Un­ser Le­ben als Cy­borg

Quand l’hom­me et la ma­chi­ne ne font plus qu’un

Vocable (Allemagne) - - Sommaire -

Na­guè­re purs pro­du­its de sci­ence-fic­tion, les cyborgs dé­bar­quent dans la réa­lité. Pour cer­ta­ins, la tech­no­lo­gie per­met de cor­ri­ger des er­reurs de la na­tu­re, pour d’au­tres ce sont de purs gad­gets. Grâce à des im­plants, de plus en plus d'hu­mains dé­si­rent amé­lio­rer leurs ca­pa­cités. Fous ou pion­niers ? le dé­bat est lan­cé.

Neil Har­bis­son hat sich dar­an ge­wöhnt, dass Mit­men­schen ihn er­schro­cken an­star­ren, wenn sie die ku­rio­se, et­wa 30 Zen­ti­me­ter lan­ge An­ten­ne aus sei­nem Kopf ra­gen se­hen. Man­che la­chen ihn so­gar aus. Aber er ist stolz, ein Cy­borg zu sein. 2010 grün­de­te er die in­ter­na­tio­na­le Cy­borg Foun­da­ti­on und 2016 das bri­ti­sche Start-up Cy­borg Nest.

2. Die Fir­ma ent­wi­ckelt Zu­be­hör, um den Men­schen tech­nisch auf­zu­rüs­ten. Das Bo­dy-Up­grade soll die kör­per­li­chen, geis­ti­gen und sinn­li­chen Fä­hig­kei­ten stei­gern. Schnel­ler lau­fen, mehr se­hen und rie­chen – für Har­bis­son ist das der gro­ße Traum. Vi­el­leicht auch, weil er far­ben­blind zur Welt kam und nun dank sei­nes Im­plan­tats Far­ben als Tö­ne emp­fan­gen kann. Sein Fir­men­kom­pa­gnon Li­viu Ba­bitz ist si­cher: „Bo­dy-Up­grades sind künf­tig so selbst­ver­ständ­lich wie heu­te Smart­pho­nes und Tat­toos.“

VERSCHMELZUNG VON MENSCH UND TECH­NIK

3. In der Me­di­zin ist die Verschmelzung von Mensch und Tech­nik be­reits in vol­lem Gang. Über ei­ne Mil­li­on Herz­schritt­ma­cher wer­den welt­weit pro Jahr im­plan­tiert. Mehr als 300.000 Coch­lea-Im­plan­ta­te im In­nen­ohr las­sen tau­be Men­schen wie­der hö­ren. 120.000 Hirn­schritt­ma­cher grei­fen in den Takt der grau­en Zel­len ein. Tau­sen­de Am­pu­tier­te tra­gen Pro­the­sen, die sie mit Ge­dan­ken­kraft steu­ern.

4. Hirn­for­scher Mar­kus Dah­lem von der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin hat die Cy­borg-Be­we­gung seit ih­ren An­fän­gen ver­folgt und weiß, dass sich vie­le Trä­ger von Kör­perUp­grades nicht mit der Wie­der­her­stel­lung der na­tür­li­chen Kör­per­funk­tio­nen be­gnü­gen. Das Im­plan­tat in Har­bis­sons Kopf et­wa über­setzt nicht nur sicht­ba­re Far­ben, son­dern auch ul­tra­vio­let­tes und in­fra­ro­tes Licht in Si­gna­le, die sie auf sei­ne Ge­hör­knö­chel­chen über­trägt.

FLEDERMÄUSE BELAUSCHEN

5. Auch En­no Park, Mit­be­grün­der des Ber­li­ner Ver­eins Cyborgs e. V., gab sich nicht mit den Mög­lich­kei­ten sei­nes Coch­lea-Im­plan­tats zu­frie­den. Zu Hau­se bas­tel­te er ei­nen Ul­tra­schall­sen­sor und ver­band ihn mit dem Ge­rät. Dann such­te er im Umland von Ber­lin nach Fle­der­mäu­sen und konn­te aus ein paar Me­ter Ent­fer­nung ih­re Ul­tra­schallklicks hö­ren. Park är­gert sich, dass der Her­stel­ler sei­nes Im­plan­tats des­sen Soft­ware un­ter Ver­schluss hält: „Ein Pro­gramm, das so sehr in mei­nen Kör­per ein­greift, muss frei zu­gäng­lich sein.“Dann kön­ne je­der ent­schei­den, ob er mehr hö­ren will als nor­ma­le Men­schen.

6. Ei­ne Er­wei­te­rung der na­tür­li­chen Sin­ne weck­te auch ganz un­er­war­te­tes In­ter­es­se. Als der Me­di­zin­tech­ni­ker Tho­mas Stieg­litz vom In­sti­tut für Mi­kro­sys­tem­tech­nik der Uni­ver­si­tät Frei­burg ei­ne Seh­pro­the­se für Nacht­blin­de vor­stell­te, er­kun­dig­te sich prompt die For­schungs­agen­tur des US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums, ob sie da­mit Sol­da­ten per Au­gen­ope­ra­ti­on auf­rüs­ten könn­ten. Stieg­litz war scho­ckiert.

