Die Frau, die der Kunst Raum gibt

Anna­bel­le Sell­dorf, ar­chi­tec­te allemande, par­le de son tra­vail dans les ga­le­ries d'art

Vocable (Allemagne) - - Sommaire - ANNA­BEL­LE SELL­DORF ar­chi­tec­te allemande

L’ar­chi­tec­te allemande Anna­bel­le Sell­dorf a amé­na­gé des ga­le­ries d’art par­tout dans le mon­de. Son der­nier chan­tier : le nou­vel es­pace d’ex­po­si­ti­on lon­do­ni­en de la star des ga­le­ris­tes Th­ad­da­eus Ro­pac. Une dis­cus­sion sur la mi­se en scè­ne de l’art et l’art de la mi­se en scè­ne !

Das Ely Hou­se im Lon­do­ner Stadt­teil May­fair ist ei­ne Le­gen­de. En­de des 18. Jahr­hun­derts für den Bi­schof von Ely er­rich­tet, däm­mer­te es zu­letzt vor sich hin. Star-Ar­chi­tekt Sir Nor­man Fos­ter woll­te es vor Jah­ren kau­fen, aber die da­ma­li­ge Be­sit­ze­rin konn­te sich noch nicht da­von tren­nen. Jetzt wird der Pa­last zu ei­ner der ers­ten Kun­st­adres­sen der Stadt. Der ös­ter­rei­chi­sche Star-Ga­le­rist Th­ad­da­eus Ro­pac prä­sen­tiert dort künf­tig sei­ne Künst­ler auf 1500 Qua­drat­me­tern. Die Räu­me ließ er von Anna­bel­le Sell­dorf ge­stal­ten. Die Deut­sche mit Bü­ro in New York zählt zu den re­nom­mier­tes­ten Ar­chi­tek­tin­nen welt­weit. Spe­zia­li­siert hat sie sich auf spek­ta­ku­lä­re Kunst­bau­ten. Ihr Bü­ro ent­warf et­wa das Lu­ma im fran­zö­si­schen Ar­les oder das Mu­se­um of Com­tem­pora­ry Art in San Die­go.

2. FO­CUS: Frau Sell­dorf, wie kommt es, dass Sie vor al­lem Kun­sträu­me ent­wer­fen? Anna­bel­le Sell­dorf: Ich den­ke, dass mei­ne Art, Räu­me zu se­hen, der Kunst zu­träg­lich ist. Mei- 1. der Stadt­teil(e) le quar­tier / der Bi­schof(¨e) l’évêque / er­rich­ten con­strui­re / vor sich hin-däm­mern som­n­o­ler / zu­letzt ces der­niers temps / da­ma­lig≈ de l’épo­que / die Be­sit­ze­rin la pro­prié­taire / sich von … tren­nen se sépa­rer de … / der Pa­last(¨e) le pa­lais / künf­tig à l’ave­nir / der Raum(¨e) la piè­ce, la sal­le / ge­stal­ten amé­na­ger / zu … zäh­len comp­ter par­mi … / ent­wer­fen(a,o,i) con­ce­voir, fai­re les plans de. 2. wie kommt es com­ment se fait-il / der Kunst­raum(¨e) l’es­pace ar­tis­tique, d’art / ei­ner Sa­che zu­träg­lich sein con­ve­nir à qqch /

ne Vi­si­on vom Raum ba­siert auf ganz sim­plen Pro­por­tio­nen, die Ru­he und Mä­ßi­gung be­inhal­ten. Das funk­tio­niert im Zu­sam­men­spiel mit Kunst sehr gut. Ich ha­be nie das Ge­fühl, dass ich Kunst di­ri­gie­re. Viel­mehr möch­te ich ihr Raum las­sen.

3. FO­CUS: Sie ha­ben ge­ra­de für den Ga­le­ris­ten Th­ad­da­eus Ro­pac das denk­mal­ge­schütz­te Ely Hou­sein Lon­don um­ge­baut. Was hat Sie ge­reizt, die­ses Ge­bäu­de zu re­stau­rie­ren? Sell­dorf: Man muss erst ein­mal er­kun­den, war­um es denk­mal­ge­schützt ist, und dann neue Hier­ar­chi­en er­stel­len, an de­nen man kri­tisch er­le­ben kann, wie die Ar­chi­tek­tur funk­tio­niert. Des­we­gen hat mich die­ser Auf­trag von Th­ad­da­eus so in­ter­es­siert: weil die Ar­chi­tek­tur schon exis­tiert. Was bleibt zu tun, um das Gan­ze grund­le­gend zu ver­än­dern? Du musst über je­des ein­zel­ne De­tail nach­den­ken. Die­se Sen­si­bi­li­tät, die Mä­ßi­gung la mo­dé­ra­ti­on, la so­brié­té / be­inhal­ten(ie,a,ä) com­por­ter /im Zu­sam­men­spiel mit en rap­port avec / viel­mehr plu­tôt / ei­ner Sa­che Raum las­sen lais­ser de l’es­pace à qqch. 3. ge­ra­de ve­nir de / denk­mal­ge­schützt clas­sé mo­nu­ment his­to­ri­que / um-bau­en trans­for­mer / rei­zen at­ti­rer, ten­ter / das Ge­bäu­de(-) le bâ­ti­ment / er­kun­den ex­plo­rer, dé­cou­vr­ir / er­stel­len éta­b­lir / er­le­ben fai­re l’ex­pé­ri­ence / des­we­gen par con­séquent / der Auf­trag(¨e) la mis­si­on / grund­le­gend fon­da­men­ta­le­ment / über etw nach-den­ken réflé­chir à qqch / sich auf die Ge­ge­ben­hei­ten ein­zu­las­sen, die reizt mich.

