Mit­tel­meer Sier­ra Ne­va­da (An­da­lu­si­en)

Im Sü­den Eu­ro­pas sträubt sich ei­ne Berg­ket­te im­mer noch hart­nä­ckig ge­gen die me­di­ter­ra­nen Kli­ma­ein­flüs­se. In der Sier­ra Ne­va­da sind die Win­ter rau und die Eis­fäl­le fern­ab der Zi­vi­li­sa­ti­on. Zwar sind die Be­wer­tun­gen in den Nord­wän­den mo­de­rat, doch die Klet

Vertical (German) - - INHALTSVERZEICHNIS -

Text und Fo­tos : Da­vid Mu­nil­la.

Die Sier­ra Ne­va­da ist die süd­lichs­te Berg­ket­te Eu­ro­pas und fin­det sich in nächs­ter Nä­he zum Mit­tel­meer. Gleich ober­halb der Per­le An­da­lu­si­ens, Gra­na­da, ge­le­gen, gip­felt das Mas­siv im Mul­ha­cen ( 3 481 Me­ter). Ins­ge­samt über­ra­gen 15 Gip­fel die 3 000-Me­terMar­ke. Auf spa­ni­schem Ho­heits­ge­biet ist nur noch der Tei­de auf den ka­na­ri­schen In­seln mit 3 718 Me­tern hö­her. Doch auch so ist das Mas­siv auf dem Fest­land die zweit­höchs­te Ket­te Eu­ro­pas nach den Al­pen und sticht selbst die Py­re­nä­en aus, die am 3 404 Me­ter ho­hen Ane­to ih­ren höchs­ten Punkt er­rei­chen. Der äu­ßers­te Os­ten An­da­lu­si­ens stößt ans Mit­tel­meer. Hier ist die Über­ra­schung be­son­ders groß, wenn ein Hoch­ge­bir­ge so nah an die kli­ma­tisch mil­de Küs­ten­re­gi­on her­an- reicht. So kann man von vie­len der nicht ein­mal 30 Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Gip­fel das blaue Meer be­ob­ach­ten. Die­se geo­gra­phi­schen Be­son­der­hei­ten brin­gen den an­ge­neh­men Ef­fekt mit sich, dass man in­ner­halb ei­ner St­un­de vom Ski­fah­ren an den 3 000ern oder ei­ner Run­de Eis­klet­tern an den Strand oder in herr­li­che Sport­klet­ter­ge­bie­te wech­seln kann. Rund um Gra­na­da wird die­ses Kon­trast­pro­gramm aus ver­schnei­ten Gip­feln und son­ni­gen Fel­sen reich­lich ge­bo­ten.

Eis

Ne­ben dem Mul­ha­cen sind der Vel­eta (3 394 Me­ter) und der Al­caz­aba (3 371 Me­ter) die bei­den wich­tigs­ten Gip­fel der Sier­ra Ne­va­da. Die stei­len Nord­wän­de sind wie für al­pi­nis­ti­sche Pro­jek­te ge­macht. Al­le drei Wän­de bie­ten schö­ne Mi­xe­d­rou­ten, die meh­re­re St­un­den Klet­te­rei oh­ne ex­tre­me Schwie­rig­kei­ten be­reit­hal­ten. Die­se hal­ten sich auch in Gren­zen, weil die Wän­de nicht durch­ge­hend steil sind und der Schnee Eis­rin­nen und kur­ze, tech­ni­sche Plat­ten­ab­schnit­te ver­deckt. Den­noch muss man sich auf schwie­ri­ge Win­ter­be­din­gun­gen ge­fasst ma­chen. Die Eis­fäl­le ver­tei­len sich im un­te­ren Teil der Wän­de, in den Can­yons, aber auch an den Flan­ken hoch­ge­le­ge­ner Gra­te. Meist ziem­lich ab­ge­le­gen, sind sie nur nach ei­nem lan­gen An­marsch über rau­es Ge­län­de zu er­rei­chen. Im Nord­os­ten der Sier­ra Ne­va­da fin­den sich rund um den Pi­con de Je­rez (3 090 Me­ter) in hoch ge­le­ge­ner und wil­der al­pi­ner Um­ge­bung die Al­ho­rí-Eis­fäl­le.

