An­dech­ser-Ab­riss ge­star­tet

Der Gin-Pio­nier fei­ert Zehn­jäh­ri­ges

Abendzeitung München - - STADTVIERTEL -

Den Fas­sa­den wird ja im­mer be­son­ders nach­ge­weint, wenn ein Haus wei­chen muss. Die Front vom seit En­de Ju­ni ge­schlos­se­nen An­dech­ser am Dom schaut schon arg ram­po­niert aus. Weg sind das ver­schnör­kel­te Schild und die Lam­pen und ein paar von den St­ein­flie­sen hat der Bag­ger auch schon zer­brö­selt.

So wie den Flie­sen wird’s in den nächs­ten Wo­chen auch dem rest­li­chen Bau­werk ge­hen, wenn es Stück für Stück platt­ge­macht wird. Der Ab­riss hat auch das Tra­di­ti­ons­lo­kal zum Aus­zug ge­zwun­gen, der ja zum Glück nur ein Um­zug ums Eck an den Frau­en­platz 7 ist.

Das Grund­stück an der Wein­stra­ße 7a bleibt nicht lan­ge ge­bäu­de­los, hier ent­steht, wie auch am Grund da­ne­ben, ein Neu­bau. Bau­herr Au­gust Ba­ron von Finck und sei­ne Nym­phen­burg Im­mo­bi­li­en AG Fron­tal­an­griff: Die Fas­sa­de hat der Bag­ger schon or­dent­lich zer­dep­pert. ver­mie­ten die neu­en Häu­ser dann an den FC Bay­ern. Die Er­leb­nis­welt soll dann in die Alt­stadt zie­hen, da wo der An­dech­ser war, tischt der Ver­ein dann den Gäs­ten auf. Al­so je­nen, die Sepp Krätz nicht die 100 Me­ter in sein neu­es Lo­kal fol­gen. Wie genau die Gas­tro­no­mie an der Wein­stra­ße dann aus­schaut, ist noch nicht klar. Aber jetzt müs­sen die Münch­ner eh erst den Ab­riss ver­dau­en. jl

Am al­ten Wirts­haus sind die schwe­ren Ma­schi­nen an­ge­rollt. Den Neu­bau soll dann voll­stän­dig der FC Bay­ern be­set­zen

Jetzt muss der Bau Platz ma­chen für den neu­en.

Es ist ei­ne Schnaps­idee, in der Stadt Gin zu bren­nen. Ma­xi­mi­li­an von Pück­ler (39) hat vor zehn Jah­ren in ei­nem Hin­ter­hof in der Maxvorstadt trotz­dem da­mit an­ge­fan­gen – und das ei­ni­ge Jah­re vor dem Gin-Hy­pe, der zwar je­des Jahr für be­en­det er­klärt wird, aber dann be­stellt sich doch wie­der je­der ei­nen Gin To­nic. An die­sem Wo­che­n­en­de fei­ert der Münch­ner Gin The Du­ke sein Zehn­jäh­ri­ges, aber nicht mehr in der Maxvorstadt, son­dern in der neu­en De­stil­le­rie in Asch­heim. Ra­sant ist die klei­ne Hin­ter­hof­de­stil­le ge­wach­sen und vor drei Jah­ren in ei­ne ehe­ma­li­ge Kar­tof­fel­schnaps­fa­brik nach Asch­heim ge­zo­gen.

Zum Som­mer­fest am Sams­tag wird ab 12 Uhr ge­fei­ert und ein neu­es Du­ke-Pro­dukt vor­ge­stellt: Mit Aqua di Mo­na­co hat The Du­ke ab­ge­füll­te Drinks ent­wi­ckelt. Gin To­nic, Mu­nich Mu­le, Mos­kow Mu­le und Wod­ka Le­mon gibt’s fer­tig in 0,25-Li­ter-Flaschen und Bi­oQua­li­tät für vier Eu­ro. „Wer sich durch Mi­xo­lo­gie aus­zeich­net, wird da eher we­ni­ger Bock drauf ha­ben“, sagt von Pück­ler. The Du­ke pro­fi­tiert da­von, dass das Ni­veau in den Bars in den ver­gan­ge­nen Jah­ren enorm ge­stie­gen ist. „Bös ge­sagt gab es frü­her vie­le Saft­schub­ser und ein paar coo­le Bars und Cock­tail­bars, heu­te kön­nen sehr vie­le Men­schen rich­tig gu­te Drinks mi­xen“, sagt von Pück­ler. Mitt­ler­wei­le ist auch der Han­del dar­auf ein­ge­stie­gen, und hoch­wer­ti­ge Spi­ri­tuo­sen wer­den in je­dem Supermarkt ver­kauft.

Als er 2008 mit sei­nem Ge­schichts-Stu­di­um­kum­pel Da­ni­el Schöne­cker an­ge­fan­gen hat zu bren­nen, hat­te Gin ein bil­li­ges Image und wur­de von eher äl­te­ren Men­schen ge­trun­ken. „Wir wa­ren Pio­nie­re und für klei­ne De­stil­le­ri­en wie uns neh­me ich schon in An­spruch, dass wir den Hy­pe mit los­ge­tre­ten ha­ben.“

Ah­nung hat­ten sie kei­ne. Aber sie hol­ten sich die er­for­der­li­chen Ge­neh­mi­gun­gen – was gar nicht so ein­fach war, denn seit den 70ern hat­te in Mün­chen nie­mand mehr ge­werb­lich Schnaps ge­brannt. „Wir ha­ben da­mals noch al­les selbst ab­ge­von füllt, ver­korkt und die Flaschen be­klebt.“

Heu­te hat The Du­ke 26 Mit­ar­bei­ter und auch zwei Bren­ner aus­ge­bil­det. Die Ar­beit ist trotz­dem Hand­werk, das nicht Was ist los in Ih­rem Vier­tel? az-mu­en­chen.de/stadt­vier­tel

In ei­nem Hin­ter­hof ist The Du­ke ge­star­tet – seit­dem hat sich das Trin­ken stark ver­än­dert

Ma­schi­nen er­le­digt wird und die je­der in der glä­ser­nen Ma­nu­fak­tur se­hen kann. Auch wenn The Du­ke mitt­ler­wei­le welt­weit ge­trun­ken wird. min

Feld­kirch­ner Str. 1, Asch­heim Ma­xi­mi­li­an von Pück­ler (rechts) mit sei­nen bei­den aus­ge­bil­de­ten Bren­nern An­dy Tür­ler und Ge­org Zwie­hoff.

Fo­tos: Bernd Wa­cker­bau­er (2), AZ-Ar­chiv/Lo­eper

Der al­te An­dech­ser am Dom in sei­nem letz­ten Ad­vent.

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