4. FO­CUS: Was war die größ­te Her­aus­for­de­rung bei die­sem Pro­jekt? Sell­dorf: Die Gran­deur die­ses Hau­ses zum Aus­druck zu brin­gen. Im Lau­fe der Jah­re war die ur­sprüng­li­che Form fast ver­schwun­den. Es gab sehr vie­le La­gen von un­sen­si­blen, kit­schi­gen Ein­grif­fen, von de­nen kei­ner wich­tig war. Im Grun­de ist es so, als wür­de ich ei­ne Oran­ge schä­len, so lan­ge, bis ich dem Haus die Frei­heit zu­rück­ge­ben kann. sich auf … ein-las­sen s’ad­ap­ter à … / die Ge­ge­ben­heit la réa­lité, pl. la si­tua­ti­on. 4. die Her­aus­for­de­rung le dé­fi / zum Aus­druck brin­gen ex­pri­mer, tra­du­i­re / im Lau­fe der Jah­re au fil du temps / ur­sprüng­lich ori­gi­nel / ver­schwin­den(a,u) dis­pa­raît­re / die La­ge la cou­che / der Ein­griff(e) l’in­ter­ven­ti­on / im Grun­de au fond / schä­len ép­lu­cher / zu­rück-ge­ben rend­re.

5. FO­CUS: Sie ha­ben von der Wich­tig­keit des ein­zel­nen De­tails ge­spro­chen: Wor­auf ach­ten Sie als Ers­tes? Sell­dorf: Die Er­fah­rung von Raum und Pro­por­ti­on geht der Er­fah­rung von Ma­te­ria­li­en vor­an. Das heißt nicht, dass das ei­ne er­lebt wird und das an­de­re nicht. Son­dern es geht dar­um, dass das ei­ne das an­de­re un­ter­stützt. Im Ely Hou­se zum Bei­spiel er­lebt man das Ta­ges­licht auf sehr be­son­de­re Wei­se. Als ich das be­merkt ha­be, ha­ben wir ent­schie­den, das Sky­light wie­der zu öff­nen, so­dass jetzt das Licht vom obers­ten Stock­werk bis ins Erd­ge­schoss fällt. Licht in Lon­don ist in­ter­es­sant, weil es ganz an­ders ist als Licht in New York oder Licht in Köln. Die­se 5. die Wich­tig­keit l’im­port­an­ce / ein­zeln≈ chaque / auf etw ach­ten fai­re at­ten­ti­on à qqch / die Er­fah­rung l’ex­pé­ri­ence, l’ob­ser­va­ti­on / ei­ner Sa­che vor­an-ge­hen pré­cé­der, pas­ser avant qqch / er­le­ben vi­v­re, voir / un­ter­stüt­zen sou­ten­ir, ren­forcer /das Ta­ges­licht la lu­miè­re du jour / auf be­son­de­re Wei­se de fa­çon par­ti­cu­liè­re / das obers­te Stock­werk l’éta­ge su­pé­ri­eur / kon­kre­ten und spe­zi­fi­schen Ele­men­te wahr­zu­neh­men und zur Gel­tung zu brin­gen, dar­um geht es mir vor al­lem.

6. FO­CUS: Ist es nicht de­pri­mie­rend, im­mer nur wei­ße Räu­me zu ge­stal­ten? Sell­dorf: Nein. Ich mag Weiß. Weiß ist ei­ne gu­te Far­be, da man mit Weiß Ru­he schaf­fen kann.

7. FO­CUS: Licht ist ja über­haupt das wich­tigs­te Ele­ment, um Kunst in Sze­ne zu set­zen. Wel­che Art und Far­be von Glüh­bir­nen ver­wen­den Sie in Kun­sträu­men? Sell­dorf: Ich ar­bei­te fast aus­schließ­lich mit LED. Und für Kun­sträu­me schla­ge ich im­mer 4000 Cal­vin vor. Das ist ein küh­les, gleich­mä­ßi­ges Licht. Nicht schmei­chelnd, son­dern neu­tral.

