An­na­pur­na-süd­wand: ei­ne fest­li­che Hom­mage

Auf die höchs­ten Gip­fel der Er­de im Al­pin­stil klet­tern, ist das Necp­lus­ul­tra in Sa­chen Al­pi­nis­mus: Der schöns­te, reins­te, aber auch ge­fähr­lichs­te Stil … Aber in ei­ner Ge­sell­schaft, in wel­cher man von „so­zi­al ak­zep­ta­blen Ri­si­ken” spricht, ist ein sol­ches E

Vertical (German) - - EURONEWS - Text Da­mi­en To­ma­si.

Im Al­pin­stil auf die höchs­ten Gip­fel der Er­de zu klet­tern gilt als Non­plus­ul­tra des Al­pi­nis­mus: Der schöns­te und sau­bers­te Stil, aber auch der ge­fähr­lichs­te. In ei­ner Ge­sell­schaft, die von so­zi­al ver­tret­ba­rem Ri­si­ko spricht, ist ein sol­cher Ein­satz nur schwer ver­ständ­lich.Ver­langt wird eher nach vor­sich­ti­gen und ver­nünf­ti­gen Hel­den, die Groß­ta­ten voll­brin­gen, aber da­bei kei­ne Ri­si­ken ein­ge­hen. Sté­pha­ne ist von der An­na­pur­na mit schwe­ren Er­frie­run­gen zu­rück­ge­kehrt. Nach ei­nem Ab­stieg am Li­mit, der Ret­tung ver­lor „Le Mait­re“, wie ihn ei­ne gan­ze Ge­ne­ra­ti­on Berg­stei­ger nennt, die er im Rah­men der „équi­pes jeu­nes“aus­ge­bil­det hat, al­le Ze­hen und je ein Glied an al­len Fin­gern der rech­ten Hand. Am 14. Fe­bru­ar 2014 ha­ben die As­so­cia­ti­on Re­tour à la mon­ta­gne und die Com­pa­gnie des gui­des de Cha­mo­nix in Cha­mo­nix ei­nen ka­ri­ta­ti­ven Abend ver­an­stal­tet, um Sté­pha­ne zu un­ter­stüt­zen. In ers­ter Li­nie hat die Ver­an­stal­tung das Ziel, Geld zu sam­meln. Doch auf Grund der spon­ta­nen So­li­da­ri­tät, die sich ein­stell­te, ent­stand da­bei die Idee, dem Pu­bli­kum die Ta­ten, Er­fah­run­gen und die Ge­schich­te der drei Ak­teu­re der An­na­pur­na im Herbst 2013 nä­her zu brin­gen. Ziel war es, Berg­stei­ger zu­sam­men­zu­brin­gen, die sich im Al­pin­stil an der An­na­pur­na-Süd­wand ver­sucht oder die­se ge­meis­tert hat­ten. Zahl­rei­che Ak­teu­re mel­de­ten sich oh­ne zu zö­gern: En­ric Lu­cas, ei­ner der bei­den Ka­ta­la­nen, de­nen 1984 die ers­te Be­ge­hung der Süd­wand im Al­pin­stil ge­lang, Re­né Ghi­li­ni, der mit Alex McIn­ty­re 1982 ei­nen ers­ten Ver­such un­ter­nahm, Chris­to­phe Pro­fit (stell­ver­tre­tend für Pier­re Bég­hin, mit dem er 1991 die Nord­west­wand des K2 im Al­pin­stil be­zwang, ein Jahr be­vor die­ser an der An­na­pur­na ums Le­ben kam), Ue­li Steck,Yan­nick Gra­zia­ni und na­tür­lich Sté­pha­ne Benoist. Der Abend war ein­zig­ar­tig, viel­leicht die schöns­te Berg­ver­an­stal­tung seit lan­gem: ab­wechs­lungs­reich, lus­tig, aber nicht oh­ne Emo­tio­nen … Re­né Ghi­li­ni be­rich­te­te vom Tod Alex McIn­ty­res, Chris­to­phe Pro­fit er­zähl­te von sei­nen prä­gen­den Er­leb­nis­sen am K2 zu­sam­men mit Pier­re Bég­hin, En­ric Lu­cas steu­er­te viel Hu­mor bei, wäh­rend Ue­li Steck mit sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Leis­tung ein neu­es Ka­pi­tel der Al­pin­ge­schich­te auf­schlug. Und letzt­lich war da na­tür­lich die Ge­schich­te ei­ner fest ver­schweiß­ten Seil­schaft: die Be­ge­hung von Yan­nick und Sté­pha­ne. Sel­ten ha­ben Berg­stei­ger so viel von ih­ren Ge­füh­len dort oben preis­ge­ge­ben, im Land „des ra­ren Sau­er­stoffs“, wie Pier­re Bég­hin die Gip­fel nann­te, wo das Ri­si­ko stän­dig prä­sent ist. Die­se Welt ist nicht für den Men­schen ge­macht. Er kann nur kur­ze Ab­ste­cher dort­hin un­ter­neh­men, die ihn aber für im­mer prä­gen. Die Ak­teu­re und ih­re Ge­schich­ten zo­gen das Pu­bli­kum an die­sem Abend je­den­falls in ih­ren Bann. Die Au­ra der An­na­pur­na war für ei­nen Mo­ment greif­bar, und je­der, der da­bei war, wird die­sen Au­gen­blick in Er­in­ne­rung be­hal­ten. 600 Be­su­cher ka­men, um die le­gen­dä­ren Al­pi­nis­ten zu tref­fen und ih­re ganz per­sön­li­chen Ein­drü­cke der An­na­pur­na zu tei­len. Berg­stei­ger, die, gleich ob sie Er­folg hat­ten oder nicht, je­des Ri­si­ko in Kauf nah­men und mit vol­lem Ein­satz ihr Ziel ver­folg­ten. Ob es das wert ist? Die­se Fra­ge muss je­der für sich selbst be­ant­wor­ten.

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