Mei­len­stein der Hi­ma­la­ya-ge­schich­te: die Erst­be­ge­hung der Süd­wand

1970 nimmt das Ge­sche­hen im Hi­ma­la­ya ei­ne neue Rich­tung. Ei­ne jun­ge Ge­ne­ra­ti­on von Klet­te­rern träumt von der nächs­ten Pha­se an den 8 000ern: tech­nisch an­spruchs­vol­len Rou­ten an den Gi­gan­ten der Er­de. Wie 20 Jah­re zu­vor ist die An­na­pur­na er­neut Vor­rei­te­rin

Vertical (German) - - FEATURE - Text: Clau­de Gar­di­en. Fo­tos: Chris Bo­n­ington.

Mit der Erst­be­stei­gung des Shis­ha­pang­ma 1964 durch die Chi­ne­sen sind al­le 8 000er be­gan­gen. Le­dig­lich am Eve­r­est gibt es zu die­sem Zeit­punkt be­reits drei un­ter­schied­li­che Rou­ten, am Nan­ga Par­bat sind es zwei. Die bei­den Gip­fel läu­ten da­mit ei­ne neue Pha­se im Hi­ma­la­ya ein: Der 1963 be­zwun­ge­ne West­grat am Eve­r­est und die Kins­ho­fer­rou­te am Nan­ga Par­bat (1962) lö­sen sich vom Stan­dard der Nor­mal­we­ge. Doch dar­über hin­aus zei­gen sich die 14 um­wor­be­nen Gip­fel un­zu­gäng­lich. Doch schließ­lich öff­net Ne­pal 1969 er­neut sei­ne Gren­zen. Ge­nau zum rich­ti­gen Zeit­punkt, um das Ter­rain für har­te, tech­ni­sche Li­ni­en an den höchs­ten Ber­gen der Welt zu er­öff­nen. Auch für den rou­ti­nier­ten Berg­stei­ger Chris Bo­n­ington ist es der rich­ti­ge Mo­ment. 1961 ge­hört er zu dem Team, dem die ers­te Be­ge­hung des Frê­ney­P­fei­lers ge­lingt. Auch den Hi­ma­la­ya kennt er bes­tens: Auf sein Kon­to ge­hen die Erst­be­stei­gun­gen von An­na­pur­na II ( 7 937 Me­ter) 1960 und dem schwie­ri­gen Nupt­se (7 861 Me­ter) 1961. 1963 durch­steigt er zu­dem als ers­ter den Pai­ne To­wer. Seit 1961 ar­bei­tet er als un­ab­hän­gi­ger Jour­na­list. Als sol­cher be­glei­tet er

die Er­öff­nung der Di­ret­tis­si­ma an der Ei­ger-Nord­wand 1966, bei wel­cher der Lei­ter des Un­ter­fan­gens John Har­lin ums Le­ben kommt. Bo­n­ington weiß, wie man ein Pro­jekt in der Öf­fent­lich­keit ver­mark­ten muss und hat Feu­er un­ter dem Hin­tern: Er hat be­reits ein Ex­pe­di­ti­ons­pro­jekt in Alas­ka mit Nick Es­court, Mar­tin Boy­sen und Dou­gal Has­ton ge­plant, als ihn die Nach­richt von der ne­pa­le­si­schen Grenz­öff­nung er­reicht.Auf der Su­che nach ei­nem am­bi­tio­nier­ten Ziel er­in­nert er sich an das Fo­to ei­ner ge­wal­ti­gen, fast 3 000 Me­ter ho­hen Wand, der An­na­pur­na-Süd­sei­te.

