Ge­schwin­dig­keit und Ei­le

Manch­mal ver­wech­selt man die bei­den. Die Berg­stei­ger der 1980er Jah­re ha­ben sich die Fort­schrit­te des Freik­let­terns und die Eis­tech­ni­ken zu Nut­ze ge­macht und sind zu den gro­ßen Wän­den ge­eilt – mal ge­mäch­lich, mal im Ga­lopp. Re­kor­de wer­den er­reicht, Bi­waks

Vertical (German) - - FEATURE -

WVon Clau­de Gar­di­en. er mit Klet­ter­schu­hen in lan­gen Fels­rou­ten in gro­ßer Hö­he un­ter­wegs ist, ge­winnt al­lein da­durch Zeit, dass er das müh­se­li­ge Ha­ken­schla­gen durch läs­si­ges Klin­ken so­li­der Bohr­ha­ken und ge­ruh­sa­mes Le­gen ein­zel­ner Klemm­kei­le er­set­zen kann. Im rei­nen Eis wer­den har­te Rou­ten der vor­he­ri­gen De­ka­de ein­fach ba­nal. Le­dig­lich die Mi­xed-Rou­ten be­hal­ten noch ei­ne Au­ra der Un­nah­bar­keit. Noch geht es lang­sam zur Sa­che, doch die Ge­schwin­dig­keit steigt dank bes­se­rer Tech­nik im­mer wei­ter. Die Ge­wiss­heit, abends am Ziel zu sein, er­laubt den Ver­zicht der Bi­wak- Aus­rüs­tung. Die Ge­wichts­er­spar­nis er­mög­licht ei­ne noch­mals schnel­le­re Gan­gart. Das Kon­zept Fast and light ist ge­bo­ren, und schon bald sind die Gip­fel am frü­hen Mor­gen er­reicht. Zu früh, um ins Tal zu­rück­zu­keh­ren, und Kraft­re­ser­ven gibt es eben­falls noch reich­lich. Al­so wei­ter zur nächs­ten Tour – die man ei­ni­ge Jah­re zu­vor erst ei­ni­ge Ta­ge spä­ter ins Au­ge ge­fasst hät­te. Schon vor 1914 frag­te Ge­off­roy Win­throp Young nach ei­ner schnel­len Be­stei­gung am Gip­fel des Gré­pon Jo­sef Knu­bel, ob man nicht gleich wei­ter zur Ai­guil­le de Blai­tiè­re sol­le. „ Seit ei­ner St­un­de fra­ge ich mich schon, Herr Young, wann sie mir die­ses An­ge­bot ma­chen wür­den“, ant­wor­te­te der Füh­rer er­freut. So be­ginnt man genau ge­nom­men sehr früh, das Ta­ges­pro­gramm et­was vol­ler zu pa­cken. Ei­ni­ge Jah­re spä­ter, zur Hoch­zeit der En­chai­ne­ments, dre­hen Chris­to­phe Pro­fit und Do­mi­ni­que Ra­di­gue spa­ßes­hal­ber noch ein we­nig wei­ter an der Schrau­be und gön­nen sich die vier Frê­ney- Pfei­ler in­ner­halb ei­nes Ta­ges. Do­mi­ni­que gibt zu, im An­schluss ei­ne ge­wis­se Mü­dig­keit zu ver­spü­ren – den­noch, die Idee ist reiz­voll: ein Zustieg, vier Rou­ten im Sack. Die Idee fin­det zu die­ser Zeit im­mer mehr An­hän­ger. 1981 leis­tet Chris­to­phe Pro­fit sei­nen Mi­li­tär­dienst – zu die­ser Zeit noch ein Muss – bei der Grou­pe Mi­li­taire de Hau­te Mon­ta­gne, die es zu die­ser Zeit glück­li- cher­wei­se be­reits gab. Dank sei­nes Chefs Je­an-Clau­de Mar­mier gönnt er sich an ei­nem Tag ein Nord­wand­trio: Droi­tes, Ai­guil­le de Talèf­re und zum Des­sert das Lin­ce­ul an den Gran­des Jo­ras­ses. Die schwie­rigs­te un­ter den drei­en, die Droi­tes-Nord­wand, durch­steigt er in 2,5 St­un­den, ei­ne Zeit, die seit­dem kaum un­ter­bo­ten wur­de.

Ele­gan­ter Rück­flug per Glei­ter

1982 joggt Pro­fit durch die Ame­ri­can Di­rec­te an den Drus. Sei­ne Zeit von 3:10 St­un­den geht in die An­na­len ein. Die meis­ten Bil­der zei­gen ihn in rot-gel­bem Ko­s­tüm, stam­men aber von den Film­ar­bei­ten im Jahr dar­auf. Die Fo­tos der ei­gent­li­chen Be­ge­hung zei­gen ihn in wei­ßer Ho­se und mit Stirn­band, um die Hüf­ten le­dig­lich ei­nen Ma­g­ne­sia­beu­tel. Von die­sem Mo­ment an scheint al­les mög­lich, und Pro­fit be­ginnt ein sys­te­ma­ti­sches Trai­ning, um im­mer schnel­ler zu wer­den. Drei Jah­re spä­ter reiht er die drei Nord­wän­de von Mat­ter­horn, Ei­ger und Jo­ras­ses (über das Lin­ce­ul) in­ner­halb ei­nes Ta­ges an­ein­an­der. Da das Kon­zept in­ner­halb ei­nes Ta­ges geo­gra­fisch nicht mach­bar ist, kommt der He­li­ko­pter zum Ein­satz – der „ Wahn­sinn der 1980er Jah­re“er­reicht ei­nen wei­te­ren Hö­he­punkt. Die Aus­ga­be 1 von Ver­ti­cal be­rich­tet von der Be­ge­hung in­ner­halb ei­nes Ta­ges des Wal­ker- und des Croz­pfei­lers durch Éric Es­cof­fier. Auch hier hilft der Hub - schrau­ber bei der Do­ku­men­ta­ti­on und um Es­cof­fier mit neu­en Steig­ei­sen in der Croz zu ver­sor­gen. Al­ler­dings nutzt der Aus­nah­me­berg­stei­ger ei­nen Se­gel­flie­ger

Fo­to Clau­de Gar­di­en und Ar­chiv Ver­ti­cal. Fo­to Re­né Ro­bert.

Ge­bräunt, ge­hetzt und ge­för­dert: Je­an-Marc Boi­vin

ver­stand sich auf ori­gi­nel­le En­chai­ne­ments. Rechts: Je­an-Marc beim Ab­sprung vom Grand Ca­pu­cin nach der ers­ten Win­ter­be­ge­hung von Oso­le­mio,

ei­ner Pio­la-Rou­te an der Süd­wand.

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