„MIT BLICK AUF DIE WAHL“

“En vue des élec­tions”

Vocable (Allemagne) - - À La Une -

Après la ré­vé­la­ti­on d’in­ter­ven­ti­ons étran­gè­res dans la cam­pa­gne amé­ri­cai­ne, les ser­vices se­crets al­le­man­ds re­dou­tent des cy­ber-at­taques qui pour­rai­ent per­tur­ber le bon dé­rou­le­ment des élec­tions al­le­man­des. Pour lut­ter cont­re les in­fos men­son­gè­res re­lay­ées par les ré­seaux so­ci­aux, le mi­nist­re de l’In­té­ri­eur Tho­mas de Mai­ziè­re veut créer un cent­re de dé­fen­se cont­re la dés­in­for­ma­ti­on.

Wenn die Be­am­ten im Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um in­ter­ne Pa­pie­re ver­fas­sen, nei­gen sie sel­ten zu Pa­thos. Um­so er­staun­li­cher war, mit wie viel Lei­den­schaft die zu­stän­di­gen Re­fe­ren­ten von Res­sort­chef Tho­mas de Mai­ziè­re ih­ren Ver­merk zur „Be­kämp­fung po­li­ti­scher Des­in­for­ma­ti­on“in so­zia­len Netz­wer­ken auf­lu­den.

2. „Die Ak­zep­tanz ei­nes postfaktischen Zeit­al­ters kä­me ei­ner po­li­ti­schen Ka­pi­tu­la­ti­on gleich“, schrie­ben sie ih­rem Haus­herrn auf. Statt­des­sen müs­se man da­für sor­gen, dass „au­then­ti­sche po­li­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on“auch „für das 21. Jahr­hun­dert prä­gend bleibt“.

3. Was folgt, ist ein um­fang­rei­cher Maß­nah­men­ka­ta­log, wie fal­schen Nach­rich­ten und er­fun­de­nen Zi­ta­ten auf Face­book, Twit­ter und an­de­ren so­zia­len Me­di­en bei­zu­kom­men ist. Es ist der jüngs­te Bei­trag in der an­hal­ten­den De­bat­te über Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen, Fa­ke News und die Ma­ni­pu­la­ti­on der öf­fent­li­chen Mei­nung – sei es durch Pri­vat­leu­te, Ex­tre­mis­ten oder frem­de Re­gime. So weit­rei­chen­de Maß­nah­men hat noch kein Mi­nis­te­ri­um vor­ge­schla­gen.

EIN „ABWEHRZENTRUM GE­GEN DES­IN­FOR­MA­TI­ON“

4. Seit dem Wah­l­er­folg des Re­pu­bli­ka­ners Do­nald Trump treibt die Dis­kus­si­on das po­li­ti­sche Ber­lin um, und die Be­am­ten des In­nen­mi­nis­te­ri­ums ma­chen kei­nen Hehl dar­aus, war­um ih­nen das The­ma mit ei­nem Mal so wich­tig ist: „Mit Blick auf die Bun­des­tags­wahl“, schrei­ben sie, „soll­te sehr schnell ge­han­delt wer­den.“

5. Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD), plä­dier­te da­für, das vol­le Straf­maß von fünf Jah­ren aus­zu­schöp­fen, das schon heu­te für öf­fent­li­che Ver­leum­dung vor­ge­se­hen ist. Und auch die Geg­ner staat­li­cher Kon­trol­len tra­ten re­flex­ar­tig auf den Plan. Vor ei­nem „Zen­sur­mons­ter“warn­te Bernhard Roh­le­der, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des zu­stän­di­gen In­dus­trie­ver­bands Bit­com. 6. Kein Wun­der, dass sich nun auch die Be­am­ten des In­nen­mi­nis­te­ri­ums, die in In­ter­net­fra­gen gern die Füh­rer­schaft in der Re­gie­rung be­an­spru­chen, zu ei­ner Stel­lung­nah­me her­aus­ge­for­dert se­hen. Di­gi­ta­le Me­di­en wür­den „grund­le­gend neue po­li­ti­sche Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen er­mög­li­chen“, so be­schrei­ben sie „die Be­dro­hungs­la­ge“. Und als Haupt­ak­teur aus dem Aus­land wird „RUS“ge­nannt, al­so der Kreml in Mos­kau.

7. Mög­lichst schnell sol­le die Bun­des­re­gie­rung des­halb ein neu­es „Abwehrzentrum ge­gen Des­in­for­ma­ti­on“ein­rich­ten, um Auf­klä­rung zu be­trei­ben und Fal­sch­nach­rich­ten zu be­kämp­fen. „Da der Schwer­punkt bei der Öf­fent­lich­keits­ar­beit liegt“, heißt es in dem Pa­pier, sol­le „die Fe­der­füh­rung beim Bun­des­kanz­ler­amt (Bun­des­pres­se­amt) an­ge­sie­delt wer­den“, al­so der mehr als 500 Mit­ar­bei­ter gro­ßen Be­hör­de von Mer­kels Spre­cher Stef­fen Sei­bert.