Bo­n­ington, das Or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­nie

Chris Bo­n­ington ver­sam­melt ei­ne un­glaub­li­che Mann­schaft, viel­leicht die stärks­te, die sich je­mals am Fuß ei­nes 8 000ers ein­ge­fun­den hat.Al­le sind hoch­ka­rä­ti­ge bri­ti­sche Klet­te­rer, die dem ho­hen Klet­ter­kön­nen ih­res Lan­des al­le Eh­re ma­chen.Aber vor al­lem ver­fü­gen sie auch über her­vor­ra­gen­de al­pi­ne und man­che auch über au­ße­ral­pi­ne Er­fah­run­gen. Die gro­ßen Na­men der Zeit sind ver­sam­melt: Mar­tin Boy­sen, Mick Bur­ke, Ian Clough, Dou­gal Has­ton, Nick Es­court, Don Whil­lans so­wie der Ame­ri­ka­ner und ElCa­pi­tan-Pio­nier Tom Frost. Der ehe­ma­li­ge Ex­pe­di­ti­ons­lei­ter an der An­na­pur­na II, Jim­my Ro­berts, schickt Bo­n­ington ein Dia, auf dem das Team das Biest erst­mals zu se­hen be­kommt. Es gibt durch­aus ei­ne denk­ba­re Li­nie, aber auch vie­le Fra­ge­zei­chen und Ri­si­ken – ge­nau das Aben­teu­er, das sich al­le wün­schen. Ih­re Wun­sch­li­nie ver­läuft über den lin­ken Pfei­ler, der sich wie ein über­di­men­sio­na­ler Wal­ker­pfei­ler zum Haupt­gip­fel hin­auf­zieht. Doch die Rät­sel der Süd­wand be­gin­nen schon deut­lich wei­ter un­ten, auf dem vor­ge­la­ger­ten Glet­scher. Die Zo­ne am Pfeil­er­fuß prä­sen­tiert sich als ein­zi­ges Cha­os. Zu­dem steigt in Wand­nä­he das La­wi­nen­ri­si­ko. Al­ler­dings scheint ein Cou­loir auf 6 100 Me­tern den Zu­gang zu ei­ner Schar­te am Gratrü­cken zu er­mög­li­chen. Dort be­ginnt ein schar­fer, akro­ba­ti­scher und 400 Me­ter ho­her Schnee­grat. An­schlie­ßend wird das Ge­län­de bis auf 6 900 Me­ter et­was mo­de­ra­ter. Doch dann ragt ein 500 Me­ter ho­hes Fels­band in den Him­mel. Ein Hin­der­nis, das in sol­cher Hö­he nie zu­vor an­ge­gan­gen wur­de. Schließ­lich er­weist sich der Zustieg zum Pfei­ler zwar als ris­kant, aber mach­bar. Im Ge­gen­zug er­füllt der mes­ser­schar­fe Grat al­le Vor­ah­nun­gen. Schwie­rig und in­sta­bil führt er die Klet­te­rer stän­dig in die Ir­re. Die Wahl zwi­schen Schnei­de und den stei­len Hän­gen zu ih­rer Lin­ken ist nicht bes­ser als die zwi­schen Pest und Cho­le­ra. Das Team ver­bringt ta­ge­lang im Camp 3 auf 6 130 Me­tern, wo es ei­ne ge­nia­le Er­fin­dung Don Whil­lans in­stal­liert hat: „die Whil­lans-Box“, ein par­al­le­le­piped ge­form­tes Zelt. Sein ro­bus­ter Auf­bau wi­der­steht dem Wind, und auf dem fla­chen Dach lässt sich her­vor­ra­gend Schnee schmel­zen. Im In­nern hin­ge­gen kommt man auf Grund der ge­räu­mi­gen und kom­for­ta­blen Ma­ße nicht stän­dig mit der Au­ßen­haut in Kon­takt! Dou­gal Has­ton und Don Whil­lans über­neh­men die Füh­rung von Chris Bo­n­ington und Tom Frost. Don und Dou­gal bil­den die idea­le Seil­schaft. Die bei­den er­gän­zen sich her­vor­ra­gend und sind in ih­rer Be­harr­lich­keit kaum zu über­tref­fen. Zwei­mal ver­bringt Dou­gal ei­nen gan­zen Tag da­mit, ei­nen 15 Me­ter ho­hen, ins­ta-

bi­len Schne­e­pilz zu über­win­den.Wäh­rend­des­sen strö­men im­mer wie­der Be­su­cher ins Ba­se­camp. Bo­n­ington nutzt sie als Trä­ger, um Ma­te­ri­al in die un­te­ren La­ger zu brin­gen. End­lich, am 21. April und drei Wo­chen, nach­dem Don und Dou­gal Camp 3 am Fuß des Gra­tes ein­ge­rich­tet ha­ben, er­rei­chen sie ei­nen ge­eig­ne­ten Platz für La­ger 4.