TÜR ÖFF­NEN OH­NE SCHLÜS­SEL

7. Kri­ti­kern zum Trotz wächst das Angebot für das Kör­per­tu­ning. 2015 grün­de­te Sven Be­cker in Dort­mund das Un­ter­neh­men „I am Ro­bot“. Es ver­treibt RFID-Chips in reis­korn­gro­ßen Kap­seln, die man sich un­ter die Haut in­ji­ziert. Be­cker trägt sein Im­plan­tat zwi­schen Dau­men und Zei­ge­fin­ger und öff­net da­mit sei­ne Woh­nungs­tür. So­bald er den Tür­knauf be­rührt, sen­det ein Le­se­ge­rät in der Klin­ke ein Si­gnal, und der Chip un­ter sei­ner Haut ant­wor­tet mit dem Frei­ga­be-Co­de. „Ich bin gern ein Cy­borg, weil ich kei­ne Schlüs­sel mag“, freut sich Be­cker.

ELEK­TRO­NI­SCHE VISITENKARTE

8. Per Smart­pho­ne-App las­sen sich auf den im­plan­tier­ten Chips auch Da­ten spei­chern. Be­cker nutzt sie als elek­tro­ni­sche Visitenkarte. Legt er die Hand auf das Han­dy ei­nes Ge­schäfts­part­ners, über­spielt der Chip sei­ne Kon­takt­da­ten. Ei­ni­ge Bun­des­wehr­sol­da­ten hät­ten auf ih­ren Haut­chips die Trup­pen­zu­ge­hö­rig­keit und die Blut­grup­pe hin­ter­legt, er­zählt er und schränkt ein: „Das ist aber kei­ne of­fi­zi­el­le An­wen­dung der Bun­des­wehr.“

9. Ei­ni­ge klei­ne­re Fit­nessStu­di­os in Deutsch­land wür­den den Chip auch zur Be­zah­lung ak­zep­tie­ren – ähn­lich ei­ner Kun­den­kar­te, be­rich­tet der Un­ter­neh­mer. „Sie wol­len da­mit aber nicht an die Öf­fent­lich­keit ge­hen, weil das The­ma sehr um­strit­ten ist und sie ne­ga­ti­ve Pres­se fürch­ten“, ver­mu­tet Be­cker. Ne­ben Neu­gie­ri­gen, die sich für Bo­dy-Up­grades in­ter­es­sie­ren, ge­be es auch Ver­bohr­te, die ei­ne Kör­per­er­wei­te­rung ve­he­ment ab­leh­nen. Er schätzt, dass ak­tu­ell rund 1000 Per­so­nen sei­nen Chip tra­gen.

MAGNETSINN IN DER HAUT

10. Fast im­mer sind es Pier­cing-Stu­di­os, die das Im­plan­tat un­ter die Haut set­zen. Die meis­ten Ärz­te wei­gern sich, weil sie nach ethi­schen Stan­dards nur hei­len, nicht je­doch den Kör­per tech­nisch er­wei­tern dürf­ten. Hirn­for­scher Dah­lem fin­det das Ar­gu­ment fa­den­schei­nig, da Me­di­zi­ner ja auch Schön­heits-OPs aus­füh­ren: „Das Bo­dy-Up­grade steht auf der­sel­ben Stu­fe.“

11. Cy­borg-Un­ter­neh­mer Be­cker hofft in­des auf ei­ne Fern­be­die­nung in Form ei­nes reis­korn­gro­ßen Hirn­im­plan­tats. „Ich wä­re der Ers­te, der es sich ein­set­zen las­sen wür­de, um mit ei­nem Ge­dan­ken ein Fuß­ball­spiel im Fern­se­hen ein­zu­schal­ten.“In ein­fa­cher Form funk­tio­niert Ge­dan­ken­steue­rung be­reits: Nur müs­sen die Be­feh­le ei­nen ein­deu­ti­gen Cha­rak­ter ha­ben.

12. An die Fü­ße zu den­ken könn­te für „an“ste­hen, an die Hän­de den­ken für „aus“. Da die Kör­per­tei­le von ver­schie­de­nen Hirn­area­len ge­steu­ert wer­den, könn­ten Elek­tro­den bei­de Denk­mus­ter klar un­ter­schei­den. Doch wer beim Fuß­ball­gu­cken an Hän­de den­ke, darf sich nicht wun­dern, wenn der Mo­ni­tor plötz­lich schwarz wird.

Das Bo­dyUp­grade soll die kör­per­li­chen, geis­ti­gen und sinn­li­chen Fä­hig­kei­ten stei­gern.

(DR)

Neil Har­bis­son kann dank sei­ner An­ten­ne Far­ben füh­len.

(SCREEN­SHOT Die Welt)

Ber­tolt Mey­er hat ei­ne bio­ni­sche Hand.

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