Mehr Ren­te für Müt­ter und Vä­ter

Hu­ber­tus Heil stellt Kon­zept ge­gen Al­ters­ar­mut vor – Kri­tik von Ar­beit­ge­bern, Lob vom DGB

Aalener Nachrichten - - VORDERSEITE - Von To­bi­as Schmidt

BER­LIN (dpa) - Die Rent­ner in Deutsch­land sol­len durch ei­ne mil­li­ar­den­schwe­re Re­form vor Al­ters­ar­mut ge­schützt wer­den. Be­son­ders die Ren­ten von rund drei Mil­lio­nen Müt­tern und Vä­tern so­wie je­ne der 170 000 krank­heits­be­ding­ten Früh­rent­ner sol­len auf­ge­bes­sert wer­den. Zu­dem ist ge­plant, Ge­ring­ver­die­ner zu ent­las­ten. Das sieht das Ren­ten­pa­ket vor, das Ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) am Frei­tag in Ber­lin prä­sen­tiert hat. Es soll nach der Som­mer­pau­se ins Ka­bi­nett und zum Jah­res­wech­sel in Kraft tre­ten.

BER­LIN - Auf­schlag von Hu­ber­tus Heil, der Bun­des ar­beits mi­nis­ter prä­sen­tier­te am Frei­tag in Ber­lin sein gro­ßes Ren­ten­pa­ket zur Ver­mei­dung von Al­ters ar­mut: knapp 40 Mil­li­ar­den für äl­te­re Müt­ter, Er­werbs ge­min­der­te un­dGe ring v er die­ner, zu­gleich sta­bi­les Ren­ten ni­veau und sta­bi­le Bei­trä­ge. Un­be­zahl­ba­re Ge­schen­ke zu las­ten­der Jün­ge­ren und ein Spreng­satz für die Ge­ne­ra­tio­nen ge­rech­tig­keit? Der Mi­nis­ter und SPD-Po­li­ti­ker winkt ab: „Ich ken­ne kei­ne Oma, die ih­rem En­kel die Zu­kunft ver­bau­en will. Und ich ken­ne kein En­kel, der sei­ner Oma nicht ei­ne or­dent­li­che Al­ters ab­si­che­rung gönnt.“Heils Mis­si­on: „Nach ei­nem Le­ben vol­ler Ar­beit soll man im Al­ter or­dent­lich ab­ge­si­chert sein.“

Ob das mit dem schwarz-ro­ten Ren­ten­pa­ket wirk­lich zu er­rei­chen ist, dar­an gibt es er­heb­li­che Zwei­fel. „Teu­er und un­ge­recht“lau­tet die Fun­da­men­tal kri­tik, die Ar­beit­ge­ber Haupt ge­schäfts­füh­rer Stef­fen Kam pe­ter am Frei­tag äu­ßert. Zu­stim­mung kommt da­ge­gen von den Ge­werk­schaf­ten.

3,7 Mil­li­ar­den für Müt­ter­ren­te

Teu­ers­ter Baustein in Heils Pa­ket ist die Aus­wei­tung der Müt­ter­ren­te (Müt­ter­ren­te II) auf Frau­en, die vor 1992 Kin­der zur Welt ge­bracht ha­ben. 3,7 Mil­li­ar­den Eu­ro kos­tet das pro Jahr, je­de vier­te heu­ti­ge Rent­ne­rin er­hält künf­tig mehr. Ei­ne ge­ziel­te Ar­muts­vor­beu­gung ge­lin­ge da­durch aber nicht, sa­gen Ex­per­ten, weil auch vie­le Frau­en mit ho­hen Ren­ten und wohl­ha­ben­den Part­nern pro­fi­tie­ren. Als „ab­surd“be­trach­tet FDP-Ren­ten­fach­mann Jo­han­nes Vo­gel das In­stru­ment.

