ER IST HARMONIESÜCHTIG

HO­WARD CAR­PEN­DA­LE

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Die Büh­ne ist sein Le­bens­eli­xier. Und das ist gut so. Ho­ward Car­pen­da­le ist end­lich wie­der ins Stu­dio ge­gan­gen und hat zur gro­ßen Freu­de sei­ner Fans ein Al­bum der Ex­tra­Klas­se ab­ge­lie­fert. Mit sehr nach­denk­li­chen Tex­ten, traum­haf­ten Me­lo­di­en und er­war­tungs­ge­mäß per­fek­ten Ar­ran­ge­ments. Die STADLPOST sprach mit dem 71-Jäh­ri­gen über die neu­en Lie­der und die Grün­de für so man­chen nach­denk­li­chen Text.

STADLPOST: Lie­ber Ho­ward, der Song „Un­ter ei­nem Him­mel“ist laut Ih­rer Aus­sa­ge ei­ner der schöns­ten Ti­tel, die Sie je ge­sun­gen ha­ben. Was macht den be­son­de­ren Reiz die­ses Lie­des aus? HO­WARD CAR­PEN­DA­LE: Es hat ein­fach al­les, was ein gu­ter Song braucht. Die Me­lo­die ist ein über­ra­schen­der Mix aus Me­lan­cho­lie und Op­ti­mis­mus. „Un­ter ei­nem Him­mel“trifft in mei­nen Au­gen ei­nen Nerv – es ist ein­fach ein ech­ter Ham­mer­Ti­tel!

STADLPOST: In ei­ner Fern­seh­Show von Flo­ri­an Sil­be­rei­sen hat Ih­nen ei­ne Wahr­sa­ge­rin pro­phe­zeit, dass Sie noch ein­mal ei­nen rie­sen­gro­ßen Hit lan­den wer­den. Könn­te „Un­ter ei­nem Him­mel“die­ser Hit sein?

HO­WARD CAR­PEN­DA­LE: Wenn ich ehr­lich bin, Wahr­sa­ge­rin­nen, die die Zu­kunft pro­phe­zei­en, sind nicht so mein Ding. Ich glau­be nicht so dar­an. Trotz­dem darf ich hof­fen, dass sie in die­sem Fall recht hat­te, und bei „Un­ter ei­nem Him­mel“wür­de mir das na­tür­lich sehr gut ge­fal­len, weil ich die­ses Lied ab­so­lut lie­be.

STADLPOST: Bei den Lie­dern „Wir hal­ten die Welt an“und „Im­mer noch da“ist ei­ne ti­cken­de Uhr zu hö­ren – das The­ma Zeit spielt of­fen­bar für Sie ei­ne ganz be­son­de­re Rol­le.

HO­WARD CAR­PEN­DA­LE: Ja, die­se ti­cken­de Uhr, das kann man in­ter­pre­tie­ren, wie man will. Ich fand das ein­fach ei­ne sehr schö­ne An­fangs­idee für die­sen Ti­tel. Da­mit ist aber nicht ge­meint, dass es fünf vor zwölf ist. Aber noch ein­mal: Man kann al­les so für sich in­ter­pre­tie­ren, wie man will, und das ist es ja ge­ra­de, was ich bei die­sem Al­bum so un­ge­mein reiz­voll fin­de.

STADLPOST: Mit „Ich bin im­mer noch da“wer­fen Sie ei­nen Blick zu­rück auf Ih­re Kar­rie­re und zi­tie­ren dort auch ex­pli­zit die ZDF­Hit­pa­ra­de. Fehlt dem Fern­se­hen heu­te ei­ne Show, in der eta­blier­te Künst­ler und Nach­wuchsIn­ter­pre­ten auf­tre­ten kön­nen? HO­WARD CAR­PEN­DA­LE: Nein. Die ZDF­Hit­pa­ra­de war ein sehr er­folg­rei­ches For­mat, aber auch heu­te gibt es Sen­dun­gen, in de­nen eta­blier­te Mu­si­ker und ta­len­tier­te New­co­mer sich auf Au­gen­hö­he be­geg­nen kön­nen.

