Wie ara­bi­sche Clans die Po­li­zei un­ter­wan­dern

Abendzeitung München - - POLITIK -

Da klat­schen Trump und Xi Jin­ping: Mit­glie­der der US-De­le­ga­ti­on tau­schen mit chi­ne­si­schen Ge­schäfts­läu­ten ei­ne Ab­sichts­er­klä­rung aus. Sa­lut­schüs­se und Eh­ren­gar­de: Pe­king ist für Do­nald Trump auf des­sen ers­ter Asi­en­rei­se als Prä­si­dent ei­ne gro­ße Show.

Die Ge­werk­schaft be­haup­tet, dass kri­mi­nel­le Ban­den ver­such­ten, Mit­glie­der ein­zu­schleu­sen. Da­für ge­be es „deut­li­che Hin­wei­se“. Ber­lins In­nen­se­na­tor sagt, es wer­de Stim­mung ge­gen Mi­gran­ten ge­macht

FÜR DIE AZ IN BERLIN Bern­hard Jun­gin­ger

In Berlin ge­sche­hen so vie­le Ver­bre­chen wie in kei­ner an­de­ren deut­schen Stadt – be­zo­gen auf die Ein­woh­ner­zahl und in ab­so­lu­ten Zah­len so­wie­so. Für ei­nen er­heb­li­chen Teil der Straf­ta­ten sind Mit­glie­der ara­bi­scher Groß­fa­mi­li­en ver­ant­wort­lich – ih­nen wur­den 2014 rund 60 Pro­zent al­ler De­lik­te der or­ga­ni­sier­ten Dro­gen­kri­mi­na­li­tät zu­ge­schrie­ben.

Meh­re­re Tau­send Mit­glie­der zäh­len die be­rüch­tig­ten Clans. Für die Po­li­zei der Haupt­stadt ist es schwer, in die­se ar­chai­schen, von Ver­schwie­gen­heit ge­präg­ten Struk­tu­ren ein­zu­drin­gen. Um­so schwe­rer wie­gen nun Vor­wür­fe, dass Mit­glie­der der Clans ver­su­chen sol­len, die Ber­li­ner Po­li­zei zu un­ter­wan­dern. Bo­do Pfalz­graf, Lan­des­vor­sit­zen­der der Deut­schen Po­li­zei­ge­werk­schaft, spricht von „deut­li­chen Hin­wei­sen dar­auf, dass ara­bi­sche Groß­fa­mi­li­en ver­such­ten, Mit­glie­der in den öf­fent­li­chen Di­enst ein­zu­schleu­sen. Es ge­be ei­ne Stra­te­gie, die dar­auf ab­zie­le, „be­stimm­te Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge von Straf­ta­ten frei zu hal­ten“, um sie im öf­fent­li­chen Di­enst un­ter­brin­gen zu kön­nen. Der von der Po­li­zei­ge­werk­schaft ge­äu­ßer­te Ver­dacht steht im Zu­sam­men­hang mit wei­te­ren Vor­wür­fen ge­gen die Ber­li­ner Po­li­zei­aka­de­mie, die in den ver­gan­ge­nen Ta­gen laut ge­wor­den sind. Vor al­lem Po­li­zei­schü­ler mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, so kla­gen an­ony­me Hin­weis­ge­ber, sol­len durch Dis­zi­plin­lo­sig­keit, un­zu­rei­chen­de Deutsch­kennt­nis­se, Hass und Trick­se­rei­en bei Prü­fun­gen auf­ge­fal­len sein.

Den St­ein ins Rol­len ge­bracht hat­te ei­ne Sprach­nach­richt ei­nes Aus­bil­ders, der vom „Feind in un­se­ren Rei­hen“sprach. Und die Po­li­zei­füh­rung, so der Vor­wurf, ver­schlie­ße die Au­gen vor den „un­halt­ba­ren Zu­stän­den“. Die Hin­wei­se sei­en aus Angst vor be­ruf­li­chen Nach­tei­len an­onym er­folgt.

Die Zahl der Aus­bil­dungs­plät­ze bei der Ber­li­ner Po­li­zei war zu­letzt von 500 auf 1200 er­höht wor­den. Ein­ge­stellt, so heißt es, wur­den auch Per­so­nen, die zu­vor als un­ge­eig­net ab­ge­lehnt wor­den wä­ren. Ak­tu­ell ha­ben rund 45 Pro­zent der An­wär­ter ei­nen Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund. Die an­geb­li­chen Pro­ble­me an der Aka­de­mie in Berlin-Span­dau ha­ben nun in ei­ner Son­der­sit­zung den In­nen­aus­schuss des Ab­ge­ord­ne­ten­hau­ses be­schäf­tigt. Ber­lins In­nen­se­na­tor Andre­as Gei­sel (SPD) sagt: „Die an­ony­men An­schul­di­gun­gen sind nicht be­legt. Man muss sich fra­gen, ob be­wusst Stim­mung ge­macht wird ge­gen Mi­gran­ten in der Po­li­zei.“

Gleich­zei­tig muss­te die Po­li­zei­füh­rung ein­räu­men, dass an der Po­li­zei­aka­de­mie heu­er 33 Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wur­den – et­wa we­gen Kör­per­ver­let­zung, Be­lei­di­gung, Täu­schung in Prü­fun­gen und Fern­blei­ben vom Di­enst.

Den Vor­wurf der mög­li­chen Un­ter­wan­de­rung der Aka­de­mie durch Clans wies Po­li­zei­prä­si­dent Klaus Kandt zu­rück: „Die Be­haup­tung, dass sich An­ge­hö­ri­ge ara­bi­scher Groß­fa­mi­li­en in der Aus­bil­dung be­fän­den, ist de­fi­ni­tiv falsch.“ In­nen­ex­per­te Tom Schrei­ber von der SPD nann­te die Aus­sa­gen Kandts „schein­hei­lig“. Seit min­des­tens ei­nem Jahr sei be­kannt, dass kri­mi­nel­le Ban­den ver­such­ten, die Po­li­zei zu un­ter­wan­dern. Da­für spre­chen auch Be­rich­te über Kon­tak­te von min­des­tens ei­nem Po­li­zei­schü­ler zu ei­nem Clan und ei­ner ro­cker­ähn­li­chen Grup­pie­rung na­mens „Gue­ril­la Na­ti­on“.

Auf­hor­chen las­sen auch Be­rich­te, nach de­nen ei­ne Prak­ti­kan­tin bei der Po­li­zei in Berlin-Schö­ne­berg heim­lich Po­li­zei­un­ter­la­gen fo­to­gra­fiert und über Whats­App ver­brei­tet hat. Es soll sich um in­ter­ne Fahn­dungs­fo­tos zu ei­ner ara­bi­schen Groß­fa­mi­lie han­deln. Die Prak­ti­kan­tin, ei­ne 20-Jäh­ri­ge mit ara­bi­schem Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, hat­te sich ge­zielt für das Schö­ne­ber­ger Re­vier be­wor­ben. Ge­gen sie läuft ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren we­gen des Ver­rats von Di­enst­ge­heim­nis­sen. An der Ber­li­ner Po­li­zei­aka­de­mie soll es Pro­ble­me mit Schü­lern aus Zu­wan­de­rer­fa­mi­li­en ge­ben.

Fo­tos: An­dy Wong/AP/dpa

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