Ei­ne An­nä­he­rung an die Wahr­heit

„Egon Schiele“, le nou­veau biopic de Die­ter Ber­ner

Vocable (Allemagne) - - Sommaire - DIE­TER BER­NER Réa­li­sa­teur

Le réa­li­sa­teur autri­chi­en Die­ter Ber­ner si­gne le biopic « Egon Schiele » ad­ap­té du ro­man de Hil­de Ber­ger sur la re­la­ti­on du peint­re vi­en­nois avec ses mo­dè­les. Les em­blé­ma­ti­ques pein­tures du jeu­ne maît­re qui ja­lon­nent le film éclai­rent sa vie tour­men­tée et son de­s­tin tra­gi­que. A dé­cou­vr­ir en sal­le dès le 9 août.

Vocable: Wel­che Rol­le spie­len Schie­les be­kann­te Bil­der in Ih­rem Film, wie wer­den sie ge­zeigt? Die­ter Ber­ner: Das ist ein gro­ßes The­ma. In sehr vie­len Mal­er­fil­men wir­ken Bil­der nicht sehr gut auf der Lein­wand. Das liegt ein­fach dar­an, dass Film ein an­de­res Me­di­um ist als Ma­le­rei. Die Ma­le­rei wird durch den Film ge­fil­tert. Wir woll­ten den Ori­gi­nal­bil­dern mög­lichst na­he­kom­men, ha­ben ver­schie­de­ne Ver­su­che und Pro­be­auf­nah­men ge­macht. Wir ha­ben uns auf we­ni­ge Bil­der be­schränkt. Wir woll­ten ja kei­ne Schie­leAus­stel­lung ma­chen. Ab­sicht des Films ist es, den Be­zug zwi­schen Bild und Le­ben her­zu­stel­len, an­hand von we­ni­gen Bil­dern, vor al­lem an­hand des Haupt­bil­des „Tod und Mäd­chen“. Wir woll­ten zei­gen, in wel­chen Um­stän­den Egon

Schiele zu die­ser Zeit leb­te und wie er die­ses Bild ge­malt hat. Da­mit ge­ben wir dem Bild Be­deu­tung.

2. Vocable: Im Film zei­gen Sie deut­lich Schie­les Am­bi­va­lenz. Der Zu­schau­er ist fas­zi­niert vom Künst­ler, sieht ihn aber nicht als ei­nen Hel­den. War das Ih­re Ab­sicht? Ber­ner: Das se­he ich ge­nau­so, wie Sie das sa­gen. Die Ge­fahr ei­nes Bio­pics liegt im­mer da­rin, dass es ei­ne Apo­theo­se ei­nes Hel­den wird. Meis­tens stimmt das nicht mit der Wirk­lich­keit über­ein. Mir war es wich­tig, Egon Schie­les Kom­ple­xi­tät an­hand sei­nes Le­bens und sei­ner Be­zie­hun­gen spür­bar zu ma­chen. Für Egon Schiele war die Kunst ei­ne Mög­lich­keit zu le­ben, ei­ne Aus­weich­mög­lich­keit aus der Tra­gik sei­ner Kind­heit. Sein Va­ter ist an Sy­phi­lis ge­stor­ben, und er war ein sehr schlech­ter Schü­ler. Er hat­te al­so ziem­lich gro­ße Schwie­rig­kei­ten in sei­ner Kind­heit. Er hat aber im­mer ge­zeich­net wie ein Wahn­sin­ni­ger. Das Zeich­nen war für ihn ei­ne Mög­lich­keit, die Welt in den Griff zu krie­gen, die Welt zu be­grei­fen. Des­halb emp­fin­den wir auch et­was, wenn wir sei­ne Bil­der se­hen.

