Ge­flo­hen vor den Mul­lahs, an­ge­kom­men bei Ul­la

“Les Nuits sont cal­mes à Té­hé­ran”, le ro­man de l’exil, par Shi­da Ba­zyar, en hom­mage à sa fa­mil­le

Vocable (Allemagne) - - Édito | Sommaire -

Alors qu’en Iran la po­pu­la­ti­on se re­bel­le et ré­cla­me plus de li­ber­tés, Shi­da Ba­zyar si­gne un pre­mier ro­man re­mar­qué in­spi­ré de l’his­toire de sa fa­mil­le exil­ée en Al­le­ma­gne sui­te à la ré­vo­lu­ti­on is­la­mi­que de 1979. Dans “Nachts ist es lei­se in Te­he­ran” (Les nuits sont cal­mes à Té­hé­ran, éd. Slat­ki­ne & Cie), el­le dres­se à tra­vers les yeux des cinq per­son­na­ges d’une mê­me fa­mil­le un mo­nu­ment à tou­te une gé­né­ra­ti­on en exil.

Beh­sad, sei­ner Frau Nahid, Toch­ter Lal­eh und Sohn Mo­rad ge­lingt in den Acht­zi­ger­jah­ren die Flucht aus Te­he­ran in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Beh­sad und sei­ne Frau en­ga­gier­ten sich im mi­li­tant­kom­mu­nis­ti­schen Wi­der­stand ge­gen den Schah.

2. Doch der Sieg der ira­ni­schen Re­vo­lu­ti­on 1979 ge­hör­te Aja­tol­lah Chomei­ni und sei­nem is­lam­fa­na­ti­schen Re­gime. Das über­wach­te mit Tau­sen­den von Spit­zeln die ver­meint­li­che Recht­gläu­big­keit und ver­folg­te den sä­ku­la­ren mar­xis­ti­schen Wi­der­stand un­er­bitt- lich. Da konn­te schon ein feh­len­der Bart oder ein ver­rutsch­tes Kopf­tuch zum Stig­ma wer­den. Zu Hun­der­ten fris­te­ten die eins­ti­gen Schah- und nun Chomei­ni-Op­po­si­tio­nel­len ihr Le­ben in bru­tal ge­führ­ten Ge­fäng­nis­sen.

„ÜBER GE­MÜ­SE UND DIE LUFT RE­DEN“

3. Shi­da Ba­zyar lässt in ih­rem Ro­man Va­ter, Mut­ter, Toch­ter und Sohn in ei­ge­nen Ka­pi­teln ih­re Ge­schich­te, ih­re Er­leb­nis­se und Emp­fin­dun­gen je­weils für ei­ne De­ka­de er­zäh­len, von 1979 bis na­he an die Ge­gen­wart. In Deutsch­land küm­mern sich Ul­la und Wal­ter, an­stren­gend freund­li­che Öko­lin­ke, um Beh­sad und sei­ne Fa­mi­lie.

4. Sei­ner Frau Nahid, stu­dier­te Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin, ih­rem Mann im eins­ti­gen Un­ter­grund­kampf so­li­da­risch ver­bun­den und nach wie vor be­sorgt um die im Ge­fäng­nis sit­zen­den Ge­nos­sen, fällt es schwer zu

ver­ste­hen, war­um sie, so ei­ne Ein­la­dung Ul­las, „mit an­de­ren Frau­en über Ge­mü­se und die Luft re­den“soll. Die deut­schen Freun­de, er­staunt, dass Beh­sad und Nahid Tuchol­s­ky und Brecht zi­tie­ren, be­rich­ten aus­führ­lich von ih­ren Ängs­ten nach der Tscher­no­byl-Ka­ta­stro­phe.

5. Sohn Mo­rad, im ers­ten Jahr­zehnt des 21. Jahr­hun­derts Stu­dent an ei­ner deut­schen Uni, be­tei­ligt sich we­ni­ger laut­stark als lust­voll an De­mons­tra­tio­nen und Streiks wi­der Stu­di­en­ge­büh­ren und Bil­dungs­not­stand. Doch als er via Face­book 2009 von der schließ­lich schei­tern­den „Grü­nen Re­vo­lu­ti­on“in Iran er­fährt, re­agiert er skep­tisch auf den fröh­li­chen Ak­tio­nis­mus sei­ner Kom­mi­li­to­nen. Er er­in­nert sich an die ver­ord­ne­te Ru­he, wenn sein Va­ter – nach end­lich ak­zep­tier­tem Asyl­an­trag und Auf­ent­halt im Auf­nah­me­heim in der kar­gen So­zi­al­woh­nung den Nach­rich­ten zu Iran im Ra­dio lausch­te.

