Ein­spa­run­gen in der EU

Vorarlberger Nachrichten - - Vorarlberg -

Bun­des­kanz­ler Se­bas­ti­an Kurz will, dass der Ver­lust für das EU-Bud­get, der mit dem Br­ex­it ein­tre­ten wird, nicht von den so­ge­nann­ten Net­to­zah­lern in der EU aus­ge­gli­chen wer­den muss. Er hat völ­lig recht. Schließ­lich ist nicht ein­zu­se­hen, wes­halb die ös­ter­rei­chi­schen Steu­er­zah­ler für die Ent­schei­dung der Bri­ten, nicht mehr in der EU sein zu wol­len, auf­kom­men sol­len.

Au­ßer­dem gibt es, wor­auf Kurz hin­weist, ei­ni­ge Mög­lich­kei­ten, die Aus­ga­ben zu ver­rin­gern. Sein Vor­schlag, die Zahl der Kom­mis­sa­re von 28 auf 18 zu re­du­zie­ren und ein Ro­ta­ti­ons­prin­zip un­ter den Mit­glied­staa­ten ein­zu­füh­ren, ist ver­nünf­tig, auch wenn die­se Ein­spa­run­gen ins­ge­samt nicht son­der­lich ins Ge­wicht fal­len. Aber die Re­duk­ti­on wür­de auch da­zu füh­ren, dass die Zahl der „Mi­nis­te­ri­en“auf der EU-Ebe­ne ver­rin­gert wür­de und die Auf­ga­ben we­ni­ger zer­split­tert wä­ren. Viel mehr Geld könn­te ge­spart wer­den, wenn das EU-Par­la­ment ei­nen sei­ner bei­den Sit­ze (Brüssel oder Straß­burg) auf­gä­be. Ein aus­schließ­lich in Straß­burg, al­so nicht am Sitz der EU-Re­gie­rung, ta­gen­des Par­la­ment wä­re ein wich­ti­ges Si­gnal. Es ist al­ler­dings be­zeich­nend für das ge­rin­ge Kos­ten­be­wusst­sein des Par­la­ments, dass nicht ein­mal auf al­le durch den Br­ex­it frei wer­den­den Sit­ze im Par­la­ment ver­zich­tet wird, son­dern ins­ge­samt 27 vor­mals bri­ti­sche Man­da­te auf die Mit­glied­staa­ten ver­teilt wer­den. Auch Ös­ter­reich er­hält auf die­se Wei­se ei­nen zu­sätz­li­chen Ab­ge­ord­ne­ten.

Bis­her noch nicht dis­ku­tiert wur­de über die EU-Be­am­ten, die nicht nur viel hö­he­re Ge­häl­ter (ei­nen Teil da­von steu­er­frei) und Pen­sio­nen ge­nie­ßen als ih­re Kol­le­gen in den Mit­glied­staa­ten, son­dern auch im Durch­schnitt deut­lich vor dem 60. Le­bens­jahr in den Ru­he­stand tre­ten. Be­denkt man, dass die Kom­mis­si­on der­zeit et­wa 50.000 Be­diens­te­te auf­weist, er­gibt sich be­trächt­li­ches Spar­po­ten­zi­al.

Ger­ne wei­sen so­ge­nann­te be­geis­ter­te Eu­ro­pä­er dar­auf hin, dass die Stadt Wi­en weit­aus mehr Be­diens­te­te hat als die ge­sam­te EU-Kom­mis­si­on, wo­mit der Ein­druck er­weckt wer­den soll, als ver­wal­te Brüssel be­son­ders spar­sam. Das ist na­tür­lich Un­sinn. Man kann nicht hoch­ran­gi­ge Be­am­te, de­ren Funk­ti­on in ers­ter Li­nie dar­in be­steht, Ge­set­ze aus­zu­ar­bei­ten, mit ei­ner Ge­mein­de­ver­wal­tung ver­glei­chen, die Kin­der­gär­ten und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen zur Ver­fü­gung stel­len muss, Was­ser­ver­sor­gung und Müll­ent­sor­gung ga­ran­tiert und über­dies auch noch die von der EU er­las­se­nen Rechts­vor­schrif­ten zu voll­zie­hen hat.

„Auch Ös­ter­reich er­hält auf die­se Wei­se ei­nen zu­sätz­li­chen Ab­ge­ord­ne­ten.“

Wer die Mög­lich­kei­ten von Ein­spa­run­gen im Be­trieb der EU leug­net oder igno­riert, darf sich nicht über das oft un­dif­fe­ren­zier­te, viel­be­klag­te EU-Ba­shing wun­dern.

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