Ab­schied von Oba­mas Kurs

Acher- und Bühler Bote - - Politik -

FRANK HERR­MANN

Kri­ti­ker Do­nald Trumps spre­chen von ei­nem ge­fähr­li­chen Irr­weg, Be­für­wor­ter von nüch­ter­nem Rea­lis­mus in ei­ner Welt vol­ler Ge­fah­ren. Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten wol­len ihr nu­klea­res Ar­senal um Atom­waf­fen mit ge­rin­ge­rer Spreng­kraft er­gän­zen, da­mit nach der Lo­gik des Pen­ta­gon Ri­va­len wie Russ­land oder Chi­na auch künf­tig glaub­haft ab­ge­schreckt wer­den.

Es ist das bis­her klars­te Si­gnal, dass der 45. US-Prä­si­dent ab­rückt von der Stra­te­gie sei­nes Vor­gän­gers Ba­rack Oba­ma, der einst die Vi­si­on ei­ner Welt oh­ne Nu­kle­ar­waf­fen be­schwor und zu­min­dest in klei­nen Schrit­ten dar­auf hin­ar­bei­te­te. Der Träu­mer Oba­ma, das liest man zwi­schen den Zei­len der neu­en Ana­ly­se zur Über­prü­fung der US-Atom­po­li­tik (NPR), ha­be das Welt­ge­sche­hen all­zu oft durch die ro­sa­ro­te Bril­le be­trach­tet.

Kern des neu­en An­sat­zes ist die Ab­sicht, tak­ti­sche Atom­spreng­köp­fe zu ent­wi­ckeln. Wäh­rend das Pen­ta­gon von Waf­fen ge­rin­gen Er­trags spricht, le­gen Fach­leu­te Wert dar­auf, den ver­harm­lo­sen­den Be­griff zu hin­ter­fra­gen: Je­der die­ser Spreng­köp­fe ha­be schließ­lich die Wir­kung der Atom­bom­ben, die 1945 über Hi­ro­shi­ma und Na­ga­sa­ki ab­ge­wor­fen wur­den. Un­ter ex­tre­men Um­stän­den, so die NPR-Ana­ly­se, könn­ten sol­che Waf­fen auch als Ant­wort auf ei­ne nicht­nu­klea­re Atta­cke ein­ge­setzt wer­den.

Ei­ne zu­tiefst be­un­ru­hi­gen­de Per­spek­ti­ve, die das klas­si­sche Mo­dell der nu­klea­ren Ab­schre­ckung in­fra­ge stellt. Ex­per­ten wie Er­nest Mo­niz und Sam Nunn, der

ei­ne Oba­mas Ener­gie­mi­nis­ter, der an­de­re als Se­na­tor maß­geb­lich an Abrüs­tungs­in­itia­ti­ven be­tei­ligt, zeich­nen ein alar­mie­ren­des Sze­na­rio: Soll­ten die USA bei­spiels­wei­se zur Ziel­schei­be ei­nes mas­si­ven Cy­ber­an­griffs wer­den, könn­ten im Ge­gen­zug tak­ti­sche Spreng­köp­fe zum Ein­satz kom­men. Da­mit stie­ge das Ri­si­ko fa­ta­ler Feh­l­ein­schät­zun­gen.

„Soll­te ei­ne Cy­ber­at­ta­cke ei­nen Groß­teil un­se­res Strom­net­zes lahm­le­gen, wä­ren wir dann in der La­ge, schnell und zwei­fels­frei zu be­stim­men, aus wel­chem Land die Atta­cke kam?“, fra­gen bei­de. Über­haupt wür­de ei­ne nu­klea­re Ka­ta­stro­phe wohl am ehes­ten durch ei­nen fol­gen­schwe­ren Irr­tum aus­ge­löst. USPrä­si­den­ten sei­en schon mehr als ein­mal vor ver­meint­lich her­an­flie­gen­den rus­si­schen Atom­ra­ke­ten ge­warnt wor­den, und je­des Mal ha­be es sich um fal­schen Alarm ge­han­delt. Heu­te könn­ten Ha­cker Früh­warn­sys­te­me ma­ni­pu­lie­ren und so­mit An­grif­fe vor­täu­schen.

In ei­nem zwei­ten Schritt, we­ni­ger be­ach­tet an­ge­sichts des Wir­bels um die „Mi­ni-Nu­kes“, will das Pen­ta­gon U-Boo­te nach lan­ger Pau­se wie­der mit ato­mar be­stück­ten Marsch­flug­kör­pern aus­rüs­ten. Vor 27 Jah­ren war es Ge­or­ge Bush der Äl­te­re, der an­ord­ne­te, der­ar­ti­ge Crui­se Mis­si­les von Ame­ri­kas Un­ter­see­boo­ten zu ent­fer­nen. Spä­ter ließ Oba­ma sie ganz aus dem Waf­fen­ar­se­nal neh­men. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ja­mes Mat­tis da­ge­gen will kein Ri­si­ko ein­ge­hen und bei Be­darf fle­xi­bler agie­ren kön­nen.

Atom­an­griff als Ant­wort auf nicht­nu­klea­re Atta­cke mög­lich

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