MUSS MAN DIE­SE DIN­GER BAU­EN?

Vertical (German) - - EDITORIAL - Clau­de Gar­di­en

Die Fra­ge ist so alt, wie die Seil­bah­nen selbst. Die grö­ßen­wahn­sin­ni­gen Pro­jek­te des In­dus­trie­zeit­al­ters las­sen ei­nen heu­te höchs­tens noch schmun­zeln. So prüf­te man 1895, ob sich nicht der Gip­fel der Mei­je von La Gra­ve aus mit der Ei­sen­bahn er­rei­chen lie­ße. Ge­plant war ei­ne groß­zü­gi­ge Platt­form für Tou­ris­ten auf dem Grand Pic. Be­zie­hungs­wei­se, was von dem Gip­fel üb­rig­ge­blie­ben wä­re: Um aus­rei­chen Platz für Seil­bahn­sta­ti­on, Ob­ser­va­to­ri­um, Re­stau­rant und die rest­li­che In­fra­struk­tur zu schaf­fen, soll­ten meh­re­re Dut­zend Me­ter Ma­te­ri­al vom höchs­ten Punkt ab­ge­tra­gen wer­den. Auch ei­ne Zahn­rad­bahn bis zum Gip­fel des Mont Blanc ha­ben frü­he­re Vi­sio­nä­re durch­aus ernst­haft in Er­wä­gung ge­zo­gen. Zu­min­dest wä­re da­durch we­ni­ger auf der

Goû­ter­rou­te los, die den meis­ten heu­te zu voll und zu ge­fähr­lich er­scheint. Si­cher­lich ei­ne gu­te Lö­sung, um das ak­tu­el­le Si­cher­heits­be­dürf­nis zu be­frie­di­gen, dass die brei­te Mas­se ver­spürt und dem über­eif­ri­ge Po­li­ti­ker ger­ne mit neu­en Ge­set­zen und Ein­schrän­kun­gen nach­kom­men. Wenn die we­ni­gen ver­blei­ben­den Fuß­gän­ger un­zu­frie­den Mur­ren soll­ten, dürf­te das im Qu­iet­schen der Zahn­rä­der zwei­fel­los un­ter­ge­hen. Je­den­falls hat man nie ei­nen Berg­stei­ger ge­se­hen, der über die Nord­wand, z. B. die

Mall­ory oder den Frend­opfei­ler klet­tert und an­schlie­ßend die Seil­bahn Na­se rümp­fend links lie­gen lässt, um über den Gla­cier du Géant oder die Midi-Plan-Tra­ver­se ab­zu­stei­gen! Auf der an­de­ren Sei­te fin­den sich die vi­sio­nä­ren Un­ter­neh­mer, die eben­so küh­ne wie auch fi­nan­zi­ell ris­kan­te Pro­jek­te um­ge­setzt ha­ben. Kei­ne Seil­bahn trägt zur Schön­heit des Pan­ora­mas bei und be­deu­tet ei­nen Ein­griff in die Land­schaft. Sieht man aber, wie vie­le Berg­stei­ger in den War­te­schlan­gen ste­hen, schei­nen sich die Skru­pel derVer­ti­ka­lis­ten je­der Cou­leur eher in Gren­zen zu hal­ten. Da­zu kom­men die end­lo­sen Tou­ris­ten­strö­me, die nur der fri­schen Luft und dem gran­dio­sen Pan­ora­ma zu Lie­be den Weg in gro­ße Hö­hen an­tre­ten. Oh­ne sich als eli­tär zu ou­ten, las­sen wir die Mei­nung der Tou­ris­ten zu den Seil­bah­nen den­noch au­ßen vor: Schließ­lich ken­nen sie nur Ber­ge, die über ei­ne me­cha­ni­sche Auf­stiegs­hil­fe ver­fü­gen. Mö­gen sie da­von in al­ler Ru­he pro­fi­tie­ren! So oder so sind die Stahl­kon­struk­tio­nen aus dem Al­pen­raum kaum noch weg­zu­den­ken. An der Ai­guil­le de Midi hält die Ehe zwi­schen Seil­bahn und Berg­stei­gern je­den­falls seit genau 60 Jah­ren bes­tens. Herz­li­chen Glück­wunsch!

Ar­chiv Ver­ti­cal.

Der Gip­fel der Mei­je nach der Vi­si­on mit

Seil­bahn­an­schluss.

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