PISÓN, Vi­aAl­ber­toRa­ba­da, Mal­los de Rig­los, 290 Me­ter, 6c+

Die Mal­los de Rig­los ge­hö­ren schon län­ger zu den welt­wei­ten, my­thi­schen Zie­len an die je­der Klet­te­rer zu­min­dest ein­mal im Le­ben Hand an­le­gen möch­te. Die Rou­te Al­ber­to Ra­ba­da am Pisón bie­tet den per­fek­ten Auf­takt für ei­nen Be­such in dem Mas­siv.

Vertical (German) - - VERTICAL KLASSIKER -

Auf der Süd­sei­te der Py­re­nä­en und nicht all­zu weit von Hu­e­sca und Sa­ra­gos­sa ge­le­gen, er­he­ben sich die ge­wal­ti­gen Kon­glo­me­rat­tür­me, die bis zu 300 Me­ter hoch in den Him­mel rei­chen. Be­son­ders be­ein­dru­ckend im Ver­gleich mit an­de­ren be­rühm­ten Kon­glo­me­rat­ge­bie­ten wie Mont­s­er­rat oder Me­teo­ra sind die zum Teil kon­stant über­hän­gen­den Wän­de, die an ge­neig­te Wol­ken­krat­zer er­in­nern. Gro­ße wei­ße Fle­cken mit­ten in der Wand mar­kie­ren die Nes­ter der Geier, die zwi­schen den Tür­men bis auf Arm­län­ge an die Klet­te­rer her­an­glei­ten und die Klet­te­rei da­durch noch spek­ta­ku­lä­rer gestal­ten. Das iTüp­fel­chen in der fas­zi­nie­ren­den Land­schaft bil­det das klei­ne Dörf­chen Rig­los, das sich an den Fuß der steils­ten Tür­me schmiegt. Ei­ni­ge der be­rühm­tes­ten Wän­de wie El Pisón,Vi­se­ra oder der Mo­no­lith El Pu­ro schei­nen di­rekt über den Häu­sern in den Him­mel zu wach­sen. Et­was wei­ter im Nord­wes­ten er­hebt sich der Fi­ré, der in den 1980er Jah­ren Na­mens­ge­ber für ein be­lieb­tes Schuh­paar von Bo­re­al war. Die Wand scheint auf den ers­ten Blick kaum klet­ter­bar, doch aus der Nä­he wir­ken die in meist so­li­den Lehm ein­ge­ba­cke­nen Kie­sel deut­lich grö­ßer sind als in an­de­ren be­rühm­ten Kon­glo­me­rat­ge­bie­ten. Die her­aus­ra­gen­den St­ei­ne, von den Spa­ni­ern „Kar­tof­feln“ge­nannt, ver­lan­gen lan­gen Atem und viel Aus­dau­er beim Klet­tern. Die Al­ber­to Ra­ba­da, eben­so wie die Mur­cia­na be­kannt, ist ei­ne der meist­be­such­tes­ten Tou­ren. Sie bie­tet ei­nen Weg durch ei­ne der schöns­ten Wän­de in der ge­sam­ten Grup­pe, oh­ne das es all­zu schwie­rig wird und bei ins­ge­samt recht zu­ver­läs­si­gen Si­che­rungs­punk­ten.Wer mehr in den Ar­men hat kann sich auch an der Fies­ta de los biceps an der Vi­se­ra ver­su­chen. Die ein­zig­ar­ti­ge Klet­te­rei ist seit dem be­ein­dru­cken­den Free­so­lo von Car­los Gar­cia 1989 ein Be­griff.Vor kur­zem wie­der­hol­te Alex Hon­nold die Rou­te seil­frei on­sight. Die Mur­cia­na ist leich­ter, da­für aber auch tra­di­tio­nell ab­ge­si­chert und führt durch äu­ßerst luf­ti­ges Ge­län­de in ei­ner über­hän­gen­den Wand. Die nach oben zu­neh­men­den Schwie­rig­kei­ten soll­ten nicht un­ter­schätzt wer­den. Da­zu kommt die nicht im­mer Ver­trau­en ein­flö­ßen­de Ab­si­che­rung aus mo­der­nen aber auch äl­te­ren Bohr­ha­ken. Der Fels ist gut und man ge­wöhnt sich schnell an die gro­ßen Kie­sel. Da­von aus­ge­nom­men sind nur we­ni­ge Pas­sa­gen, dar­un­ter auch die Crux. Alex Hu­ber hat in der Rou­te ei­ne be­ein­dru­cken­de So­lo­be­ge­hung hin­ge­legt. 1976 von den bei­den Brü­dern Jo­sé Lu­is und Mi­guel-An­gel Gal­le­go er­öff­net, ist die Li­nie ih­rem gro­ßen Vor­bild, dem gro­ßen Al­pi­nis­ten aus Ara­gon, Al­ber­to Ra­ba­da, ge­wid­met, der 1963 am Ei­ger ums Le­ben kam. Spä­ter wur­de die Li­nie un­ter dem Na­men Mur­cia oder Mur­cia­na be­kannt, dem

Von Mau­ri­zio Oviglia. Spitz­na­men von Mi­guel-An­gel. Die bei­den Brü­der, welt­weit be­kannt für Erst­be­ge­hun­gen wie die Mediterraneo am El Ca­pi­tan, brauch­ten zwölf Ta­ge für die Er­öff­nung am Pisón. Sie hin­ter­lie­ßen ih­re Krea­ti­on kom­plett ein­ge­rich­tet. Den­noch soll­te man ei­ni­ge Re­ser­ven mit­brin­gen. Aus­dau­er ist ab­so­lut not­wen­dig, zu­dem soll­te man sich im Som­mer nicht von der Son­ne in der Wand er­wi­schen las­sen. Die Tem­pe­ra­tu­ren er­lau­ben in je­dem Fall ei­nen frü­hen Ein­stieg. Es lohnt sich ei­nen klei­nen Sack mit Was­ser und den für den Ab­stieg not­wen­di­gen Zustiegs­schu­hen hin­ter­her­zu­zie­hen. Statt ei­nes Dop­pel­seils lässt sich auch ein 80-Me­ter-Ein­fach­seil (für den Fall ei­nes Rück­zugs) ein­set­zen. Wer aus­rei­chend Bi­zeps mit­bringt dürf­te die Rou­te von An­fang bis En­de in vol­len Zü­gen ge­nie­ßen, da die Klet­te­rei nie ein­tö­nig wird.

Die Geier sind die un­ein­ge­schränk­ten

Herr­scher in dem son­ni­gen Reich.

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