3. Vocable: War Egon Schiele für sei­ne Zeit­ge­nos­sen zu avant­gar­dis­tisch oder hät­te er auch heu­te noch scho­ckiert? Ber­ner: Er war na­tür­lich nicht zu avant­gar­dis­tisch, im Ge­gen­teil. Er hat nicht ge­malt, um als Avant­gar­dist wahr­ge­nom­men zu wer­den. Er hat ge­malt, um als Ex­pres­sio­nist et­was aus­zu­drü­cken. Er hat es ver­stan­den, Bil­der mit sei­nen Emo­tio­nen zu ver­bin­den, das ist das Wich­ti­ge. Die Tat­sa­che, dass er sol­che Skan­da­le aus­lös­te, hat mich ei­gent­lich nicht so sehr in­ter­es­siert. Ich glau­be eher, dass es ein My­thos ist. Dies hat nur der Ver­brei­tung sei­ner Bil­der ge­dient. Tat­säch­lich war er ein sehr um­gäng­li­cher Mensch,

der mit Frau­en sehr gut um­ge­hen konn­te. Er hat ei­gent­lich ein fast be­schei­de­nes Le­ben ge­führt.

4. Der Skan­dal ent­stand we­gen sei­ner Darstel­lun­gen von kind­li­cher Se­xua­li­tät. Dies war aber auch ein The­ma sei­ner Zeit. Freud hat die kind­li­che Se­xua­li­tät ent­deckt. Schiele hat sie ei­gent­lich nicht dar­ge­stellt, um zu pro­vo­zie­ren, son­dern weil er et­was mit­tei­len woll­te.

5. Er ist als 16-Jäh­ri­ger mit sei­ner 12-jäh­ri­gen Schwes­ter im Zug nach Triest ge­fah­ren, und sie ha­ben dort ge­mein­sam die Ferien am Meer ver­bracht. Er hat sie dort in ei­nem Ho­tel­zim­mer ge­malt. Es gibt ver­schie­de­ne Ver­mu­tun­gen über ei­ne in- zes­tuö­se Be­zie­hung, die er mit sei­ner Schwes­ter hat­te. Die spürt man im Film auch ein biss­chen. Wir woll­ten uns da­bei aber nicht fest­le­gen. Aber es ist klar, dass Egon Schiele sein Le­ben lang von jun­gen Mäd­chen­kör­pern fas­zi­niert war. Aber nach sei­nem Pro­zess hat er prak­tisch kei­ne kind­li­chen Frau­en mehr ge­zeich­net.

6. Vocable: Wie weit darf man im Na­men der Kunst ge­hen? Ber­ner: Wie weit darf man im Na­men der Kunst ge­hen? Ja, ich stel­le mir die­se Fra­ge ei­gent­lich nicht. So­lan­ge man Kunst macht, kann man nicht weit ge­nug ge­hen. Kunst be­steht eben da­rin, Gren­zen zu über­schrei­ten. Der Un­ter­schied zwi­schen Kunst und Por­no­gra­fie könn­te sein, dass die Ab­sicht der Por­no­gra­fie ist, zu er­re­gen, wäh­rend die Ab­sicht der Kunst ist, das exis­ten­zi­el­le Er­leb­nis zu ver­mit­teln. Schiele selbst hat

ge­sagt: „Ich bin Künst­ler und kein Por­no­graf.“Sei­ne Ab­sicht war nicht, mit die­ser Darstel­lung Geld zu ver­die­nen, was die Ab­sicht der Por­no­gra­fie ist. Die Darstel­lung soll­te ei­ne An­nä­he­rung an die Wahr­heit sein.

7. Vocable: Die Licht­ge­stal­tung ist be­son­ders be­ein­dru­ckend in Ih­rem Film. Was woll­ten Sie da­mit zei­gen? Ber­ner: Die Ab­sicht war, Schie­les Bil­der von der Bild­spra­che des Films ab­zu­he­ben. Da­mit be­greift man den künst­le­ri­schen Akt des Ma­lens bes­ser, den Un­ter­schied zwi­schen Rea­li­tät und Bild. In Schie­les Bil­dern feh­len meist Raum und Ac­ces­soires, das We­sent­li­che ist die Fi­gur. Sie ste­hen im Kon­trast zum Film, in dem der Raum und die Licht­stim­mung sehr wich­ti­ge Be­stand­tei­le der Gestal­tung sind. Der Film ver­sucht al­so be­wusst, dem ex­pres­si­ven Stil Schie­les die Rea­li­tät ge­gen­über­zu­stel­len.

(©Bo­de­ga)

Der Künst­ler und die Frau­en: Noah Saa­ve­dra als Schiele.

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