8. FO­CUS: Wo bleibt das ei­ge­ne Ego, wenn man ei­nen Kunst­raum ge­stal­tet? Sell­dorf: In der Re­so­nanz. Du schaffst Räu­me, die sich ein­prä­gen, die in Er­in­ne­rung blei­ben. In mei­ner Ar­beit geht es dar­um, Räu­me für Men­schen zu ent­wer­fen, nicht nur Räu­me für die Kunst. Räu­me, in de­nen Men­schen et­was er­le­ben. Räu­me, in de­nen Men­schen ei­ne in­ti­me, per­sön­li­che Er­fah­rung ma­chen kön­nen.

9. FO­CUS: Was, glau­ben Sie, ist der Grund, war­um Sie be­auf­tragt wer­den? Was ist ty­pisch Sell­dorf? Sell­dorf: Ich ma­che nichts Un­nüt­zes. Das klingt ba­nal, ist aber we­sent­lich. Die trans­for­ma­ti­ve Kraft von Ar­chi­tek­tur ist wich­ti­ger als al­les an­de­re.

wahr-neh­men sai­sir / zur Gel­tung brin­gen mett­re en val­eur / dar­um geht es mir c’est ce qui m’im­por­te. 6. Ru­he schaf­fen ap­por­ter l’im­pres­si­on de cal­me, une at­mo­s­phè­re cal­me. 7. über­haupt d’ail­leurs / die Glüh­bir­ne l’am­poule / ver­wen­den uti­li­ser / aus­schließ­lich ex­clu­si­ve­ment / vor-schla­gen(u,a,ä) pro­po­ser / kühl fro­id / gleich­mä­ßig uni­for­me / schmei­chelnd flat­teur. 8. die Re­so­nanz l’écho / schaf­fen(u,a) créer / sich ein-prä­gen res­ter gra­vé dans la mé­moi­re / in Er­in­ne­rung blei­ben res­ter en mé­moi­re. 9. sie ist be­auf­tragt wor­den on lui a con­fié le pro­jet / nichts Un­nüt­zes ri­en d’inu­ti­le / ba­nal klin­gen(a,u) pa­raît­re ba­nal / we­sent­lich es­sen­ti­el / die Kraft la force. 10. FO­CUS: Gibt es Trends für die Gestal­tung von Kun­sträu­men? Sell­dorf: Es gibt im­mer Trends, was da­zu führt, dass al­les über­all gleich aus­sieht. Ich in­ter­es­sie­re mich nicht für Trends. Trends sind das Ge­gen­teil von mir. Mich in­ter­es­sie­ren kon­kre­te Si­tua­tio­nen. Han­delt es sich um kom­mer­zi­el­le Räu­me, al­so Ga­le­ri­en, in de­nen Kunst ver­kauft wird? Oder um Non-Pro­fit-Räu­me, al­so Mu­se­en und Kunst­hal­len. Ga­le­ri­en und Mu­se­en se­hen heut­zu­ta­ge nicht im­mer un­ter­schied­lich aus, ha­ben aber na­tür­lich ei­nen voll­kom­men an­de­ren Zweck. Am ei­nen Ort wird die Kunst zum Ver­kauf an­ge­bo­ten. Für den an­de­ren musst du Räu­me schaf­fen, die das Pu­bli­kum mit­ein­be­zie­hen.

11. FO­CUS: Braucht ei­ne Ar­chi­tek­tin viel Raum zum Le­ben? Sell­dorf: Ich ha­be ei­ne groß­zü­gi­ge, schö­ne Woh­nung, und das ist mir auch wich­tig. Aber ich bin nicht sehr an­spruchs­voll. Ich kann mich gut in ei­ner Ecke zu­sam­men­fal­ten. 10. der Trend(s) la ten­dance / die Gestal­tung l’amé­nage­ment / gleich aus-se­hen avoir l’air pareil / das Ge­gen­teil l’op­po­sé / die Kunst­hal­le le mu­sée / un­ter­schied­lich aus-se­hen se dif­fé­ren­cier vi­su­el­le­ment / voll­kom­men tout à fait / der Zweck la fonc­tion / zum Ver­kauf an-bie­ten(o,o) pro­po­ser à la ven­te / mit-ein-be­zie­hen(o,o) as­so­cier, in­clu­re. 11. groß­zü­gig spa­cieux / an­spruchs­voll sein êt­re exi­ge­ant / sich zu­sam­men-fal­ten se re­plier / die Ecke le co­in.

„Ich mag Weiß. Weiß ist ei­ne gu­te Far­be, da man mit Weiß Ru­he schaf­fen kann.“

(© Sell­dorf Ar­chi­tects)

Die Trep­pen im Ely Hou­se im Lon­do­ner Stadt­teil May­fair.

(© Sell­dorf Ar­chi­tects)

Das Mu­se­um of Com­tem­pora­ry Art in San Die­go.

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