6. Die 27-jäh­ri­ge Au­to­rin Shi­da Ba­zyar be­tritt mit „Nachts ist es lei­se in Te­he­ran“sou­ve­rän die Büh­ne der Li­te­ra­tur. Ge­bo­ren in der rhein­land-pfäl­zi­schen Pro­vinz, hat sie an der Uni Hil­des­heim Li­te­ra­ri­sches Schrei­ben stu­diert und ar­bei­tet in­zwi­schen halb­tags als Bil­dungs­re­fe­ren­tin in Bran­den­burg, die ver­blei­ben­de Zeit schreibt sie. „Ja, mei­ne El­tern wa­ren im kom­mu­nis­ti­schen Wi­der­stand in Iran“, er­zählt sie. „Ich ha­be vie­le In­for­ma­tio­nen von ih­nen, aber die Fi­gu­ren ha­be ich frei ge­stal­tet.“Des­we­gen sei ihr Buch ein Ro­man. Zu­letzt war sie, die bes­ser Deutsch als Per­sisch spricht („Aber ich kann mich in Iran ganz gut ver­stän­di­gen“), 2012 im Land ih­rer El­tern.

DER WI­DER­STAND BLEIBT EI­NE HEI­MAT

7. Auch Lal­eh be­rich­tet im Ro­man von der Rei­se in die al­te Hei­mat mit ih­rer Mut­ter zu An­fang der Nul­ler­jah­re. Dort tref­fen sie Ver­wand­te, trin­ken Tee, sit­zen stun­den­lang an üp­pig ge­deck­ten „So­frehs“, den auf dem Bo­den aus­ge­brei­te­ten Tisch­de­cken, und er­leb­ten ein Land im Wi­der­spruch zwi­schen Tra­di­ti­on und durch die Mul­lah-Herr­schaft ge­bro­che­ner Mo­der­ne.

8. „Ich tref­fe kaum noch Ver­wand­te dort“, sagt Ba­zyar, „sie sind in­zwi­schen al­le im Aus­land.“Der Va­ter im Ro­man, Beh­sad, hat­te für ei­ne De­mons­tra­ti­on der Exi­l­i­ra­ner „Ant­wor­ten vor­be­rei­tet, doch nie­mand stell­te Fra­gen“. Wi­der die­ses halb ver­ges­sen­de, halb kennt­nis­lo­se Schwei­gen schreibt Shi­da Ba­zyar die Ge­schich­te der Ge­ne­ra­ti­on ih­rer El­tern. Und er­in­nert da­bei auch an die Mü­hen der In­te­gra­ti­on im Exil. Weil den El­tern der Wi­der­stand ei­ne Hei­mat bleibt, die auf­zu­ge­ben an ih­re Iden­ti­tät rührt.

9. Im Epi­log des Ro­mans be­geg­nen wir Ta­ra, der in Deutsch­land un­ge­plant ge­bo­re­nen Toch­ter von Beh­sad und Nahid. Sie lässt mit ih­rem in­ter­na­tio­na­len NGO-En­ga­ge­ment auf­schei­nen, wie sich die pro­blem­be­la­de­nen Träu­me ih­rer El­tern vi­el­leicht doch noch er­fül­len.

10. Shi­da Ba­zyar ist ein auf­re­gen­des Ro­man­de­büt ge­lun­gen: Oh­ne eit­le Lar­mo­yanz, mit gro­ßem Ein­füh­lungs­ver­mö­gen und sprach­li­cher Sou­ve­rä­ni­tät ver­ge­gen­wär­tigt sie ex­em­pla­ri­sche Le­bens­ge­schich­ten, die auch als ein Ro­man über die ak­tu­el­len Her­aus­for­de­run­gen der In­te­gra­ti­on ge­le­sen wer­den kön­nen.

(©CHI­NE NOU­VEL­LE/SIPA)

Auch Re­gie­rungs­freun­de de­mons­trie­ren: Ein ira­ni­scher Jun­ge nimmt an ei­ner De­mons­tra­ti­on zum Ju­bi­lä­um der Is­la­mi­schen Re­vo­lu­ti­on von 1979 in Te­he­ran teil.

Im Iran bro­delt es seit En­de De­zem­ber: spon­ta ne Pro­tes­te von Re­gie­rungs­geg­nern äu­ßern sich über­all im Land.

(©AP/SIPA)

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