Ich bin wahn­sin­nig dank­bar

Chris­ti­ne H. aus Wi­en sitzt glück­lich in­mit­ten ih­rer Fa­mi­lie. Die­se ex­klu­si­ve Zeit mit­ein­an­der, die Ge­sprä­che mit ih­ren En­keln und das ge­mein­sa­me Mu­si­zie­ren sind für sie wert­voll und be­son­ders. Denn sie wä­re ge­hör­los, gä­be es nicht die mo­der­ne Me­di­zin­tech

Stadlpost - - Starg’schicht -

Fort­schritt­li­che Hör­im­plan­ta­te ha­ben Tö­ne und Spra­che zu­rück in ihr Le­ben ge­bracht. „Da­für bin ich wahn­sin­nig dank­bar“, lacht sie. Als Chris­ti­ne ge­ra­de 40 Jah­re alt war, be­gann ih­re Schwer­hö­rig­keit. „Ich war mit mei­nem Mann im Gar­ten und konn­te die Kir­chen­glo­cken nicht mehr hö­ren“, er­in­nert sie sich. „Da wuss­te ich, dass et­was nicht stimmt.“Ih­re Le­bens­qua­li­tät sank, der Lei­dens­druck stieg: „Wer schlecht hört, zieht sich zu­rück“, sagt sie. Chris­ti­nes Hör­ver­lust schritt schnell vor­an und die Si­tua­ti­on für die Volks­schul­leh­re­rin wur­de im­mer schwie­ri­ger.

Ei­nes Ta­ges stand sie vor ih­rer Klas­se und hör­te nichts mehr. „Es war wie ei­ne Glas­wand. Al­les war weg.“Die HNO-Spe­zia­lis­ten am AKH Wi­en dia­gnos­ti­zier­ten ei­nen Hör­sturz und emp­fah­len Chris­ti­ne ein so­ge­nann­tes Coch­le­aim­plan­tat

(CI). „Ein sol­ches Hör­im­plan­tat ist ei­ne Lö­sung für vie­le Men­schen, bei de­nen Hör­ge­rä­te nicht mehr hel­fen“, sagt

HNO- Chir­urg Univ.-Prof. Dr. Wolf-Die­ter Baum­gart­ner.

Ak­tu­ell ist ein CI Sys­tem die ein­zi­ge me­di­zi­ni­sche Lö­sung, mit der der Hör­sinn wie­der her­ge­stellt wer­den kann. Es be­steht aus dem hin­ter dem Ohr ge­tra­ge­nen Au­dio­pro­zes­sor und dem CI, das bei ei­nem chir­ur­gi­schen Ein­griff di­rekt un­ter der Haut plat­ziert wird. Die Haar­zel­len in der Hör­schne­cke, der Coch­lea, wer­den da­bei durch ei­ne Elek­tro­de di­rekt sti­mu­liert. „Die Ope­ra­ti­on ist in­zwi­schen Rou­ti­ne, dau­ert nicht lan­ge und kann bei Pa­ti­en­ten je­den Al­ters durch­ge­führt wer­den“, so Baum­gart­ner wei­ter. Nur we­ni­ge Mo­na­te nach dem Hör­sturz un­ter­rich­te­te Chris­ti­ne wie­der: „Das ers­te CI war phä­no­me­nal!“So ließ sie sich nach ih­rer Pen­sio­nie­rung auch auf dem zwei­ten Ohr ope­rie­ren und kann heu­te wie­der Mu­sik hö­ren und so­gar Kla­vier spie­len. „Es ist un­glaub­lich, dass sich das Kla­vier ganz nor­mal an­hört. Nur dass es zur Zeit fürch­ter­lich ver­stimmt ist, hö­re ich lei­der auch sehr gut. Ich hö­re al­les.“

Im­plan­ta­tio­nen wer­den in Ös­ter­reich und Deutsch­land an al­len Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken und den meis­ten Lan­des­kli­ni­ken durch­ge­führt. Die Kos­ten trägt das Ge­sund­heits­sys­tem.

Univ.Prof. Dr. Wolf-Die­ter Baum­gart­ner Welt­weit sind in et­wa 10 Pro­zent der Be­völ­ke­rung von Hör­ver­lust

be­trof­fen.

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