WAHLKÄMPFE ALS FA­KE-NEWS-SCHLACHTEN

8. Nach An­sicht der Mi­nis­te­ria­len gibt es da­bei kei­ne Zeit zu ver­lie­ren. Zu­dem müs­se „aus­rei­chend Per­so­nal zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den“. Wie zu­vor be­reits die Frak­ti­ons­chefs von SPD und Uni­on for­dern de Mai­ziè­res Be­am­te ei­ne här­te­re Gan­gart ge­gen­über Face­book, Twit­ter und Co.

7. mög­lichst schnell le plus ra­pi­de­ment pos­si­ble / das Abwehrzentrum ge­gen le cent­re de lut­te cont­re / ein-rich­ten in­stau­rer, créer / Auf­klä­rung be­trei­ben(ie,ie) oeu­vrer à l’in­for­ma­ti­on, in­for­mer / der Schwer­punkt le po­int prin­ci­pal / die Öf­fent­lich­keits­ar­beit les re­la­ti­ons pu­bli­ques, le tra­vail de sen­si­bi­li­sa­ti­on / die Fe­der­füh­rung la re­s­ponsa­bi­lité / das Bun­des­kanz­ler­amt la chan­cel­le­rie fédé­ra­le / das Bun­des­pres­se­amt l’of­fice de pres­se fédé­ral / … bei jdm an-sie­deln at­tri­buer … à qqn / die Be­hör­de le ser­vice (ad­mi­nis­tra­tif).

8. nach An­sicht jds de l’avis de qqn / der Mi­nis­te­ria­le le fonc­tion­nai­re du mi­nis­tè­re / zu­dem de sur­croît / aus­rei­chend suf­fi­sam­ment / zur Ver­fü­gung stel­len mett­re à dis­po­si­ti­on / zu­vor au­pa­ra­vant / der Frak­ti­ons­chef(s) le chef du grou­pe par­le­men­taire / die Uni­on = die CDU, die Christ­lich-De­mo­kra­ti­sche Uni­on + die CSU, die Christ­lich-So­zia­le Uni­on (par­ti ba­va­rois in­dé­pen­dant, al­lié tra­di­ti­on­nel de la CDU) / for­dern ré­cla­mer / die har­te Gan­gart la li­gne du­re, les me­su­res sé­vè­res. 9. In po­li­ti­schen Ge­sprä­chen mit den Be­trei­bern der Netz­wer­ke sol­len von die­sen „Bei­trä­ge zur Lö­sung des Pro­blems ein­ge­for­dert“wer­den, et­wa die Zu­sa­ge zur „Lö­schung er­kann­ter Fal­sch­mel­dun­gen“, die „Ver­brei­tung von Rich­tig­stel­lun­gen“so­wie zu Maß­nah­men ge­gen „So­ci­al Bots“– klei­ne Pro­gram­me, die mit­hil­fe echt wir­ken­der Be­nut­zer­kon­ten au­to­ma­ti­siert Pro­pa­gan­da ver­brei­ten kön­nen.

10. Zu­dem soll das neue Zen­trum die Me­di­en­kom­pe­tenz sol­cher Be­völ­ke­rungs­grup­pen stär­ken, die für aus­län­di­sche Hass­pro­pa­gan­da be­son­ders an­fäl­lig sei­en, „Russ­land­deut­sche“bei­spiels­wei­se. Da­bei mö­gen die Be­am­ten an die Pro­tes­te im „Fall Li­sa“ge­dacht ha­ben. Zu Hun­der­ten zo­gen Spät­aus­sied­ler da­mals pro­tes­tie­rend durch die Stra­ßen, nach­dem Mos­kau­er Agi­ta­to­ren Fal­sch­mel­dun­gen über ei­ne an­geb­li­che Ver­ge­wal­ti­gung des Mäd­chens ver­brei­tet hat­ten.

11. Als wei­te­re Grup­pe, bei der „auf­grund be­son­de­rer In­ter­es­sen aus­län­di­scher Staa­ten“ei­ne „besondere Be­trof­fen­heit“be­ste­he, nennt das Pa­pier „tür­kisch­stäm­mi­ge Men­schen”. Auch für sie sei ei­ne „In­ten­si­vie­rung der po­li­ti­schen Bil­dungs­ar­beit“von­nö­ten.