Von der Pos­te­ro-Al­to-Hüt­te sind es noch drei St­un­den Geh­zeit bis zu dem Dut­zend Eis­fäl­len, die zwi­schen 20 und 100 Me­ter hoch sind. An­ge­sichts des lang­wie­ri­gen Zustiegs ist es nicht ver­wun­der­lich, dass man hier oft al­lei­ne ist. Val­de­ca­sil­las liegt im Her­zen der Sier­ra und bie­tet sie­ben Eis­fäl­le zwi­schen 30 und 250 Me­tern, die bis zu 2 900 Me­tern hoch­lie­gen. Die herr­li­chen Eis­vor­hän­ge von Al­caz­aba und Mo­s­ca wie­der­um ge­hö­ren zu den be­kann­tes­ten Ge­bie­ten in der süd­spa­ni­schen Ge­birgs­re­gi­on. Schon 1978 er­öff­net, muss man sie­ben bis acht St­un­den rech­nen bis in das ei­si­ge Tal un­ter­halb der Mul­ha­cen- Nord­flan­ke. Ta­jos del Go­terón ver­birgt sich in den Nord­ost­hän­gen der Al­caz­aba, ei­ner der ab­ge­le­gens­ten und un­wirt­lichs­ten Or­te der Ge­gend. Da­für wer­den Be­su­cher mit 100 Me­ter ho­hen Eis­fäl­len und ei­ni­gen Free­stan­dings be­lohnt, die sich auf ei­ner Hö­he zwi­schen 2 850 und 3 371 Me­tern bil­den. Die Wän­de von Go­terón for­men zwei Fels­stu­fen: Die un­te­ren Li­ni­en fin­den sich un­ter dem Mul­ha­cen und der obe­re Part gleich un­ter dem Gip­fel des Al­caz­aba. Die­ser bie­tet sehr stei­les, zum Teil über­hän­gen­des Ge­län­de auf 3 300 Me­tern. Mo­men­tan gibt es nur zwei in­ter­es­san­te, 70 Me­ter ho­he Li­ni­en, aber die Ge­gend ist per­fekt ge­eig­net, um neue Rou­ten an Free­stan­dings und Dry-Too­ling-Li­ni­en zu ent­de­cken. Der lan­ge Zustieg ist na­tür­lich nicht je­der­manns Sa­che, und die Ein­hei­mi­schen drän­gen sich nicht ge­ra­de. Doch da­für wird man mit ein­ma­lig wil­dem Am­bi­en­te be­lohnt. Die Eis­fäl­le von Guarnón fin­den sich mit­ten im Can­yon glei­chen Na­mens, ei­nem ehe­ma­li­gen Glet­scher­tal. Je nach­dem wie die Sai­son aus­fällt, bil­den sich zwi­schen vier oder fünf Eis­fäl­le, die zwi­schen 30 und 190 Me­ter hoch sind. Ge­ra­de für

An­fän­ger ist das Ge­biet gut ge­eig­net. Den­noch ist auch hier der An­marsch mit rund vier St­un­den recht lang. In dem Glet­scher­tal des Flus­ses Vel­eta kom­men Eis­klet­te­rer in dem klei­nen Kar Agu­as Ver­des im Wes­ten der Sier­ra auf 3 300 Me­tern auf ih­re Kos­ten. Das gu­te Dut­zend Eis­fäl­le hält zwi­schen 20 und 250 Klet­ter­me­ter be­reit. Al­ler­dings ver­hin­dert die Süd­ost­aus­rich­tung je­der­zeit sta­bi­le Ver­hält­nis­se. Doch in gu­ten Win­tern sind hier im­mer meh­re­re gu­te Li­ni­en zu fin­den. Hoya Mo­ros liegt im west­li­chen Teil der Sier­ra und er­mög­licht an ei­ni­gen klei­ne­ren Eis­fäl­len zwi­schen 25 und 45 Me­tern ei­si­ge Un­ter­hal­tung. Aber vor al­lem Dry­too­ling-Fans kom­men in dem Tro­cken­schwim­mer-Pa­ra­dies der Sier­ra auf ih­re Kos­ten. Da­zu kommt hier ein mo­de­ra­ter Zustieg, da man die Stra­ße zum Ski­ge­biet Sol y Nie­ve, ei­nem der höchs­ten in Eu­ro­pa, nut­zen kann, die bis zum Gip­fel des Vel­eta führt. Heu­te ist die Sier­ra Ne­va­da ein ge­schütz­ter Na­tio­nal­park, in dem nach und nach al­le ur­ba­nen Spu­ren zu­rück­ge­baut wer­den. Da­mit ent­wi­ckelt sich die Re­gi­on für Lang­läu­fer