Im Tun­nel

Doch der Grat ist noch nicht zu En­de, und Mar­tin Boy­sen so­wie Nick Es­court über­neh­men. Gleich über der „Whil­lan­sBox“er­hebt sich ein Turm aus auf­ein­an­der­ge­sta­pel­ten Wech­ten.Wie schon wei­ter un­ten ist auch hier der Schnee halt­los und bie­tet kei­ner­lei Si­che­rungs­mög­lich­keit. Dort ent­deckt Mar­tin ei­nen lan­gen Tun­nel, der auf die an­de­re Flan­ke führt. Er klet­tert durch den Schlauch und fin­det sich über ei­ner senk­rech­ten Wand, die aber brauch­ba­res Eis auf­weist. Mar­tin steigt wei­ter und setzt die ers­ten Eis - schrau­ben – was da­mals ein schwie­ri­ges Un­ter­fan­gen war: Zu­erst muss mit dem Pi­ckel ein Loch ge­schla­gen wer­den und dann, meist be­glei­tet von leich­ten Ham­mer­schlä­gen, die Schrau­be hin­ein­ge­presst und schließ­lich mit dem Eis­ge­rät als He­bel ein­ge­schraubt wer­den. Schließ­lich er­reicht er ein mit fau­lem Schnee an­ge­füll­tes Cou­loir. Die Trit­te bre­chen weg, und Mar­tin kämpft wie wild ge­gen den Seil­zug. Nach ei­ner kur­zen Pau­se steigt er wei­ter, wäh­rend ihn die Angst fast kot­zen lässt. So­bald er end­lich ei­nen Stand bau­en kann, steigt Nick nach: „ Selbst

als Seil­z­wei­ter war das gru­se­lig!“ Am nächs­ten Tag steigt Nick tech­nisch durch ei­nen Über­hang, um sich an­schlie­ßend auf ei­nem ein­sturz­ge­fähr­de­ten Grat wie­der­zu­fin­den. Er setzt sich auf sei­ne To­terMann-Si­che­rung, um Mar­tin in so­li­de­res Ge­län­de ab­zu­las­sen. Doch plötz­lich gibt es ei­nen kräf­ti­gen Ruck. Die im­pro­vi­sier­te Si­che­rung gibt nach und gräbt sich erst ei­nen Me­ter wei­ter er­neut tief ge­nug in den Schnee, um letzt­lich zu hal­ten! An­schlie­ßend bleibt Mar­tin nur der un­ge­si­cher­te Auf­stieg über schwie­ri­ge, ver­eis­te Fel­sen. Er ist jetzt zu weit un­ten ge­lan­det, doch wenn er stürzt, wür­de er die im­pro­vi­sier­te Si­che­rung end­gül­tig raus­rei­ßen. Am fol­gen­den Tag keh­ren sie aus­ge­laugt ins Ba­sis­la­ger zu­rück, wo Don und Dou­gal am Abend ih­rer An­kunft ein be­ein­dru­cken­des Be­säuf­nis ver­an­stal­tet ha­ben. Die Ex­pe­di­ti­on ver­fügt über schier un­er­schöpf­li­chenVor­rat an Mi­nia­tur-Whis­ky­fla­schen. Nach zwei Ta­gen Er­ho­lung ma­chen sich Don und Dou­gal wie­der an die Ar­beit.

