STELL DEIN LE­BEN AUF DEN KOPF

Bou­le­ver­se ta vie

Vocable (Allemagne) - - Société - VON SU­SAN­NE KAILITZ

Chan­ger de vie du jour au len­de­main. Qui n’en a ja­mais rêvé ? Se­lon plu­sieurs cher­cheurs ce­la pour­rait mê­me êt­re la clé du bon­heur. Com­me pour ce con­sul­tant qui a tout quit­té pour ou­vr­ir un food-truck vé­ga­ne, ou Ni­co Ros­berg qui a dé­ci­dé d’aban­don­ner la For­mu­le 1 sitôt de­venu cham­pi­on du mon­de.

Bloß raus aus der Sack­gas­se. Das wünsch­te sich der Un­ter­neh­mens­be­ra­ter Chris­ti­an Ku­per. Sei­ne Be­rufs­wahl war qua­si ge­ne­tisch be­dingt. „Ich kom­me aus ei­ner Fa­mi­lie von Ban­kern.“Ku­per hat­te Er­folg, be­kam mehr und mehr Ver­ant­wor­tung, mehr und mehr Geld – und im­mer mehr see­li­sche Pro­ble­me. 2013 warf er sich ins Steu­er­rad und ver­ließ den al­ten Kurs.

2. Ei­nen Plan B hat­te er da­mals nicht, wohl aber die Ge­wiss­heit, et­was an­de­res mit sich und sei­nem Le­ben an­fan­gen zu müs­sen. Al­so kün­dig­te er sei­nen Job, zog sich aus al­lem zu­rück. Er ha­be Angst ge­habt, aber auch Mut ge­spürt. „Ich setz­te mich hin und über­leg­te, was ich in Zu­kunft ma­chen will.“

DAS WAGNIS KANN SICH WIRK­LICH LOH­NEN

3. Und dann kam ihm die Idee. Ku­per schrieb ei­nen Bu­si­ness­plan („Das kann ich ja ziem­lich gut!“) und mie­te­te 2014 den ers­ten Last­wa­gen. Seit­dem ver­kauft er aus sei­nen Food-Trucks her­aus ve­ga­ne Spei­sen in Ham­burg. Ob die Sa­che wirk­lich läuft, ist noch nicht klar. Ku­per hat ei­nen In­ves­tor ge­fun­den, aber er weiß, er muss noch je­den Mo­nat kämp­fen. Für ihn ist et­was an­de­res wich­tig: „Ich spü­re, dass ich das Rich­ti­ge tue.“

4. Men­schen, die in der Kri­se ste­cken und reif für ei­ne Ve­rän­de­rung sind, gibt Ku­per ei­nen ra­di­ka­len Rat: „Macht es gleich rich­tig. Es bringt nichts, in ei­nem Job zu blei­ben, den man ei­gent­lich nicht mag, und par­al­lel zu ver­su­chen, et­was Neu­es auf­zu­bau­en. Man muss oh­ne Fall­schirm sprin­gen, dann hat man den Wind un­ter den Flü­geln, den man braucht.“

5. Mo­ment mal! Ge­ben nicht al­le Le­bens­be­ra­ter, Glücks-Gu­rus und See­len-Kun­di­ge den drin­gen­den Rat, man mö­ge doch bit­te das neue Da­sein (wenn über­haupt) in klei­nen Schrit­ten wa­gen? Gilt es nicht als aus­ge­macht, dass wir uns das Aben­teu­er ei­nes neu­en Le­bens nur in ho­möo­pa­thi­schen Do­sen zu­füh­ren soll­ten?

6. Eben nicht. Der Mensch kann gro­ße Schrit­te ma­chen. Und gro­ße Schrit­te füh­ren nun mal schnel­ler dort­hin, wo so vie­le hin wol­len. In ein neu­es, bes­se­res Le­ben.

7. Psy­cho­lo­gi­sche Stu­di­en zei­gen: Das Wagnis, das al­te Le­ben ab­rupt hin­ter sich zu las­sen, kann sich wirk­lich loh­nen. Weil es glück­lich macht.

8. Die Vor­tei­le ei­ner Ra­di­kal­kur: Der Un­ter­schied zwi­schen dem al­ten und dem neu­en Le­ben lässt sich deut­lich se­hen und spü­ren. Au­ßer­dem stärkt ein wirk­li­cher Kurs­wech­sel das Ego. Man sieht, wo­zu man fä­hig ist.

