schei­den­de.“

Am 11. Ju­ni fei­ert der Er­folgs­kom­po­nist, der nicht nur für Rex Gil­do, Wencke Myh­re oder Ju­lia­ne Wer­ding, son­dern auch für die Zil­ler­ta­ler Schür­zen­jä­ger Hits schrieb, sei­nen 75. Ge­burts­tag. Mit dem Äl­ter­wer­den hat er prin­zi­pi­ell kei­ne Pro­ble­me. „Ich ha­be heu­te mor­gen nach dem Du­schen in den Spie­gel ge­schaut. Geil, sag’ ich, ein­fach geil. Die Haa­re müss­te ich viel­leicht ein biss­chen ein­fär­ben, aber an­sons­ten geil!“Nach so vie­len be­weg­ten Jah­ren noch so le­bens­froh zu sein, sei ein Wun­der, scherzt er. Nur alt darf ihn nie­mand nen­nen – nicht mal sei­ne En­kel, die ihn ab und zu auf dem Haus­boot be­su­chen kom­men. „Wer Opa zu mir sagt, fängt ei­ne. Ich hei­ße Gun­ni und fer­tig!“

An­läss­lich des 85. Ge­burts­tags von Coun­try-Le­gen­de John­ny Cash ver­öf­fent­lich­te Gun­ter Ga­b­ri­el im April die­ses Jah­res das Al­bum „LickLab Akus­tik Ses­si­on“. Ge­mein­sam mit dem dä­ni­schen Mu­sik­pro­du­zen­ten Nils Tu­xen hat er Songs der US-Iko­ne mi­ni­ma­lis­tisch in­stru­men­tiert. Die Tex­te singt Ga­b­ri­el mit sei­ner rau­en Stim­me auf Deutsch – ein Hoch­ge­nuss für al­le Coun­try-Fans und Freun­de wer­ti­ger Mu­sik. Da­mit hat sich Gun­ter Ga­b­ri­el wohl auch sel­ber ein klei­nes Ge­burts­tags­ge­schenk ge­macht. Im­mer­hin wa­ren es auch die­se Songs, die ihn als Ju­gend­li­chen da­zu mo­ti­viert ha­ben, sel­ber Mu­sik zu ma­chen.

„Mei­nen bes­ten Song ha­be ich aber noch nicht ge­schrie­ben. Der kommt noch“, ver­spricht Ga­b­ri­el. „Ich ma­che Mu­sik bis ich tot bin. Ich wer­de wei­ter für Kran­ke und Ar­me sin­gen, die nicht ge­nug Geld ver­die­nen. Für die, die kein Zu­hau­se ha­ben. Für die, die in Ge­fäng­nis­sen sit­zen. Das ist in mir drin, durch mei­nen ei­ge­nen Mist.“Und auch sei­ne be­lieb­ten Wohn­zim­mer­kon­zer­te will er wei­ter­ma­chen: „Wer mich ein­lädt, kann nicht ganz doof sein. Die Dau­men­lut­scher la­den mich nicht ein, die wol­len lie­ber He­le­ne Fi­scher. Aber die an­de­ren, die ha­ben ir­gend­was an mir ge­fres­sen – die Ehr­lich­keit viel­leicht, oder die Au­then­ti­zi­tät. Et­was, was sie auch in mei­nen Lie­dern wie­der­fin­den: Die Wahr­heit über das Le­ben. Und das ist auch sehr be­glü­ckend, dass du zu die­sen Leu­ten nach Hau­se kom­men darfst. Da ha­be ich ganz tol­le Sa­chen er­lebt. Ich ha­be es nicht für mög­lich ge­hal­ten, dass das so glück­se­lig macht. Für die Leu­te und für mich auch.“

Manch­mal un­be­quem, manch­mal un­be­herrscht – aber im­mer ehr­lich!

Seit vie­len Jah­ren wohnt der Sän­ger auf ei­nem Haus­boot. Der Künst­ler kon­zen­triert bei Auf­nah­men zu sei­nem

ak­tu­el­len Al­bum.

Gun­ter ist ein Mann des Vol­kes.

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