In der Fels­bas­ti­on

Die Seil­schaf­ten wech­seln wei­ter am Grat, doch es geht nur lang­sam vor­an. End­lich steht La­ger 5 un­ter ei­ner ver­eis­ten Wand. Has­ton und Whil­lans über­win­den den Fels dank ei­ner Ram­pe, die aber schwie­rig ist. Ein wei­ter Hang trennt sie von der un­be­kann­ten Fels­bas­ti­on. Bis zu­mVor­bau stei­gen sie durch ei­nen Berg­schrund auf. Zwar schützt die Weg­wahl vor den Schnee­bret­tern, aber die über­ste­hen­de Kan­te ist schre­cken­er­re­gend: Soll­te sie weg­bre­chen, blie­be von Camp 5 und sei­nen Be­woh­nern nichts mehr üb­rig. Als Mick Bur­ke und Tom Frost über­neh­men, taucht ein neu­es Pro­blem auf: Wie soll die füh­ren­de Mann­schaft mit Ma­te­ri­al und Le­bens­mit­teln ver­sorgt wer­den? Das Team ist nur klein und weit ver­streut, die ei­nen er­ho­len sich, an­de­re wie Chris sind krank. Von den acht Klet­te­rern sind im­mer ei­ni­ge au­ßer Ge­fecht. Der Weg zwi­schen La­ger 3 und 4 ist an­stren­gend, und bis La­ger 5 geht es auf 6 930 Me­ter hoch. Zwei Vor­stei­ger, zwei oder drei im Ru­he­mo­dus, blei­ben nur drei oder vier für den Ma­te­ri­al­trans­port. Die Pro­ble­me mit dem Ti­ming wer­den of­fen­sicht­li­cher und oft wird die Ver­sor­gungs­ket­te un­ter­bro­chen. Schon lan­ge ist die Idee, ge­ra­de hoch durch den Ein­schnitt auf dem Pfei­ler zu stei­gen, ad ac­ta ge­legt: Wei­ter links zeich­net sich ei­ne mög­li­che Li­nie in ei­ner schwa­chen Sen­ke ab. Doch von un­ten ge­se­hen, schei­nen Mick und Tom kaum vor­wärts zu kom­men. Zwi­schen 7 000 und 7 300 Me­tern sto­ßen sie auf ho­he Schwie­rig­kei­ten im Mi­xed- und Fels­ge­län­de, die bis V+ rei­chen. Bei ei­nem Ra­dio­kon­takt läs­tert Don Whil­lans (un­ge­rech­ter­wei­se) mit sei­ner sar­kas­ti­schen Art über die lang­sa­men Fort­schrit­te. Mick lässt sich pro­vo­zie­ren, und der Heiß­sporn, der er ist, will Don zei­gen, was er drauf hat. Der­ma­ßen auf­ge­sta­chelt, fin­det er end­lich die Lö­sung durch die Fels­bas­ti­on. Chris ent­schei­det sich er­neut für Don und Dou­gal an der Spit­ze, da sie die bes­te Form auf­wei­sen. Doch die an­de­ren emp­fin­den dies als un­ge­recht. Seit Ta­gen schlep­pen Mar­tin und Nick Ma­te­ri­al ober­halb von La­ger 3. Sie wol­len jetzt selbst die Füh­rung über­neh­men. Bei der Funk­ab­stim­mung steigt die Laut­stär­ke, aber Chris setzt sich schließ­lich durch. Er fühlt, dass es jetzt schnell ge­hen muss und dass der Gip­fel in Griff­nä­he liegt. Er ahnt, dass Don und Dou­gal für ei­ne Über­ra­schung gut sind und ent­ge­gen al­ler Er­war­tun­gen das Ziel er­rei­chen kön­nen.

