Ro­ter Wahl­kampf im schwar­zen Stamm­land

Abendzeitung München - - POLITIK -

„Frau­en ha­ben auf al­les ei­ne Ant­wort“: SPD-Che­fin Na­ta­scha Koh­nen (l.) und die Murnau­er Kon­di­to­rin Bar­ba­ra Krön­ner.

Bay­erns SPD-Che­fin macht mit ih­rer Rei­he „Koh­nen Plus“Sta­ti­on in Murnau – mit­ten im Wahl­kreis von Alex­an­der Do­brindt (CSU). Die Re­ak­tio­nen sind trotz­dem po­si­tiv

Am Tag nach dem Um­fra­ge-Schock, dem his­to­risch schlech­ten Elf-Pro­zent-De­ba­kel der Bay­ern-SPD, sitzt die Vor­sit­zen­de Na­ta­scha Koh­nen auf dem Po­di­um im Kul­tur- und Ta­gungs­zen­trum in Murnau. Die pit­to­res­ke Ge­mein­de am Staf­fel­see ist nicht gera­de so­zia­lis­ti­sches Stamm­land. Den Bür­ger­meis­ter stellt die ÖDP, bei der Bun­des­tags­wahl hol­te CSU-Hard­li­ner Alex­an­der Do­brindt mit 47,9 Pro­zent das Di­rekt­man­dat im Wahl­kreis. Na­ta­scha Koh­nen lä­chelt trotz­dem. Nicht jam­mern, son­dern kämp­fen, lau­tet ih­re De­vi­se für den Wahl­kampf-End­spurt: „Voll­gas!“ cus H. Ro­sen­mül­ler noch auf der Lis­te.

Bis zum Wahl­tag am 14. Ok­to­ber wird Koh­nen auf ih­rer Plus-Tour in mehr als 60 baye­ri­schen Ge­mein­den Sta­ti­on ge­macht ha­ben. ste­hen ge­walt am Bau­zaun ha­be ihr klar ge­macht: „In so ei­nem Land will ich nicht le­ben!“ Bar­ba­ra Krön­ner be­schäf­tigt in ih­rem Be­trieb heu­te 55 Men­schen aus 13 Na­tio­nen. Seit vier Jah­ren ist ein Flücht­ling aus Ni­ge­ria da­bei, des­sen Zu­kunft in den Ster­nen steht. Das sei nicht im­mer ein­fach, gibt die Che­fin zu. „Er ist schwer trau­ma­ti­siert. Je­des Mal, wenn ein Brief vom Amt kommt, wird er zum St­ein und hat Angst um sein Le­ben.“Manch­mal sei es so schlimm, dass er ta­ge­lang nicht ar­bei­ten kön­ne.

Was mit Men­schen wie ihm po­li­tik-be­dingt ge­sche­he, sei un­ter­ir­disch, sagt Krön­ner. „Er braucht die Si­cher­heit, dass er hier ei­ne Hei­mat hat und sei­ne Trau­ma­ta be­wäl­ti­gen kann.“Und sie brau­che ihn auch. „Er ist ein­ge­ar­bei­tet und weiß, was zu tun ist.“Krön­ner be­kommt viel Ap­plaus – und Koh­nen die Mög­lich­keit, den „Spur­wech­sel“von Asyl­be­wer­bern in den Ar­beits­markt zu er­klä­ren, den die SPD for­dert, die CSU aber par­tout nicht will. Im Saal ver­steht die­se Wei­ge­rung kaum ei­ner. Städ­ten mit den größ­ten Wohn­kos­ten­stei­ge­run­gen lie­gen 26 in Bay­ern“, sagt Koh­nen. Und dass sie das 365-Eu­ro-Ti­cket, das Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der (CSU) bis 2030 ein­füh­ren will, für ei­nen „völ­li­gen Schmarrn“hält. Bis da­hin sei der Mann doch längst nicht mehr im Amt. Au­ßer­dem lö­se er das Pro­blem nicht, dass es ak­tu­ell Or­te in Bay­ern ge­be, „die ha­ben null An­bin­dung“.

Wie zum Be­weis mel­det sich ei­ne jun­ge Frau aus dem Murnau­er Um­land, und be­stä­tigt: In ih­rem Dorf ge­be es so gut wie kei­nen ÖPNV, „und in den Schul­fe­ri­en wird er ganz ein­ge­stellt“. Doch da­von re­de lei­der nie­mand, es ge­he im­mer nur um Asyl­po­litk. „Su­per, dass sie das an­spre­chen!“ Tat­säch­lich kommt Na­ta­scha Koh­nen in Murnau an. Sie sei sach­lich, gut in­for­miert und spre­che oh­ne Po­le­mik, lobt ein Zu­schau­er. „Ein sehr gu­ter Auf­tritt! Wie im Kaf­fee­haus!“Ei­ne Grü­nen-An­hän­ge­rin fühlt sich nun hin- und her­ge­ris­sen zwi­schen Ökos und Ge­nos­sen, will al­les „erst­mal sa­cken las­sen“.

Und ei­ner vom Stamm­tisch im Kaf­fee­haus Krön­ner gibt zu: Er wäh­le ei­gent­lich im­mer Links im Bund und Grün in Bay­ern, aber Koh­nen ha­be ihm so gut ge­fal­len, dass er sein Kreuz­chen dies­mal wohl bei den Ro­ten ma­chen wer­de. „Die Grü­nen“, sagt er, „die ha­ben es mit der so­zia­len Fra­ge nicht so.“Natalie Ket­tin­ger

Fo­to: nk

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