„Die SPD strebt nach Gestal­tungs­macht“

Abendzeitung München - - POLITIK -

Mar­kus Rin­der­spa­cher über Um­fra­ge­wer­te, po­li­ti­sche Ma­nö­ver und Ko­ali­ti­ons­aus­sa­gen

AZ: Herr Rin­der­spa­cher, nur noch elf Pro­zent der Bay­ern wol­len die SPD wäh­len. Was läuft da für Sie schief? MAR­KUS RIN­DER­SPA­CHER: Die wich­tigs­te Kenn­zif­fer des „Bay­ern­trends“lau­tet 45 Pro­zent, knapp die Hälf­te der Bür­ger in Bay­ern wis­sen noch nicht, wel­che Par­tei sie am 14. Ok­to­ber zur Land­tags­wahl un­ter­stüt­zen Ich er­le­be ei­ne kamp­fes­lus­ti­ge baye­ri­sche SPD mit Kan­di­da­ten, die mu­tig nach vor­ne stre­ben, und ei­ner Spit­zen­kan­di­da­tin Na­ta­scha Koh­nen, die bei ih­rer Tour durch Bay­ern vie­le Sym­pa­thi­en ge­nießt. Ich bin gu­ten Mu­tes, dass wir noch vie­le Un­ent­schlos­se­ne von un­se­rem Pro­gramm über­zeu­gen kön­nen. Ei­ne gro­ße Mehr­heit wünscht sich laut Um­fra­gen ei­ne Ko­ali­ti­ons­re­gie­rung in Bay­ern. Was wä­ren Ih­re Be­din­gun­gen für Schwarz-Rot im Frei­staat? Die SPD geht mit kei­ner Ko­ali­ti- ons­aus­sa­ge in die­sen Wahl­kampf. Da­bei bleibt es. Wir wer­ben für un­se­re The­men, näm­lich, Fa­mi­li­en und Be­ruf bes­ser mit­ein­an­der in Ein­klang brin­gen zu kön­nen und Woh­nen wie­der be­zahl­bar zu ma­chen. Wie mo­der­ni­sie­ren wir un­ser Schul­sys­tem? Was tun wir für ei­nen fort­schritt­li­chen ÖPNV? Da­bei ha­ben sie durch­aus gu­te Chan­cen auf ei­ne Re­gie­rungs­be­tei­li­gung in Bay­ern. In­ter­es­siert Sie das gar nicht? Die SPD strebt nach Gestal­tungs­macht. Wir wol­len selbst­wer­den. ver­ständ­lich nicht auf ewi­ge Zei­ten in der Op­po­si­ti­on blei­ben. Die Wahl ist so of­fen wie nie. Ich wün­sche mir, dass sich die Wäh­ler auf der Ba­sis von Pro­gram­men und Per­so­nal­an­ge­bo­ten ent­schei­den – und nicht aus ei­ner tak­ti­schen Mo­ti­va­ti­on her­aus. Sie wol­len mit So­zi­al­po­li­tik punk­ten und aus­ge­rech­net der Bun­des­so­zi­al­mi­nis­ter von der SPD stellt sich beim Lan­des­fa­mi­li­en­geld quer. Ist Hu­ber­tus Heil ver­ant­wort­lich da­für, dass Hartz-IV-Emp­fän­ger da­von nicht pro­fi­tie­ren? Nein, im Ge­gen­teil. Es war die CSU, die in den letz­ten 15 Jah­ren im Bund stets auf die An­re­chen­bar­keit von So­zi­al­leis­tun­gen bein­hart be­stan­den hat. Die baye­ri­sche So­zi­al­mi­nis­te­rin wuss­te beim Fa­mi­li­en­geld von An­fang an, dass es ih­ren Ver­spre­chun­gen nicht stand­hält. Ent­we­der hat Frau Schrey­er das Fa­mi­li­en­geld im Ge­setz hand­werk­lich so schlecht ge­stal­tet, dass es mit dem Bun­des­recht kol­li­diert. Das wä­re schlimm ge­nug. Oder sie nimmt bil­li­gend in Kauf, dass Hartz-IV-Emp­fän­ger we­ni­ge

Wo­chen nach dem Wahl­ter­min Tei­le der Leis­tun­gen zu­rück­be­zah­len müs­sen. Das wä­re per­fi­de ge­gen­über den Be­trof­fe­nen und ein politisches Ma­nö­ver, das nur auf den Wahl­tag schielt und eben nicht auf die so­zi­al Be­nach­tei­lig­ten blickt. In­ter­view: Ge­rald Schnei­der,

Mar­kus Loh­mül­ler

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