12. De Mai­ziè­res Be­am­te fürch­ten, dass sich die kom­men­den Wahlkämpfe in Deutsch­land zu Fa­ke-News-Schlachten wie in den USA ent­wi­ckeln könn­ten. Die Ex­per­ten re­gen des­halb an, dass die Par­tei­en vor den nächs­ten Land­tags­wah­len ein Fair­ness­ab­kom­men ab­schlie­ßen soll­ten: „Kein Ein­satz von So­ci­al Bots, kei­ne Be­zug­nah­me auf Fa­ke News“.

13. De Mai­ziè­res Fach­leu­te wol­len „die po­li­ti­schen Ab­wehr­kräf­te der Be­völ­ke­rung“stär­ken, mehr noch als „neue Ver­bots­re­ge­lun­gen“schaf­fen. So se­hen das auch die meis­ten an­de­ren Bun­des­mi­nis­te­ri­en, die da­vor zu­rück­schre­cken, zu vie­le neue Ge­set­ze zu schrei­ben. „Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wür­de schon beim lei­ses­ten Ver­dacht ein­grei­fen, wir woll­ten die Mei­nungs­frei­heit ein­schrän­ken“, mahnt ein Re­gie­rungs­mit­glied.

14. Auch Jus­tiz­mi­nis­ter Maas will ab­war­ten, bis der Mo­ni­to­ring­be­richt vor­liegt, den sein Haus ge­ra­de an­fer­ti­gen lässt. Da­rin soll über­prüft wer­den, ob die von den In­ter­net­kon­zer­nen ein­ge­rich­te­ten Mecha­nis­men ge­gen Hass­mel­dun­gen, ex­tre­mis­ti­sche oder ju­gend­ge­fähr­den-

de In­hal­te funk­tio­nie­ren. Ein ers­ter Zwi­schen­be­richt der Kon­troll­stel­le Ju­gend­schutz.net kommt zu ei­nem er­nüch­tern­den Er­geb­nis: „Noch im­mer dau­ert es zu lan­ge, bis Hass­bot­schaf­ten aus den Netz­wer­ken ver­schwin­den“, so Ste­fan Gla­ser, Vi­ze­chef von Ju­gend­schutz.net.

15. Der Main­zer Ju­gend­schüt­zer be­ob­ach­tet seit den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren ei­ne Ra­di­ka­li­sie­rung der De­bat­te. „Da­bei er­rei­chen aus­ge­rech­net die­se ma­ni­pu­lie­ren­den Sei­ten mit ih­ren ge­schickt kon­stru­ier­ten Lü­gen­ge­schich­ten be­son­ders ho­he Ver­brei­tung in den so­zia­len Netz­wer­ken“, klagt Gla­ser.

16. Ähn­li­che Er­kennt­nis­se lie­gen auch auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne vor. Ei­ne ers­te Eva­lu­ie­rung, die den EU-Jus­tiz­mi­nis­tern An­fang De­zem­ber vor­ge­legt wur­de, zeigt: Von 600 als rechts­wid­rig ge­mel­de­ten Pos­tings wur­den 28 Pro­zent ent­fernt, 40 Pro­zent der Ant­wor­ten gab es in­ner­halb von 24 St­un­den, wei­te­re 43 Pro­zent in­ner­halb von zwei Ta­gen. Be­tei­ligt an der sechs­wö­chi­gen Un­ter­su­chung wa­ren zwölf Prüf­or­ga­ni­sa­tio­nen in neun EU-Län­dern, in Deutsch­land un­ter an­de­rem die Frei­wil­li­ge Selbst­kon­trol­le Mul­ti­me­dia-Di­ens­te­an­bie­ter. Der Groß­teil der Be­an­stan­dun­gen (45 Pro­zent) be­traf Pos­tings bei Face­book.

17. Na­tio­na­le Al­lein­gän­ge, wie sie deut­sche Po­li­ti­ker pla­nen, sieht die EU al­ler­dings skep­tisch. „Ei­ne Ver­viel­fa­chung der ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen auf na­tio­na­ler Ebe­ne“wür­de Un­ter­neh­men und Nut­zer dar­an hin­dern, „vom di­gi­ta­len Bin­nen­markt zu pro­fi­tie­ren“, heißt es in der Kom­mis­si­on. Dort gibt es er­heb­li­che Zwei­fel dar­an, ob ein deut­sches Ge­setz ge­gen Fa­ke News mit der eu­ro­päi­schen E-Com­mer­ce-Richt­li­nie ver­ein­bar wä­re.

(©Dar­ko Vo­ji­no­vic/AP/SIPA)

Im Kampf ge­gen Falsch­be­rich­te im Netz will In­nen­mi­nis­ter de Mai­ziè­re ei­ne Ab­wehr­zen­tra­le ge­gen Des­in­for­ma­ti­on schaf­fen.

(© Micha­el Kap­peler/AP/SIPA)

Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas, Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­zie­re.

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