VE­RÄN­DE­RUNG BE­DEU­TET RI­SI­KO

9. Wer sich nach ei­nem neu­en Le­ben sehnt, muss üb­ri­gens im bis­he­ri­gen Le­ben kein Ver­sa­ger sein. Auch er­folg­rei­che, sehr er­folg­rei­che Men­schen spü­ren das Ver­lan­gen, von jetzt auf gleich al­les an­ders zu ma­chen und aus dem Ge­wohn­ten aus­zu­stei­gen.

10. Der Rennfahrer Ni­co Ros­berg er­rang in die­ser For­mel-1-Sai­son den Ti­tel des Welt­meis­ters und ver­kün­de­te im Au­gen­blick sei­nes größ­ten Tri­umphs den so­for­ti­gen Rück­zug vom Renn­sport. Er tat es oh­ne Plan B, oh­ne Brim­bo­ri­um und oh­ne Weh­kla­gen. Er hat­te er­reicht, was zu er­rei­chen war, ab jetzt galt es für ihn, ein neu­es Le­ben zu wa­gen. 11. Das Ge­fühl, sie soll­ten ein paar al­te Ge­wohn­hei­ten mög­lichst bald ab­le­gen, ken­nen vie­le Men­schen. Den Ruf des Dich­ters Rai­ner Ma­ria Ril­ke: „Du musst dein Le­ben än­dern!“, hö­ren zwar vie­le, aber bei den meis­ten bleibt die lang er­sehn­te Ve­rän­de­rung doch nur ein Wunsch.

12. War­um? Weil der Mensch ein Ge­wohn­heits­we­sen ist. Rou­ti­ne be­deu­tet Si­cher­heit. Ve­rän­de­rung be­deu­tet Ri­si­ko. Für das mensch­li­che Hirn, so er­klärt es der Bre­mer Ge­hirn­for­scher Ger­hard Roth, sei­en ein­ge­spiel­te Ver­hal­tens­wei­sen eben „be­son­ders ef­fi­zi­ent“.

13. Neue und dann auch noch kom­ple­xe Si­tua­tio­nen er­for­dern „Auf­merk­sam­keit und Kraft“. In die­ses Aben­teu­er be­ge­ben sich Men­schen nur, wenn ein ge­wis­ser Lei­dens­druck sie in Be­we­gung setzt. Wirk­lich gro­ße Ver­hal­tens­än­de­run­gen, weiß Roth, ge­lin­gen nur un­ter ei­ner Be­din­gung.

14. Wenn das, was wir wol­len, und das, was wir sol­len, über­ein­stim­men. „Es ist die er­schüt­ternds­te Er­kennt­nis nach jah­re­lan­ger Hirn­for­schung, dass un­ser Ver­stand im Grun­de kei­ner­lei Wir­kungs­macht hat. Sie wer­den kei­ne rein ra­tio­na­le Ent­schei­dung tref­fen und um­set­zen kön­nen, wenn der Bauch nicht mit­spielt und Sie mit Ih­ren Emo­tio­nen nicht da­bei sind.“

KON­KRE­TER PLAN

15. Der stärks­te Mo­ti­va­tor da­für sei, so Roth, ein ge­wis­ser Lei­dens­druck. Das Ge­fühl, dass es so nicht wei­ter­ge­hen kann. Die Über­zeu­gung, wir müs­sen hier raus, aus der dunk­len Woh­nung, dem ner­vi­gen Job oder der Be­zie­hung, die uns schon längst nicht mehr glück­lich macht.

16. Auf die Über­le­gun­gen fol­ge ei­ne Pha­se der Pla­nung. Denn das gilt es zu be­den­ken: Auch im ganz neu­en, an­de­ren Le­ben muss man die Mie­te zah­len und Le­bens­mit­tel kau­fen.

17. Fra­gen Sie an­de­re Men­schen, die schon ge­tan ha­ben, was Sie tun wol­len. Be­trei­ben Sie ei­ni­ge Re­cher­chen in den so­zia­len Netz­wer­ken. Auf die­se Wei­se ent­ste­he Schritt für Schritt ein kon­kre­ter Plan, der zum Ziel führt. Und wenn nicht? Macht gar nichts. Dann ist ge­ra­de vi­el­leicht nicht der rich­ti­ge Zeit­punkt für ei­ne Ve­rän­de­rung, oder das an­ge­peil­te Ziel ist doch nicht das rich­ti­ge.

18. Oder Sie kom­men ganz ein­fach zu dem Schluss, dass Sie kei­ne Ve­rän­de­rung brau­chen, weil Ihr Le­ben so ist, wie es sein soll. Manch­mal stel­le man eben fest, dass al­les in Ord­nung ist, wie es ist.

(DR)

Chris­ti­an Ku­per in sei­nem Food­truck.

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