Dis­kre­te The­ra­pie­sit­zun­gen

Les té­nors li­bé­raux et éco­los pré­pa­rent une éven­tu­el­le al­li­an­ce dans l’om­bre

Vocable (Allemagne) - - Édito Sommaire - VON TI­MO LEH­MANN, ANN-KA­TRIN MÜL­LER, CHRIS­TOPH SCHULT

Ce­la fait main­ten­ant plu­sieurs mois que cer­ta­ins dé­pu­tés des Verts et du FDP ti­en­nent à l’ab­ri des ca­mé­ras des ré­uni­ons se­crè­tes pour mieux prépa­rer l’avè­ne­ment d’une éven­tu­el­le co­ali­ti­on “Ja­maïque”. De­pu­is que la chan­ce­liè­re An­ge­la Mer­kel est sur la sel­let­te et que son dé­part ne pa­rait plus in­con­ceva­ble, les té­nors li­bé­raux et éco­los sont aux aguets.

Sie wol­len nicht ge­se­hen wer­den, des­we­gen tref­fen sie sich nicht im Re­gie­rungs­vier­tel, son­dern im Wes­ten Ber­lins. Sie, das sind Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te von FDP und Grü­nen, rund ein Dut­zend von ih­nen, die et­wa al­le sechs Wo­chen zu­sam­men­kom­men. Le­bens­stern nennt sich die Grup­pe, an­ge­lehnt an den Na­men der Bar, in der sie sich trifft, di­rekt über dem Ca­fé Ein­stein in der Kur­fürs­ten­stra­ße. Die Le­bens­stern­ler wol­len vor­be­rei­ten, was vor ei­nem Jahr ge­schei­tert ist: ein Re­gie­rungs­bünd­nis im Bund, an dem zum ers­ten Mal Li­be­ra­le und Grü­ne be­tei­ligt sind.

2. Es sind über­wie­gend jün­ge­re, prag­ma­ti­sche Ver­tre­ter bei­der Par­tei­en. Die Vi­zeFrak­ti­ons­chefs Ste­phan Tho­mae und Kat­ja Su­ding so­wie die Par­la­men­ta­ri­schen Ge­schäfts­füh­rer Flo­ri­an Ton­car und Ste­fan Ruppert et­wa sind für die FDP da­bei; bei den Grü­nen sind es un­ter an­de­ren die Vi­ze-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Kon­stan­tin von Notz und Oli­ver Kri­scher, die Par­la­men­ta­ri­sche Ge­schäfts­füh­re­rin Fran­zis­ka Brant­ner und Die­ter Jan­ecek, Spre­cher für di­gi­ta­le Wirt­schaft.

NEU­ES VERTRAUENSVERHÄLTNIS

3. Die gelb-grü­ne Ge­sprächs­the­ra­pie hat­te sich im Win­ter, nach dem Schei­tern von Ja­mai­ka, ge­fun­den. „Es gab da­mals auch mas­si­ve at­mo­sphä­ri­sche Pro­ble­me“, sagt der Grü­ne Notz, der die Run­de mit dem FDP­ler Tho­mae ge­grün­det hat.

4. Zu­nächst ging es dar­um, die ge­gen­sei­ti­gen Ver­let­zun­gen auf­zu­ar­bei­ten, die sich bei­de Par­tei­en wäh­rend der Son­die­run­gen zu­ge­fügt hat­ten. Die Ver­tre­ter der FDP be­schwer­ten sich et­wa, dass sie von den Grü­nen als Eu­ro­pa­fein­de be­zeich­net wur­den, weil sie Kri­tik am Eu­ro-Ret­tungs­schirm ESM ge­übt hat­ten. Die Grü­nen fan­den wie­der­um die Kri­tik der FDP an ih­rer Kli­ma­po­li­tik un­fair.

5. So soll­te all­mäh­lich ein Vertrauensverhältnis ent­ste­hen, das mög­li­che Son­die­run­gen nach der nächs­ten Bun­des­tags­wahl in drei Jah­ren er­leich­tern könn­te. Doch als sich die Run­de En­de Sep­tem­ber zu spä­ter St­un­de im Le­bens­stern traf, schwan­te ihr, dass der Pra­xis­test frü­her kom­men könn­te, als bis-

Auch in der Spit­ze der Frak­tio­nen gab es er­folg­rei­che An­nä­he­rungs­ver­su­che.

als … be­zeich­nen qua­li­fier de … / der Feind(e) l’en­nemi / Kri­tik an … üben cri­ti­quer … / der Ret­tungs­schirm ESM le fonds de sau­ve­ta­ge du Mé­ca­nis­me eu­ro­péen de sta­bi­lité / wie­der­um quant à eux / un­fair dé­loy­al. 5. all­mäh­lich peu à peu / das Vertrauensverhältnis la re­la­ti­on de con­fi­an­ce / ent­ste­hen naît­re, se créer / die Bun­des­tags­wahl les élec­tions lé­gis­la­ti­ves / er­leich­tern sim­pli­fier / spät tar­dif / mir schwant, dass j’ai le pres­sen­ti­ment que / der Pra­xis­test le test pra­tique /

lang ge­dacht. Frü­her war Mer­kels Fa­vo­rit für den Frak­ti­ons­vor­sitz ge­schei­tert; und seit­her mag kaum noch je­mand wet­ten, dass die Ko­ali­ti­on bis zum En­de der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode durch­hält.