und Wan­de­rer, die den Tag zwei Me­ter ne­ben dem Au­to an ei­ner Fels­wand aus­klin­gen las­sen wol­len.

Fels

Die Ge­gend rund um Gra­na­da hält reich­lich ex­zel­len­ten Fels be­reit, ei­ni­gen da­von wie in Cahor­ros in nächs­ter Nä­he zur Stadt. Doch nichts ist grö­ßen­mä­ßig und kli­ma­tech­nisch mit LosVa­dos ver­gleich­bar. Die rie­si­ge Schlucht bie­tet zahl­rei­che Klet­ter­wän­de mit Ein- und Mehr­seil­län­gen. Ge­le­gen an der Cos­ta Tro­pi­cal, dem Küs­ten­ab­schnitt süd­lich von Gra­na­da, bil­det sie ei­ne Art na­tür­li­che Gren­ze zwi­schen Meer und Ber­gen. Die be­ein­dru­cken­den und kom­pak­ten Can­yon­wän­de sind bis zu 300 Me­ter hoch. Auf­grund des Fel­s­cha­rak­ters gibt es recht we­ni­ge Tr­ad­rou­ten, da­für um­so mehr ein­ge­bohr­te Mehr­seil­län­gen­klet­te­rei­en. Ta­jo de la Vir­gen ist der Haupt­sek­tor für die gro­ßen Rou­ten. Ori­on ge­hört zu den äl­tes­ten, noch tech­nisch er­öff­ne­ten Li­ni­en. Sie führt durch den zen­tra­len Wand­teil des Ta­jo de laVir­gen und wur­de üb­li­cher­wei­se mit ei­nem Bi­wak in ei­ner Grot­te ge­klet­tert, in der die Vor­ah­nen die Jung­frau er­blick­ten. Ge­nau ge­nom­men han­delt es sich um ein Fels­ge­bil­de, des­sen Form zur Le­gen­den­bil­dung führ­te. Heu­te ist die Ori­on bes­tens ein­ge­bohrt, so dass sich die 200 Me­ter in we­ni­gen St­un­den klet­tern las­sen. In­zwi­schen ent­stan­den wei­te­re wich­ti­ge Rou­ten zwi­schen 6a und 7c. Al­le sind gut ab­ge­si­chert und las­sen sich frei meis­tern. Ge­gen­über des Ta­jo de laVir­gen fin­den sich zu­dem reich­lich Sek­to­ren, die von der Win­ter­son­ne pro­fi­tie­ren. Und dank der Küs­ten­nä­he kann in Los Va­dos, bei schlech­tem Wet­ter in Gra­na­da, noch die Son­ne schei­nen!

Rech­te Sei­te: Alex Cor­pas in der Schlüs­sel­stel­le von Ne­gra in Pe­ño­nes de San Fran­cis­co auf 2 700 Me­ter Hö­he.

Im Hin­ter­grund Va­ca­res und Al­caz­aba. Un­ten: Das Schloss Cal­a­hor­ra Cast­le und der Pi­con de

Je­res (Al­ho­rí Val­ley) von Os­ten ge­se­hen. Ganz un­ten: Die Nord­wän­de von Al­caz­aba und Pun­tal

Va­ca­res von der Ve­re­da de Est­rel­la.

Un­ten und rechts: Jena­ro Cas­til­la Go­te­ron und Alex Cor­pas

in den be­lieb­ten Eis­fäl­len von Mi­li­t­ares, ober­halb von Barran­co de San Juan. Im Hin­ter­grund die Nord­wän­de der

Pi­cos de la Sier­ra Ne­va­da.

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