HÖ­HE, BREI­TE, LÄN­GE …

Vertical (German) - - EDITORIAL - Clau­de Gar­di­en

Man­che Ber­ge re­gen die Fan­ta­sie im be­son­de­ren Ma­ße an. Der Fitz Roy ge­hört zwei­fel­los auch da­zu. Ein Ko­loss aus Gra­nit und Eis, der nur dann aus dem Sicht­feld ver­schwin­det, wenn die pa­zi­fi­schen Mons­ter­stür­me über ihn hin­weg­brau­sen. Auf dem 49. süd­li­chen Brei­ten­grad ge­le­gen, steht der ge­ra­de ein­mal 3 405 Me­ter ho­he Berg in der Re­gi­on, die See­leu­te einst Ro­aring For­ties tauf­ten.Viel fehlt nicht, und der pa­tago­ni­sche Rie­se hät­te es bis in die Fu­rious Fif­ties ge­schafft … – wo­bei wohl nicht ganz ge­klärt ist, was ei­gent­lich schlim­mer ist. So oder so muss der ge­mei­ne Berg­stei­ger le­dig­lich ab­spei­chern, dass die feh­len­de Hö­he durch den be­son­de­ren Brei­ten­grad mehr als aus­ge­gli­chen wird. Da­zu kom­men na­tür­lich durch­aus an­sehn­li­che Di­men­sio­nen: Mit 1 200 Me­tern ist die Ost­sei­te im­mer noch 300 Me­ter nied­ri­ger als die Nord- und 400 Me­ter nied­ri­ger als die West­sei­te. Die Be­ge­hun­gen am Fitz Roy wa­ren über Jahr­zehn­te sel­ten, was so­wohl der ab­ge­le­ge­nen La­ge, aber vor al­lem den Stür­men ge­schul­det war, die Berg­stei­ger wo­chen­lang in ru­di­men­tä­ren und feuch­ten Hüt­ten fest­na­gel­ten. Den­noch gab es im­mer wie­der Kan­di­da­ten, die selbst das wid­rigs­te Wet­ter nicht ab­schre­cken konn­te, wäh­rend an­de­re für im­mer und oh­ne Ge­dan­ke an Rück­kehr ab­reis­ten. Doch in­zwi­schen hat sich das Kli­ma ge­än­dert, zu­dem sind die Wet­ter­vor­her­sa­gen prä­zi­se und zu­ver­sicht­lich, so­dass es ech­te Aus­sich­ten auf Er­folg gibt. Auch der Auf­ent­halt in El Chal­ten hat viel von sei­nem rus­ti­ka­len Cha­rak­ter ver­lo­ren, und man­che ver­brin­gen hier ih­re Fe­ri­en wie an­de­re in Cha­mo­nix. Auch sind die Rou­ten und ih­re Schwie­rig­kei­ten gut doku men­tiert, wäh­rend die Klet­te­rer dank leich­ter Aus­rüs­tung schnel­ler und ef­fi­zi­en­ter un­ter­wegs sind: In­zwi­schen ist es mög­lich, die Schön­wet­ter­pha­se voll zu nut­zen, vor­aus­ge­setzt, man ist „ ak­kli­ma­ti­siert“, was die rü­den Be­din­gun­gen vor Ort be­trifft. So steht der Fitz Roy in­zwi­schen bei mehr Berg­stei­gern als je zu­vor auf der To-Do-Lis­te. Und zum Schluss noch ei­ne In­fo in ei­ge­ner Sa­che: Auf mei­ner Lis­te steht der Fitz Roy zwar (noch) nicht, den­noch ha­be ich mich be­reits von Ver­ti­cal ver­ab­schie­det, wäh­rend ihr die­se Zei­len lest. Manch­mal ist der Ruf der Ber­ge doch ein­fach un­über­hör­bar …

Foto Ralf Gant­zhorn.

Der in­dia­ni­sche Na­me des Fitz Roy hat sich auf den Ort

El Chal­ten über­tra­gen, das Cha­mo­nix Pa­ta­go­ni­ens.

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