STADLPOST: Der Ti­tel „Wir hal­ten die Welt an“wirkt sehr nach­denk­lich, ge­ra­de­zu po­li­tisch …

HO­WARD CAR­PEN­DA­LE: Man kann es na­tür­lich po­li­tisch in­ter­pre­tie­ren, ich tue es aber nicht. Ich ha­be schon oft den Wunsch ge­habt – was ja rein hy­po­the­tisch ist –, die Welt an­zu­hal­ten. Aber wie schön wä­re es, wenn wir al­les ein­mal an­hal­ten könn­ten, ei­nen Schritt zu­rück­ge­hen und uns fra­gen, wo ha­ben wir Feh­ler ge­macht? Auch in „Ba­by­lon“spre­che ich eher we­ni­ger po­li­ti­sche The­men an als viel mehr die Art, wie wir mit den Me­di­en le­ben und um­ge­hen. Die Fern­seh­sen­dun­gen, die im Mo­ment po­pu­lär sind, da stel­le ich ein­fach die Fra­ge, ob wir da ir­gend­wann ei­ne Aus­fahrt ge­nom­men ha­ben, die nicht un­be­dingt der rich­ti­ge Weg für uns ist. Ich woll­te mit den Songs un­ser Le­ben und un­ser Han­deln hin­ter­fra­gen.

STADLPOST: Sehr au­ßer­ge­wöhn­lich fin­den wir auch Ih­ren Ti­tel „Nie­mands­land“. Es geht um ver­letz­te Kin­der­see­len. Hat der Song ei­nen bio­gra­fi­schen Hin­ter­grund?

HO­WARD CAR­PEN­DA­LE: „Nie­mands­land“ist in der Tat ein un­ge­wöhn­li­cher Ti­tel auf mei­nem neu­en Al­bum. Es geht dar­in vor al­lem um Fa­mi­lie. Ich glau­be, es gibt sehr vie­le Fa­mi­li­en, in de­nen Kin­der in ei­ner At­mo­sphä­re auf­wach­sen, die ih­nen nicht gut­tut. Mei­ne

El­tern zum Bei­spiel wa­ren toll. Aber sie hat­ten na­tür­lich auch mal Streit. Und die Tat­sa­che, dass es vor­kam, dass sie drei Ta­ge nicht mit­ein­an­der ge­spro­chen ha­ben, hat mich da­mals sehr ge­trof­fen – des­we­gen bin ich wohl heu­te auch ein biss­chen harmoniesüchtig. In ein Nie­mands­land flüch­ten zu kön­nen, ist ein Wunsch, in dem sich vie­le Men­schen wie­der­er­ken­nen kön­nen.

STADLPOST: Ihr ganz per­sön­li­ches Fa­zit zu dem neu­en Werk?

HO­WARD CAR­PEN­DA­LE: Es geht um uns, es geht um das WIR, es geht um die Welt, in der wir le­ben. Es ist und soll kein po­li­ti­sches Al­bum sein! Ich glau­be, es ist ein Al­bum vol­ler Emo­tio­nen. Was mir am meis­ten dar­an ge­fällt, ist, dass man je­den ein­zel­nen Text sehr viel­schich­tig se­hen kann. Er kann für je­den Ein­zel­nen gel­ten, aber auch für al­le.

Es geht um die Lie­be und um

die gan­ze Welt: Auf sei­nem neu­en Al­bum schlägt

der Sän­ger phi­lo­so­phi­sche

Tö­ne an

In den 60er-Jah­ren tour­te der Sän­ger durch eng­li­sche Dis­ko­the­ken und sang spä­ter in Clubs in Nord­deutsch­land

„Will­kom­men bei Car­men

Ne­bel“: In der gro­ßen Sams­tag-Abend-Show

prä­sen­tier­te er sei­nen neu­en Hit

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