Fre­che Zun­ge

L’ap­pa­reil photo in­stan­ta­né fait son grand re­tour

Vocable (Allemagne) - - Édito | Sommaire -

Nach Jah­ren des Ni­schen­da­seins hofft die Ana­log­bran­che wie­der auf den Mas­sen­markt. Elek­tro­nik­kauf­häu­ser ver­trei­ben So­fort­bild­ka­me­ras mit Na­men wie Fu­ji­film Ins­tax, Im­pos­si­ble oder Lei­ca So­fort. Und so­gar die le­gen­dä­re Po­la­ro­id geht erst­mals seit vie­len Jah­ren mit ei­nem neu­en Mo­dell an den Start – ei­ne er­staun­li­che Wie­der­auf­er­ste­hung, nach­dem die Tra­di­ti­ons­fir­ma 2008 Kon­kurs hat­te an­mel­den müs­sen. Wo­her kommt die un­er­war­te­te Be­geis­te­rung für die Ana­log­fo­to­gra­fie?

2. Das Be­mer­kens­wer­te dar­an: Die Kun­den sind vor al­lem jung. „Für un­se­re Ge­ne­ra­ti­on sind Po­la­ro­id­ka­me­ras nicht et­was Al­tes, son­dern et­was Neu­es“, sagt Os­kar Smo­lo- kow­ski, 28, des­sen Fa­mi­lie im vo­ri­gen Jahr Po­la­ro­id über­nom­men hat. Schon als der Wahl­ber­li­ner das ers­te Mal ei­ne Po­la­ro­id in Hän­den hielt, war er fas­zi­niert. Sein Va­ter, ein pol­ni­scher In­ves­tor, half ihm, das Un­ter­neh­men zu kau­fen.

BIS HEU­TE GIBT ES EI­NE FANGE­MEIN­DE

3. Für die Äl­te­ren ge­hör­te ei­ne Po­la frü­her zwin­gend ins Ur­laubs­ge­päck. Das Ge­räusch ist Teil der Kind­heits­er­in­ne­rung: Kurz den Aus­lö­ser ge­drückt, schon surr­te die Ka­me­ra und schob ei­nen qua­dra­ti­schen Plas­tik­film her­aus wie ei­ne fre­che Zun­ge. Für die Jün­ge­ren: Das Plas­tik­fo­to ist ei­ne win­zi­ge Dun­kel­kam­mer, in der ein dün­ner Film aus Ent­wick­ler­pas­te über die licht­emp­find­li­che Schicht ge­schmiert wird. Wie von Geis­ter­hand er­scheint nach we­ni­gen Au­gen­bli­cken ein weich­ge­zeich­ne­tes Foto.

4. „Pa­pa, wie­so kann ich dein Foto nicht so­fort se­hen?“Das hat­te die Toch­ter des Po­la­ro­id­grün­ders Ed­win Land ih­ren Va­ter einst im Ur­laub ge­fragt – und da­mit der Le­gen­de nach die Ent­wick­lung der Qua­drat­bil­der an­ge­sto­ßen. 1948 brach­te der Va­ter sei­ne So­fort­bild­ka­me­ra auf den Markt.

5. Bis heu­te gibt es ei­ne Fange­mein­de. Der Fil­me­ma­cher Wim Wen­ders zum Bei­spiel be­nutz­te die Schnapp­schuss­tech­nik einst als

vi­su­el­les No­tiz­buch bei Dreh­ar­bei­ten und zeigt ei­ne Aus­wahl sei­ner Po­la­ro­ids der­zeit in ei­ner Ga­le­rie in Lon­don un­ter dem Ti­tel „In­stant Sto­ries“.

6. Ein hal­bes Jahr­hun­dert lang gal­ten die Po­las als die schnells­te Art, Bil­der zu tei­len – so­zu­sa­gen Ins­ta­gram un­plug­ged. Dann über­nah­men Han­dy­ka­me­ras das vi­su­el­le Ge­dächt­nis. Und nun, nach der Durch­di­gi­ta­li­sie­rung, ze­le­brie­ren Re­tro­fans die Wie­der­kehr der ana­lo­gen So­fort­bil­der we­gen ih­rer hap­ti­schen Sinn­lich­keit.

7. Neue Spie­gel­re­flex­ka­me­ras wie die Re­flex dürf­ten es schwer ha­ben, sich durch­zu­set­zen; denn die jün­ge­ren Käu­fer ha­ben we­nig Lust dar­auf, Fil­me zum Ent­wi­ckeln ab­zu­ge­ben oder sich da­heim ei­ne Dun­kel­kam­mer ein­zu­rich­ten.

8. Die So­fort­bild­ka­me­ras tref­fen da eher den Nerv der jun­gen Kund­schaft mit ih­rer Mi­schung aus kin­der­leicht und re­trochic. Al­lein Ins­tax-Ka­me­ras ha­ben im vo­ri­gen Jahr rund sie­ben Millionen Käu­fer ge­fun­den.

DIE GU­TE AL­TE ZEIT

9. Die Nach­tei­le der Ge­rä­te neh­men die Kun­den gern in Kauf. Bei Käl­te und Dun­kel- heit wer­den die In­stant­fo­tos Murks? Um­so bes­ser. Die tech­ni­schen Schwä­chen stär­ken so­gar den En­thu­si­as­mus der Fans.

10. So gibt es in­zwi­schen ei­ne er­staun­li­che Viel­falt an So­fort­bild­ka­me­ras. Man­che be­schrän­ken sich auf greif­ba­re Bil­der, an­de­re spei­chern sie auch di­gi­tal, par­al­lel zu den Plas­ti­k­ab­zü­gen. Pu­ris­ten rümp­fen über der­lei Zwit­ter na­tür­lich die Na­se. 11. Ach ja, die gu­te al­te Zeit. Frü­her galt Nost­al­gie als ein See­len­lei­den, als krank­haf­te Sehn­sucht nach ei­nem bes­se­ren Ges­tern. Doch mitt­ler­wei­le wol­len Psy­cho­lo­gen durch Ex­pe­ri­men­te her­aus­ge­fun­den ha­ben, dass das woh­lig-bit­ter­sü­ße Ge­fühl so­gar das Wohl­be­fin­den stär­ken kann.

12. Und was die Re­tro­fir­men freut: Wer nost­al­gi­sche Ge­füh­le hegt, ach­tet nicht so sehr aufs Geld. So zah­len die Kun­den pro Bild oft mehr als ei­nen Eu­ro.

13. Aber ist es nicht über­flüs­sig, Pa­pier­fo­tos zu schie­ßen, wenn sie am En­de in ir­gend­wel­chen Kar­tons ver­stau­ben? Os­kar Smo­lo­kow­ski, der jun­ge Po­la­ro­id-Chef, hat dar­auf ei­ne Ant­wort. Er macht es wie vie­le sei­ner Kun­den: Er fo­to­gra­fiert im­mer mal wie­der Po­la­ro­id­bil­der mit dem Han­dy ab – und lädt sie dann hoch auf Ins­ta­gram. SUR LE BOUT DE LA LAN­GUE

Ein hal­bes Jahr­hun­dert lang gal­ten die Po­las als die schnells­te Art, Bil­der zu tei­len – so­zu­sa­gen Ins­ta­gram un­plug­ged.

(CC pixabay)

Aus­ge­rech­net die Jün­ge­ren kau­fen wie­der Ana­log­ka­me­ras wie die le­gen­dä­re Po­la­ro­id.

(CC-BY-3.0)

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