6. Nun könn­te es den Ja­mai­ka­nern zu­gu­te­kom­men, dass sie zu­min­dest in je­ner Run­de schon mal über die gro­ßen The­men ge­spro­chen ha­ben: Eu­ro­pa, Mi­gra­ti­on, Si­cher­heit.

ER­FOLG­REI­CHE AN­NÄ­HE­RUNGS­VER­SU­CHE

7. Da­zu kom­men die Vor­stö­ße, die die Op­po­si­ti­ons­frak­tio­nen in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ge­star­tet hat­ten: ein of­fe­ner Brief an die Kanz­le­rin, in dem Grü­ne und Li­be­ra­le mehr Kom­pe­ten­zen für den Bund in der Bil­dungs­po­li­tik for­dern. Ei­ne ge­mein­sa­me Kla­ge vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ge­gen das baye­ri­sche Po­li­zei­ge­setz. Die Un­ter­stüt­zung der Grü­nen zum FDP-An­trag auf ei­ne Ak­tu­el­le St­un­de im Fall des Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­den­ten Hans-Ge­org Maa­ßen.

8. Auch in der Spit­ze der Frak­tio­nen gab es er­folg­rei­che An­nä­he­rungs­ver­su­che. Die grü­ne Frak­ti­ons­che­fin Ka­trin Gö­ring-Eckardt und ihr li­be­ra­les Pen­dant Chris­ti­an Lind­ner ge­hen im­mer wie­der mit­ein­an­der es­sen, mit FDPVi­ze Wolf­gang Ku­bi­cki duzt sie sich. Nur bei Lind­ner und Ha­beck hakt es noch et­was. Zwar tref­fen sie sich im­mer mal wie­der bei Po­di­ums­ver­an­stal­tun­gen. „Dort be­schnup­pern sie sich, trau­en sich aber noch nicht ganz über den Weg“, sagt ei­ner, der bei­de kennt.

9. Das liegt auch an der ak­tu­el­len La­ge. Wäh­rend die FDP der­zeit froh wä­re, die Zu­sam­men­ar­beit zu in­ten­si­vie­ren, hält sich das In- ter­es­se bei den Grü­nen in Gren­zen. De­ren Um­fra­ge­wer­te neh­men ste­tig zu, in Bay­ern könn­ten sie zweit­stärks­te Kraft wer­den, in Hes­sen wie­der in die Re­gie­rung kom­men. Die FDP da­ge­gen hat seit der Bun­des­tags­wahl an Zu­stim­mung ein­ge­büßt und muss in Bay­ern um den Ein­zug in den Land­tag ban­gen.

JAMAIKABÜNDNIS WIRD WAHR­SCHEIN­LI­CHER

10. Es gibt ei­ni­ge Grü­ne, die den Run­den des­halb kri­tisch ge­gen­über­ste­hen. „Wie­so soll­ten wir de­nen hel­fen, aus ih­rer selbst zu­ge­füg­ten La­ge her­aus­zu­kom­men?“, fragt ei­ner von ih­nen. Schließ­lich ha­be die FDP da­für ge­sorgt, dass Ja­mai­ka ge­schei­tert sei und jetzt al­le die Gro­ße Ko­ali­ti­on er­tra­gen müss­ten. Doch selbst die größ­ten Skep­ti­ker er­ken­nen, dass sich die La­ge ent­schei­dend ver­än­dert hat.

11. Und so könn­te es am En­de ziem­lich schnell ge­hen. Wie in Schles­wig-Hol­stein, wo sich die Ar­chi­tek­ten des Ja­mai­ka-Bünd­nis­ses schon län­ger kann­ten – und ver­trau­ten. Wolf­gang Ku­bi­cki ist ei­ner von ih­nen. Er re­gis­triert die An­nä­he­rung mit Ge­nug­tu­ung. „Ich ha­be im­mer ge­sagt, dass die Ja­mai­ka-Son­die­run­gen auch dar­an ge­schei­tert sind, dass zwi­schen uns und den Grü­nen auf Bun­des­ebe­ne zu we­nig Ver­trau­en be­stand“, sagt er. Dies ha­be sich in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten, oft un­ter Aus­schluss der Öf­fent­lich­keit, ge­än­dert. „Soll­te es zu Neu­wah­len kom­men, wür­de ein Jamaikabündnis wahr­schein­li­cher wer­den.“

(DR)

Kon­stan­tin von Notz (Die Grü­nen).

(©FDP)

Ste­phan Tho­mae (FDP).

(© Patrick Lux / FDP)

Kat­ja Su­ding (FDP).

(©Die Grü­nen)

Oli­ver Kri­scher (Die Grü­nen).

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