Vom Klet­tern zum Berg­stei­gen

1980 ent­steht in der Pè­le­rins-Nord­wand an den Ai­guil­les de Cha­mo­nix ei­ne aus­ge­setz­te und ele­gan­te Rou­te. Nostradamus si­gna­li­sier­te in dem klei­nen, eli­tä­ren Kreis der al­pi­nen Fels­klet­te­rer den Be­ginn ei­ner Re­vo­lu­ti­on. Da­zu trug so­wohl die kom­ple­xe Li­ni­en­fü

Vertical (German) - - FEATURE - Text: Clau­de Gar­di­en.

Ver­ant­wort­lich für die her­aus­ra­gen­de Erst­be­ge­hung wa­ren Mi­chel Pio­la und Pas­cal Sprun­g­li. Die über wei­te Pas­sa­gen plat­ti­ge Klet­te­rei ist an der Schlüs­sel­stel­le mit­Vic be­wer­tet – in ei­ner Zeit, als die Schwie­rig­kei­ten noch in rö­mi­schen Zah­len aus­ge­ge­ben wur­den und wo­mit sie da­mals zu den har­ten Rou­ten ge­hört. Ent­schei­dend trägt da­zu auch bei, dass sich die Schlüs­sel­seil­län­ge erst in der 16. Seil­län­ge ei­ner 650 Me­ter lan­gen Tour be­fin­det. Be­ob­ach­ter re­gis­trie­ren zwei ge­bohr­te Ha­ken, ein Si­che­rungs­mit­tel, das bis­lang nur an „Klet­ter­fel­sen“zum ab­si­chern frei­er Pas­sa­gen zum Ein­satz kam. So wen­det sich die Klet­te­rei in der Ver­don­schlucht En­de der 1970er Jah­re von den Ris­sen ab und wagt sich in die kom­pak­ten Wand­zo­nen. Dort sind die ur­sprüng­lich acht Mil­li­me­ter star­ken Bohr­ha­ken für die Si­che­rung un­er­läss­lich.

Der „ french­free”, ei­ne be­son­de­re Me­tho­de

Schon ei­ni­ge Jah­re zu­vor er­leb­te die Klet­te­rei in der al­ten Welt ei­nen wich­ti­gen Evo­lu­ti­ons­schritt. Ka­li­for­ni­en war das Mo­de­ziel der Klet­ter­welt schlecht­hin. Dort wag­ten sich dieVor­rei­ter mit Klemm­kei­len „ ham­mer­less“in die gro­ßen Tou­ren.Yvon Choui­nard, der spä­te­re Be­grün­der von Pa­ta­go­nia, ge­hört zu den ers­tenVer­fech­tern des mo­der­nen Cle­an­clim­bing. Mit sei­nen Hex­centrics kön­nen die Klet­te­rer En­de der 1970er Jah­re, un­ver­wech­sel­bar in wei­ße Ho­sen ge­klei­det und mit bun­tem Stirn­tuch ge­schmückt, durch die Ris­se der Ver­don­schluch­ten stei­gen. Der 1978 von Ray Jar­di­ne er­fun­de­ne Fri­end stei­gert den Si­che­rungs­kom­fort noch­mals deut­lich. Wäh­rend­des­sen grei­fen die Klet­te­rer auf dem Kon­ti­nent noch reich­lich zum Schlag­ha­ken, wenn sie un­ter Ver­zicht der Strick- und Tritt­lei­tern frei klet­tern. Die An­gel­sach­sen fin­den mit „ french free“ei­ne hüb­sche Be­zeich­nung für die­sen Stil, der nie­man­den son­der­lich scho­ckiert. Un­ter dem Ein­fluss des star­ken Al­pi­nis­ten Je­anClau­de Droy­er, dem un­ter an­de­rem das ers­te So­lo in der Ame­ri­can Di­rec­te an den Drus so­wie har­te Klet­te­rei­en jen­seits des Ka­nals ge­lin­gen, ent­de­cken die Fran­zo­sen die ech­te Freik­let­te­rei. Je­an-Clau­de wählt da­bei eher die di­rek­te Art und ent­na­gelt zahl­rei­che Rou­ten, um Wie­der­ho­lern jeg­li­chen Griff in die Ha­ken zu ver­weh­ren. Zwar geht in­fol­ge­des­sen ein Auf­schrei durch die Klet­ter­ge­mein­de, vie­le spie­len aber nach den neu­en Re­geln mit. In Salè­ve nutzt

Fo­to Re­né Ro­bert.

Un­ten: Ro­main Vog­ler, ein wei­te­res Mit­glied im Ver­ti­cal- Team, bei der Er­öff­nung ei­ner sei­ner schö­nen Rou­ten an der Ai­guil­le-Süd­wand. Die Bohr­ma­schi­ne ge­hört noch nicht ins Stan­dard-Werk­zeu­g­re­per­toire.

Newspapers in German

Newspapers from France

© PressReader. All rights reserved.