EIN FREUND ER­IN­NERT SICH

ANDREAS FUL­TE­RER (†)

Stadlpost - - Stadl Inhalt -

Ewald Mahl­knecht (56) sitzt mit sei­nem Fo­to­al­bum in der Abend­son­ne am Rat­zes­hof am Fu­ße der Sei­ser Alm. Er schwelgt in Er­in­ne­run­gen. Ein Jahr ist es nun her, dass Andreas Ful­te­rer für im­mer die Au­gen schloss. Wie schnell doch die Zeit ver­geht …

Ewald war ei­ner der engs­ten Weg­ge­fähr­ten von Andreas. Schon als Bu­ben in der Volks­schu­le in Seis ha­ben bei­de ne­ben­ein­an­der die Schul­bank ge­drückt. „Wir wa­ren die bes­ten Freun­de. Ich kann mich noch gut an un­se­ren ge­mein­sa­men Schul­weg er­in­nern. Ha­ben mich äl­te­re Mit­schü­ler ge­hän­selt, war Andreas im­mer gleich zur Stel­le. Ob­wohl er klei­ner und schmäch­ti­ger war als die an­de­ren, hat er sich nie un­ter­krie­gen las­sen und sich im­mer ge­wehrt – so war der Andreas, sein gan­zes Le­ben lang“, er­zählt Ewald.

Die gro­ße Lei­den­schaft der bei­den Freun­de war schon im­mer die Mu­sik. Ge­mein­sam grün­de­ten sie mit den jun­gen Sei­ser Bu­abm ih­re ers­te Mu­sik­grup­pe. Ab dem Mi­li­tär­dienst trenn­ten sich al­ler­dings ih­re We­ge – Ewald wur­de In­stru­men­ten­bau­er, Andreas war bis 1998 Gi­tar­rist bei den Ka­s­tel­ru­ther Spat­zen und spä­ter So­lo­künst­ler. Wir fra­gen Ewald: War Andreas mit sei­nem Le­ben und sei­ner Kar­rie­re zu­frie­den, hat er et­was be­reut? „Was wä­re wenn … Dar­über ha­ben wir uns öf­ters un­ter­hal­ten – auch nach sei­nem Aus­stieg bei den Spat­zen. Andreas hat­te si­cher­lich sei­ne per­sön­li­chen Grün­de, war­um er sich so ent­schie­den hat. Und es war si­cher nicht ein­fach für ihn. Aber er hat die­sen Weg so gut wie mög­lich ge­meis­tert und glaub­te bis zum Schluss an sei­nen gro­ßen Durch­bruch.“

Ei­ne So­lo­kar­rie­re zu star­ten ist nicht leicht. Da sind ganz viel Wil­lens­stär­ke und Ziel­stre­big­keit not­wen­dig. „Was ihm ge­fal­len hat, da war er gut – eben auch in sei­ner Mu­sik. Ein ge­wis­ses Ta­lent ha­ben ja vie­le. Aber Andreas hat­te oben­drein noch ei­nen au­ßer­ge­wöhn­li­chen Wil­len. Das war schon in der Schu­le so. Oder auch beim Sport: zum Bei­spiel beim Ski­fah­ren. Mit sei­nem Mut und sei­ner Ent­schlos­sen­heit hat er al­le an­de­ren ge­putzt“, sagt Ewald. Fügt aber auch hin­zu: „Doch sei­ne ehr­li­che und di­rek­te Art ist auch nicht im­mer und über­all auf Ge­gen­lie­be ge­sto­ßen. Das ver­trägt ein­fach nicht je­der.“

Der plötz­li­che Tod war für al­le ein gro­ßer Schock. „Na­tür­lich ha­ben wir bis zum Schluss ge­hofft, dass er den Kampf ge­gen die Krank­heit doch noch ir­gend­wie ge­win­nen kann. Dem war aber lei­der nicht so“, er­zählt Ewald. Nach der Dia­gno­se Darm­krebs mit Me­ta­sta­sen auf Lun­ge und Leber blie­ben Andreas Ful­te­rer nur noch drei Mo­na­te Zeit zu le­ben. Ewald war ei­ner der letz­ten Freun­de, die ihn in die­ser Zeit noch se­hen konn­ten. „Bei mei­nem letz­ten Be­such zu Hau­se in sei­ner Woh­nung bin ich ehr­lich ge­stan­den schon et­was er­schro­cken, wie schnell sich sein Zu­stand ver­schlech­tert hat. Aber das bringt die­ser Krebs wohl ein­fach mit sich. Ich ha­be ihm ge­sagt, dass wir uns frü­her oder spä­ter wie­der­se­hen wer­den … Ich wer­de die­ses Bil­der nie ver­ges­sen.“ In den letz­ten Ta­gen sei­nes Le­bens hat Andreas Ful­te­rer noch ein­mal sein Schick­sal selbst in die Hand ge­nom­men und plan­te sei­nen Ab­schied. Er be­rei­te­te die Trau­er­fei­er und sei­ne Be­er­di­gung vor, bat sei­ne ehe­ma­li­gen Kol­le­gen von den Ka­s­tel­ru­ther Spat­zen, sei­nen Sarg zu tra­gen, und hin­ter­ließ all sei­nen Fans ei­nen be­rüh­ren­den Ab­schieds­brief. „So war er und ich weiß nicht, ob das ein an­de­rer eben­so könn­te“, sagt Freund Ewald.

Die Trau­er ist bei al­len noch groß – be­son­ders bei sei­ner Fa­mi­lie. „Sei­ne Brü­der ha­ben sich um die Fa­mi­lie ge­küm­mert“, weiß Ewald. Dass sein ei­ge­ner Sohn Flo­ri­an und Andreas‘ Sohn Phil­lip so gut be­freun­det sind, das freut ihn sehr. „Die Freund­schaft zwi­schen Andreas und mir wird jetzt durch un­se­re Söh­ne wei­ter­ge­führt. Das war auch dem Andreas im­mer ein gro­ßes An­lie­gen.“

Ewald schaut noch ein­mal in das Abend­rot und klappt das Buch mit den vie­len Er­in­ne­rungs­stü­cken zu: „Wir wa­ren der glei­che Jahr­gang und im­mer wie­der den­ke ich: Er ist nicht mehr da, und mir geht es ei­gent­lich so gut. Das kann man auch in vie­len Jah­ren gar nicht ver­ste­hen.“

In ei­nem Fo­to­al­bum be­wahrt Ewald Er­in­ne­run­gen an sei­nen ver­stor­be­nen Freund und Kol­le­gen auf

Der Mu­si­ker ruht auf dem Fried­hof von Seis vor der im­po­san­ten Ku­lis­se des Sch­lern. Vie­le Fans pil­gern dort­hin In den frü­hen 80er-Jah­ren spiel­ten Ewald und Andreas ge­mein­sam bei den „jun­gen Sei­ser Bu­abm“: „Er hat sich im­mer in al­les rein­ge­ar­bei­tet – mit Fleiß und Wil­lens­kraft“

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.