Ein Gip­fel für Don und Dou­gal

Auf hal­ber Hö­he des Fels­vor­baus auf 7 310 Me­tern be­le­gen Don und Dou­gal La­ger VI. Ge­plant ist noch ein wei­te­res La­ger vor dem Gip­fel­gang. Doch beim Ma­te­ri­al­trans­port für La­ger VI ver­liert Dou­gal sei­nen Ruck­sack. Ent­nervt steigt er in La­ger 4 ab, um Er­satz zu be­sor­gen – nur um so­gleich in Best­form wie­der auf­zu­stei­gen.Aber bei schlech­tem Wet­ter hän­gen die bei­den Män­ner an­schlie­ßend iso­liert fest. Nur hin und wie­der bes­sert sich das Wet­ter wei­ter oben. Je­den Nach­mit­tag zie­hen Wol­ken auf und sor­gen für neue Schnee­fäl­le. Aber hin und wie­der ragt die Berg­spit­ze aus den Wet­ter­ka­prio­len. Don und Dou­gal stei­gen durch ein Cou­loir, das sie na­he an den Aus­stieg des Vor­baus führt. Ob­wohl kei­ne Fix­sei­le mehr üb­rig sind, stei­gen sie den­noch wei­ter, über­win­den ei­nen schwie­ri­gen Klemm­block und er­rei­chen bei 7 600 Me­tern die obe­ren Hän­ge.Ab dort braucht

es kei­ne wei­te­ren Wor­te. Sie neh­men das Zelt für La­ger VII und nut­zen die Ge­le­gen­heit. Am 27. Mai kämp­fen sie sich bei Sturm und Käl­te wei­ter nach oben. Am Aus­stieg des Vor­baus las­sen sie das Zelt zu­rück und ge­hen gleich wei­ter. Un­ten ist das Wet­ter wei­ter­hin schlecht, als Chris am Abend das La­ger VI an­funkt. „ Seit ihr heu­te zum Aus­stieg ge­kom­men?“„ Wir ha­ben ge­ra­de die An­na­pur­na ge­macht!“Am Gip­fel konn­ten sie noch schwa­che Spu­ren von Hen­ry Day und Ger­ry Owens aus­ma­chen, de­nen ei­ni­ge Ta­ge zu­vor die zwei­te Be­ge­hung der An­na­pur­na über den Nor­mal­weg ge­lun­gen ist. Chris Bo­n­ington lag al­so rich­tig. Don Whil­lans und Dou­gal Has­ton ha­ben al­le Plä­ne und Vor­be­rei­tun­gen über den Hau­fen ge­wor­fen und die Gunst der St­un­de ge­nutzt. Tom und Mick wol­len jetzt aber eben­falls noch ih­re Chan­ce, die ih­nen Chris auch gibt. Doch Mick ist ab Cam­pVI er­schöpft. Laut dem Mor­mo­nen Tom Frost mit sei­ner vor­bild­li­chen Le­bens­wei­se be­zahlt Mick den Preis für die vie­len Gau­loi­ses, die er wäh­rend der ge­sam­ten Ex­pe­di­ti­on ge­raucht hat.Aber auf 7 600 Me­tern stellt auch Tom fest, dass er nur we­ni­ge Chan­cen hat, le­ben­dig zu­rück­zu­keh­ren. Er kehrt erst spät ins La­ger zu­rück, als sich be­reits al­le an­de­ren Sor­gen um ihn ma­chen. Jetzt bleibt nur noch der ge­ord­ne­te Rück­zug. Ein Team aus Klet­te­rern und Sher­pas holt ein Ma­xi­mum an Ma­te­ri­al aus den un­te­ren La­gern ab. Doch noch in die­sem letz­ten Ab­schnitt der glück­lich ver­lau­fe­nen Ex­pe­di­ti­on schlägt das Schick­sal zu: Ge­ra­de als Ian Clough un­ter ei­nem gro­ßen Ser­ac quert, bricht der Turm zu­sam­men und be­gräbt ihn un­ter sich. Für das Team ein har­ter, un­ver­ständ­li­cher Schlag zum Schluss.

