Würstl für Ro­meo

Abendzeitung München - - Kultur -

Ge­schafft! Die Di­plo­man­den der Kunst­aka­de­mie zei­gen ih­re Ab­schluss­ar­bei­ten. Man­che bli­cken mit Weh­mut zu­rück

Sind Sie vom Brand­schutz? Die­se Fra­ge scheint Mün­chens Kunst­stu­den­ten der­zeit mehr um­zu­trei­ben als das, was über ih­re Zu­kunft ent­schei­det: Wie ih­re Ab­schluss­ar­beit bei der Prü­fungs­kom­mis­si­on an­kommt. Statt­des­sen sorgt der Brand­schutz für die ge­wis­se An­he­bung des Ad­re­na­lin­spie­gels.

Denn leicht brenn­ba­re Ma­te­ria­li­en wie Plas­tik oder Pa­pier sind in den Gän­gen und Foy­ers der alt­ehr­wür­di­gen Aka­de­mie ta­bu. Zu ge­fähr­lich. Des­halb hat Pe­ter Bul­la (Klas­se Ste­phan Hu­ber) ei­ne Schaum­stoff­mat­te mit ir­gend­ei­ner Tink­tur ge­tränkt, die an­geb­lich nichts an­bren­nen lässt und ganz cool bleibt, wenns heiß wird. Und Bul­las le­sen­des Gips(?)girl, um­ringt von rie­si­gen Kak­te­en aus si­cher un­brenn­ba­rem Papp­ma­ché, scheint sich nicht wei­ter an ih­rer prä­pa­rier­ten feu­er­fes­ten Ma­trat­ze zu stö­ren. Ihr Blick ruht so­wie­so auf ei­nem be­tag­ten Bild­band. Über­haupt wird in die­ser Aus­stel­lung ger­ne zu­rück­ge­blät­tert und in al­ten Un­ter­la­gen ge­kramt.

Zi­ta Schüp­fer­ling (Prof. Schnei­der) hat gleich ih­re Pl­an­schrän­ke von zu Hau­se mit­ge­bracht: ge­füllt mit Do­ku­men­ten der letz­ten Se­mes­ter, dar­un­ter Fo­to­gra­fi­en von Ak­tio­nen. Wo­bei ei­ne be­son­ders amü­san­te so­gar im Mu­se­um Brand­horst zu se­hen war. Zi­ta hat­te klamm­heim­lich ei­ne ty­pi­sche Aus­stel­lungs­be­schrif­tung – „No Na­me, Un­tit­led 2010, Glas, halb­durch­sich­ti­ges Ro­lo…“ne­ben ein Fens­ter mit ei­ner schö­nen Aus­sicht ge­pappt. Di­rek­tor Achim Hoch­dör­fer schien die sub­ver­si­ve In­ter­ven­ti­on ge­fal­len zu ha­ben, je­den­falls durf­te sie fast ein Jahr blei­ben.

Auch Jo­han­na Schel­le (Klas­se Her­mann Pitz) lässt ih­re halb­ho­he, an die Skulp­tu­ren Ste­phan Bal­ken­hols er­in­nern­de Holz­da­me kurz vor der post­aka­de­mi­schen „Frei­heit“noch ein­mal zu­rück­bli­cken. Ein biss­chen Weh­mut ist da­bei, die­sen ge­schütz­ten Raum wird es bald nicht mehr ge­ben.

Das se­hen Kit­ti und Joy ali­as Kris­ti­na Schmidt und Jo­han­na Stro­bel (Klas­se Gre­gor Hil­de­brandt) nicht an­ders und fei­ern lie­ber gleich ei­ne ful­mi­nan­te Ab­schieds­par­ty in der Kan­ti­ne – mit künst­li­chem Ra­sen, LEDS­ter­nen­him­mel und rie­si­ger Vi­deo­wand. Frei nach ih­rem Mot­to „Es war ja nicht al­les schlecht“.

Ju­dith Neun­häu­ser (Klas­se Ste­phan Hu­ber) denkt sehr viel wei­ter in die Zu­kunft und si­mu­liert ei­ne archäo­lo­gi­sche Gra­bungs­stät­te, in der die Hin­ter­las­sen­schaf­ten un­se­rer Zeit ans Licht ge­schau­felt wer­den. Bräun­lich pa­ti­nier­te Dis­ko­ku­geln sind da noch das Sym­pa­thischs­te un­ter den Fun­den.

Zwi­schen all den raum­grei­fend in­stal­la­ti­ven Ar­bei­ten muss man die Fein­wa­re schon su­chen – und wird aus­ge­rech­net im Haus­gang fün­dig, wo An­na Pf­an­zelt (Hu­ber) ih­re sub­ti­len Pa­pier­ar­bei­ten aus­ge­brei­tet hat. Blei­stift­zeich­nun­gen, die um die mensch­li­che Fi­gur krei­sen, klas­sisch, kei­nes­wegs fad, son­dern mit Fi­nes­se

Was fin­den Archäo­lo­gen ein­mal von uns? An­ge­r­anz­te Dis­co­ku­geln

Die wei­ße Ka­pel­le vom Nord­fried­hof von Frank Bal­ve künst­le­risch ver­pflanzt.

Wo­nach dreht sich Jo­han­na Schel­les Kunst-Frau um?

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.