100 Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr wer­den die Ver­bes­se­run­gen für die­je­ni­gen kos­ten, die we­gen Krank­heit in Früh­ren­te ge­hen müs­sen. Die Be­trof­fe­nen wer­den künf­tig so ge­stellt, als hät­ten sie bis zum nor­ma­len Ren­ten­al­ter ge­ar­bei­tet. Bis 2025 wer­den die Aus­ga­ben für die Er­werbs­min­de­rungs­ren­te al­ler­dings auf ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro jähr­lich an­stei­gen. Hin­zu­kom­men die Ent­las­tun­gen für Ge­ring­ver­die­ner. Sie sol­len die vol­len So­zi­al­ab­ga­ben erst ab ei­nem Ver­dienst von 1300 statt bis­lang 850 Eu­ro zah­len – oh­ne je­doch Ein­bu­ßen bei der Ren­te hin­neh­men zu müs­sen. Die Ren­ten­auf­sto­ckung durch den Staat wird wei­te­re 200 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr kos­ten.

„Mit dem Ren­ten­pa­ket schaf­fen wir Si­cher­heit für ein gu­tes Le­ben“, ver­spricht Ar­beits­mi­nis­ter Heil und be­tont, dass die ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung die „tra­gen­de Säu­le“blei­ben müs­se. Um den Men­schen die Sor­ge vor zu ge­rin­gen Al­ters­be­zü­gen und vor zu ho­hen Bei­trä­gen zu neh­men, greift der Mi­nis­ter in die Ren­ten­an­pas­sungs­for­mel ein. Das Ni­veau soll so bis 2025 bei 48 Pro­zent ge­hal­ten und die Bei­trä­ge auf ma­xi­mal 20 Pro­zent ge­de­ckelt wer­den. Auch das wird teu­er – zehn Mil­li­ar­den Eu­ro bis 2025. Acht Mil­li­ar­den Eu­ro hat Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz da­für im Haus­halts­ge­setz ein­ge­plant, sie sol­len in ei­nem De­mo­gra­fie-Fonds an­ge­spart wer­den. Hin­zu kom­men zwei Mil­li­ar­den Eu­ro aus dem Haus­halt des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­ums. Der Fonds wird „im Fall un­vor­her­ge­se­he­ner Ent­wick­lun­gen“an­ge­zapft.

Heil: Mit­tel für so­zia­len Frie­den

Die Ge­samt­kos­ten des Pa­ke­tes bis 2025: 31,7 Mil­li­ar­den Eu­ro. Viel Geld, um Ver­läss­lich­keit zu schaf­fen, sagt Heil. Das sei auch ei­ne wich­ti­ge Re­ak­ti­on auf Ver­su­che, die Ge­sell­schaft zu spal­ten und so­zia­len Un­frie­den zu stif­ten.

Rü­cken­de­ckung kommt vom Deut­schen Ge­werk­schafts­bund. DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach be­grüß­te, dass der „au­to­ma­ti­sche Ren­ten­sink­flug“ge­stoppt wer­de. Heil ha­be „ei­nen Wen­de­punkt in der Ren­ten­po­li­tik ein­ge­lei­tet“, er­klär­te Kat­ja Mast, SPDRen­ten­ex­per­tin und Mit­glied der Ren­ten­kom­mis­si­on. Die Ver­bes­se­run­gen für Müt­ter, Früh­rent­ner und Ge­ring­ver­die­ner sei­en „sehr zu be­grü­ßen“, sag­te Pe­ter Weiß (CDU), ar­beits­markt­po­li­ti­scher Spre­cher der CDU/CSU-Bun­des­tags­frak­ti­on.

Nach der Som­mer­pau­se soll das Ka­bi­nett Heils Ge­setz­ent­wurf be­stä­ti­gen, dann muss es durch den Bun­des­tag. Zum 1. Ja­nu­ar 2019 sol­len die Maß­nah­men in Kraft tre­ten.

Strit­tig ist noch, ob die zu­sätz­li­chen Las­ten haupt­säch­lich vom Bei­trags­zah­ler ge­stemmt wer­den müs­sen oder über­wie­gend vom Steu­er­zah­ler. Letz­te­res ver­lang­ten ges­tern aber­mals die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung und die Ar­beit­ge­ber.

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