Auf neu­en We­gen

Den­noch stellt die Süd­wand der An­na­pur­na ei­ne wich­ti­ge Weg­mar­ke in der Hi­ma­la­y­aGe­schich­te dar. 1970 ent­ste­hen noch zwei wei­te­re wich­ti­ge Rou­ten die­ser Ära. Ei­ne ja­pa­ni­sche Mann­schaft durch­steigt den ge­wal­ti­gen Süd­ost­grat am Ma­ka­lu. Auf­grund der ho­hen Fels­schwie­rig­kei­ten müs­sen die Ja­pa­ner im obe­ren Teil so­gar Bohr­ha­ken ver­wen­den. Im glei­chen Jahr ge­lingt am Nan­ga Par­bat der be­rühm­ten Ex­pe­di­ti­on un­ter Karl-Ma­ria Herr­lig­kof­fer die Süd­wand. Ein jun­ger Süd­ti­ro­ler er­reicht zu­sam­men mit sei­nem Bru­der den Gip­fel: Rein­hold Mess­ner. Da sie hin­ter­ein­an­der oh­ne Seil auf­ge­stie­gen sind, kön­nen sie nicht wie­der zu­rück. Sie ent­schei­den sich für den Ab­stieg über die Dia­mir-Flan­ke, wo­bei Gün­ther von ei­ner La­wi­ne mit­ge­ris­sen wird. Der tra­gi­sche Tod sei­nes Bru­ders mar­kiert den ko­me­ten­haf­ten Auf­stieg von Rein­hold Mess­ner. Ob­wohl die­se drei Er­fol­ge von 1970 teu­er be­zahlt sind, mar­kie­ren sie den­noch den Be­ginn ei­ner neu­en Ära gro­ßer, an­spruchs­vol­ler Rou­ten. Im Jahr dar­auf ge­lingt den Fran­zo­sen der fan­tas­ti­sche Ma­ka­luWest­pfei­ler. 1975 be­weist Chris Bo­n­ington er­neut sein Or­ga­ni­sa­ti­ons­ta­lent an der Eve­r­est-Süd­west­wand. Den Gip­fel er­rei­chen dies­mal Dou­gal Has­ton und Doug Scott. Die Ju­go­sla­wen wie­der­um meis­tern die Ma­ka­lu-Süd­wand, wäh­rend die Ita­lie­ner, un­ter ih­nen auch Rein­hold Mess­ner, an der Süd­wand des Lhot­se schei­tern. Schon ei­ni­ge Zeit denkt Mess­ner dar­über nach, ei­nen 8 000er über ei­ne neue, schwie­ri­ge Rou­te im Al­pin­stil zu be­ge­hen. Im Som­mer setzt er die Idee zu­sam­men mit Pe­ter Ha­be­ler am Gas­her­brum I (8 068 Me­ter) um. Par­al­lel sind wei­ter­hin schwer­fäl­li­ge Ex­pe­di­tio­nen an den gro­ßen Wän­den un­ter­wegs. Doch mit den Jah­ren er­scheint die­seVor­ge­hens­wei­se im­mer mehr wie ei­ne Sack­gas­se. Die rus­si­schen Er­fol­ge an der Eve­r­es­tNord­wand 2004 und der K2-West­wand 2007 sor­gen nicht für all­zu gro­ße Be­geis­te­rung. Der neue Stil hat sich end­gül­tig durch­ge­setzt.

Rech­te Sei­te: Camp IV in­mit­ten des Schnee­grats, der den Bri­ten so vie­le Pro­ble­me be­rei­ten soll­te. Un­ten: Don Whil­lans und Mick Bur­ke bau­en ei­ne „Whil­lans Box“auf, ein von Don spe­zi­ell für die Be­ge­hung ent­wi­ckel­tes Zelt.

Chris Bo­n­ington wäh­rend der Be­ge­hung des Schnee­gra­tes.

Der Fels­rie­gel brach­te Schwie­rig­kei­ten mit sich, an de­nen sich Berg­stei­ger nie zu­vor in sol­cher Hö­he ver­sucht hat­ten.

Fo­to Pas­cal Tour­nai­re.

Un­ten: Die Bo­n­ington­rou­te wur­de mehr­fach wie­der­holt. Ca­the­ri­ne Des­tivel­le und Erik De­camp bei dem Ver­such, ei­ne neue,

di­rek­te Li­nie zu er­öff­nen.

Un­ten: Die Gip­fel­mann­schaft Don Whil­lans und Dou­gal Has­ton vor ei­ner Whil­lans Box.

Ganz un­ten: Camp V un­ter ei­nem Ser­ac: Schutz oder Be­dro­hung?

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