Edi­to­ri­al

Vertical (German) - - INHALTSVERZEICHNIS - Clau­de Gar­di­en

Die Aben­teu­er an der An­na­pur­na-Süd­wand im ver­gan­ge­nen Herbst stan­den bei den Ver­ti­ka­lis­ten zu­letzt im Fo­kus. Das Ex­press-So­lo von Ue­li Steck so­wie die Wie­der­ho­lung der Rou­te durch Yan­nick Gra­zia­ni und Sté­pha­ne Benoist, die erst im Auf­stieg zwei Ta­ge in der Wand blo­ckiert wa­ren und im Ab­stieg ums Über­le­ben kämpf­ten, lie­fer­ten reich­lich Span­nung. Am 14. Fe­bru­ar leb­te die Ma­gie der aben­teu­er­li­chen Be­ge­hun­gen noch­mals bei ei­nem gro­ßen An­na­pur­na-Event in Cha­mo­nix auf (s. Bei­trag von Da­mi­en To­ma­si, Sei­te 16). Re­né Ghi­li­ni (ers­ter Ver­such in der An­na­pur­na- Süd­wand 1982 mit Alex McIn­ty­re), En­ric Lu­cas (Erst­be­ge­hung der Ka­ta­la­nen­rou­te 1984 mit Nil Bo­hi­gas), Chris­to­phe Pro­fit (1991 am K2 mit Pier­re Bég­hin) tra­fen auf der Büh­ne mit Ue­li,Yan­nick und Sté­pha­ne zu­sam­men. Das Er­geb­nis war ein span­nen­der und be­son­de­rer Abend vol­ler Emo­tio­nen. Die hö­hen-er­fah­re­nen Ak­teu­re und Ver­tre­ter des Al­pin­stils be­ton­ten al­le­samt das ein­zig­ar­ti­ge En­ga­ge­ment, oh­ne das Be­ge­hun­gen an sol­chen Wän­den un­denk­bar sind. Nur mit ei­ser­nem Wil­len, aber auch ei­ner ho­hen Ri­si­ko­be­reit­schaft kann man es wa­gen, sich mit die­sen Gi­gan­ten zu mes­sen. Die ge­wal­ti­gen Aus­ma­ße die­ser Wän­de in Ver­bin­dung mit der kraft­zeh­ren­den Hö­he ma­chen die­se Aben­teu­er zu den här­tes­ten Her­aus­for­de­run­gen, die ein Mensch durch­le­ben kann. Sté­pha­ne Benoist be­schreibt bis ins De­tail die fa­ta­le An­zie­hungs­kraft ei­nes Gip­fels, der lang­sam nä­her rückt. Die ge­fähr­li­che Il­lu­si­on des Wohl­füh­lens in ei­ner Welt, in der man ge­ra­de noch über­lebt, die Op­fer­be­reit­schaft, die man mit­brin­gen muss, wenn man von ei­nem Berg solch mons­trö­ser Aus­ma­ße be­ses­sen ist. Auch Ue­li Steck fragt sich rück­bli­ckend, ob er nicht viel­leicht – oder so­gar si­cher – zu viel ge­wagt hat. Be­ge­hun­gen tech­ni­scher Rou­ten im Al­pin­stil an den höchs­ten Gip­feln der Welt sind sel­ten. Nimmt man nur die 8 000er, so blei­ben der Cho Oyu im Jahr 2009 und der Nan­ga Par­bat 2012. Die Ru­pal­wand am Nan­ga Par­bat ge­lang 2005. Selbst an den Gip­feln bis 7 800 Me­tern gibt es in die­sem Stil und im glei­chen Zei­t­raum kaum mehr Be­ge­hun­gen (Jan­nu, Ka­met, Nupt­se …). Um hier Er­folg zu ha­ben, braucht es viel Er­fah­rung, die man nur über vie­le Jah­re in gro­ßer Hö­he er­langt. Da­zu kommt ei­ne or­dent­li­che Por­ti­on Glück, um Er­folg zu ha­ben und vor al­lem um zu­rück­zu­kom­men, be­vor der Berg die To­re schließt. Auch dies ist ei­ne der Bot­schaf­ten der le­ben­den Le­gen­den, die sich in Cha­mo­nix ver­sam­melt ha­ben. Zu­sam­men mit ei­ner wei­te­ren von Chris­to­phe Pro­fit, der an Pier­re Bég­hin er­in­ner­te: „ Das En­ga­ge­ment in die­ser Hö­he ist so un­fass­bar schön.“

Fo­to Sté­pha­ne Benoist.

Am An­fang der An­na­pur­na-Süd­wand.

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